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Frankenderby auf der Konsole: Club und Kleeblatt im Duell

Die E-Sport-Städtemeisterschaft steht am Wochenende an - 22.11.2018 16:29 Uhr

Fußballkrimi abseits des Rasens: Bei der digitalen Städtemeisterschaft treten Club und Kleeblatt auf der Leinwand gegeneinander an. Wie's geht, sieht man hier bei einem früheren Derby im K4. © Archivfoto: Horst Linke


Im echten Liga-Alltag ist eine Begegnung der beiden fränkischen Fußballvereine derzeit ausgeschlossen, aber digital ist sie möglich. Beim "Derby 2.018" tragen die Spieler die Partie über das Videospiel Fifa aus, eine der beliebtesten Fußballsimulationen, sagt Christoph Zitzmann von der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur. Die veranstaltet das Derby zusammen mit dem Jugendmedienzentrum Connect in Fürth und dem KunstKulturQuartier.

"Das nächste große Ding"

Es ist bereits das vierte digitale Aufeinandertreffen der beiden Fußballvereine. "Unser Projekt ist 2014 entstanden. Wir wollen damit den E-Sport ins Analoge holen und bekannter machen", sagt Zitzmann. Schließlich sei diese Sportart das "nächste große Ding". Das hat zum Beispiel auch der 1. FC Nürnberg im realen Leben gemerkt und ein eigenes E-Sport-Team mit zwei Profi-Gamern gegründet, die den Club bei nationalen und internationalen Fifa-Turnieren vertreten.

Das Derby an diesem Wochenende ist aber vor allem für Amateure gedacht, sagt Zitzmann. Sowohl im Künstlerhaus in Nürnberg als auch im Fürther Jugendkulturhaus Otto versammeln sich am Samstag je sieben Mannschaften, um online gegen die Nachbarstadt anzutreten. Die Duelle kann das Publikum an beiden Orten live mitverfolgen – samt Videoschaltung zu den Gegnern.

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Gespielt wird Fifa 19 auf der Playstation 4, sieben Zweierteams steuern den 1. FC Nürnberg, sieben die SpVgg Greuther Fürth. Die Partien dauern jeweils zehn Minuten und werden live von zwei BR-Moderatoren kommentiert. "Wir hatten etwa 35 Bewerbungen und mussten losen", sagt Zitzmann. Er rechnet mit 100 Zuschauern vor Ort in Nürnberg und Fürth sowie 300 Besuchern des Livestreams, denn das Derby wird auch im Internet übertragen.

Badeschlappen als Experte

In den Spielpausen interviewen die Moderatoren Experten zu E-Sport und Fankultur. In Nürnberg ist das der 24 Jahre alte Lukas Hösch. Er hat sich vor fast drei Jahren selbstständig gemacht – indem er Videos von sich selbst beim Fifa-Spielen ins Internet stellt. Dort zeigt er Tipps und Tricks und tauscht sich mit seinen Anhängern aus.

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Bei dem weltweit beliebten Fußball-Simulationsspiel können die Nutzer wie Manager agieren, Mannschaften zusammenstellen oder Spielertransfers tätigen. Sie können sich ihre Wunschspieler auswählen und zum Beispiel Messi, Ronaldo und Manuel Neuer ins Team holen. Mit Hilfe von Maus oder Konsole kann man passen, schießen, flanken oder grätschen, man muss verteidigen und dabei auch schnell zwischen den einzelnen Spielern hin- und herwechseln.

Lukas Hösch spielt Fifa seit etwa 15 Jahren, seit 2011 lädt er Videos davon auf der Plattform YouTube hoch. "Bis vor kurzem habe ich auch im wirklichen Leben Fußball gespielt, aber jetzt habe ich keine Zeit mehr dazu."

Der 24-Jährige streamt beinahe täglich von nachmittags bis in die Nacht hinein, etwa auf Twitch, einer Plattform, auf der man anderen beim Computerspielen zuschauen kann. Hösch hat eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht, doch sein Geld verdient er durch Werbung auf den Plattformen, Sponsoren und Abomodellen, bei dem die Nutzer einen geringen Betrag für Extra-Videos zahlen. Seit kurzem unterstützt er auch die E-Sport-Abteilung des 1. FC Nürnberg. Der E-Sport, prognostiziert Hösch, wird noch weiter wachsen. Vor allem, was Fifa angeht: "Dafür sorgt schon die große Begeisterung für Fußball in Deutschland." In Asien füllen Wettkämpfe zu Computerspielen wie "League of Legends" oder "Counter Strike" ganze Stadien.

Unter seinem Namen "Badeschlappen LP" ist Hösch einer der reichweitenstärksten Streamer der Region. Bei YouTube hat er gut 190.000 Abonnenten, bei der Fotoplattform Instagram 55.000, bei Twitch knapp 150.000. "Etwa 95 Prozent meiner Besucher sind Männer, aber aus allen Altersgruppen." Der Großteil spiele selbst aktiv Fußball.

"Nicht jeder kann E-Sportler werden"

Dass viele die neue Sportart, die komplett vor der Konsole stattfindet, nicht ernst nehmen, kümmert den 24-Jährigen nicht. "Auch beim Golfen und beim Schach bewegt man sich nur wenig." Außerdem weiß er: Um beim E-Sport an der Spitze zu stehen, ist harte Arbeit und stundenlanges tägliches Training nötig. "Ich bin das beste Beispiel, dass nicht jeder, der gern Computerspiele spielt, E-Sportler werden kann." Dafür sei er nicht gut genug. "Ich bin nur etwas über dem Durchschnitt und mache es vor allem, um zu unterhalten. Ein paar Tipps kann ich aber dennoch geben." Für den Expertenjob beim digitalen Derby ist Hösch aber prädestiniert: Schließlich ist er seit frühester Kindheit Club-Fan. Derbys zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth haben eine unglaubliche Tradition, sagt er. "Das ist das Spiel, das man unbedingt gewinnen will, da ist viel Emotion drin."

In der Städtewertung hat übrigens Nürnberg die Nase vorn: Nach drei Fifa-Derbys steht es derzeit 2:1 für die Frankenmetropole.

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Judith Horn

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