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Doku-Zentrum: Goldener Saal wird Ausstellungsraum

Große Pläne für das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände - 25.06.2016 11:21 Uhr

Der Goldene Saal in der Zeppelintribüne wird in den Ausstellungs- und Vermittlungsbetrieb des Dokumentationszentrums mit eingebunden. Er soll Anlaufstelle für Besucher des Geländes werden. © Foto: Eduard Weigert


Rund 200.000 Besucher kommen jährlich zum Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das sind doppelt so viele als ursprünglich geplant. Angesichts des großen Zuspruchs müssen die Räumlichkeiten überholt und erweitert werden. Nachdem im vergangenen März der Stadtrat schon beschlossen hat, den Ausbau des Dokumentationszentrums bei einem Förderprogramm der Bundesregierung anzumelden, wird in der Stadtratssitzung im Juli das inhaltliche Konzept für die Erweiterung beschlossen. Rund 15 Millionen Euro soll die Fortentwicklung des erfolgreichen Dokumentationszentrums kosten: Sieben Millionen Euro sollen aus dem Bundesprogramm zur Förderung der Investitionen in Nationale Projekte des Städtebaus stammen. 4,5 Millionen Euro will die Stadt selber stemmen. Der Rest ist noch offen. Hinzu kommen natürlich noch die Kosten für die Sanierung der Zeppelintribüne, die derzeit ermittelt werden.

Studienforum wird Forum für Geschichte und Gegenwart

Mit dem inhaltlichen Konzept werden die Anregungen des Symposiums zum Dokumentationszentrum vom vergangenen Herbst aufgenommen. Ein zentraler Punkt des neuen Konzepts ist, mit der Zeppelintribüne einen zweiten Anlaufpunkt für Besucher zu schaffen: Der „Goldene Saal“ in der Tribüne wird zum Projektraum für die Bildungsarbeit des Dokumentationszentrums und damit dauerhaft zugänglich sein. Außerdem soll Aufsichtspersonal Besucher des Geländes informieren.

Kulturreferentin Julia Lehner und ihre Mitarbeiter, die das Konzept verfasst haben, sind überzeugt, dass die Öffnung des "Goldenen Saals" zu seiner Entmystifizierung führen wird. Außerdem soll ein Treppenhaus der Tribüne wieder zugänglich gemacht werden.

Das Studienforum, das seit 2001 die pädagogische Vermittlungsarbeit leistet und pro Jahr rund 1300 Veranstaltungen durchführt, soll erheblich gestärkt und neu ausgerichtet werden. Nachdem es immer weniger Zeitzeugen der Jahre 1933 bis 1945 gibt, soll auch die "Realität einer modernen Migrationsgesellschaft mit verschiedenen kulturellen Erfahrungen" berücksichtigt werden. Neben den Themen zur Geschichte des Nationalsozialismus sind deshalb auch Bezüge zur Gegenwart sowie zu anderen Diktatur- und Terrorerfahrungen vorgesehen. Geplant ist, auch die Zeppelintribüne für das pädagogische Begleitprogramm zu nutzen. Bei den Vermittlungsmethoden soll das Forum nicht nur klassische Unterrichtsseminare und Rundgänge anbieten, sondern auch virtuelle Zugänge für die jüngere Generation bieten. Das erweiterte Studienforum bekommt mit "Forum für Geschichte und Gegenwart" einen neuen Namen. Die geplanten inhaltlichen Änderungen werden aber den historischen Ort nicht überfrachten, heißt es in der Vorlage für den Stadtrat. Sie sollen dazu beitragen, die Relevanz der historischen Themen für die Gegenwart zu verdeutlichen.

Das neue Forum wird sich auch den folgenden Themen widmen: Es wird die Geschichte des Geländes vor und nach der NS-Zeit dargestellt. Dabei stehen auch die Misshandlungen von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen sowie die Deportationen von Juden aus Nordbayern im Blickpunkt. Berücksichtigt werden auch die Unterbringung der "displaced persons" sowie die der Flüchtlinge und Vertriebenen nach 1945. In dem Konzept wird ausdrücklich auf die Formulierung des erinnerungspolitischen Experten Volkhard Knigge, Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, verwiesen: "Kein Geld allein für Steine."

Die Pläne des Kulturreferats für das Dokumentationszentrum sind ziemlich umfangreich. Vorgeschlagen ist nicht nur eine internationale Sommerschule, sondern auch ein Bildungsprogramm für Besucher aus diktatorisch regierten Ländern. Das Dokumentationszentrum in der Kongresshalle soll einen dritten Seminarraum sowie ein Recherche- und Medienzentrum bekommen. 

André Fischer

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