Gesellschaftlicher Zusammenhalt 

In Nürnberg: Heute Kundgebung gegen Hass und Diskriminierung

Solche Szenen wie hier aus dem Jahr 2019  können Corona-bedingt nicht stattfinden, das

Solche Szenen wie hier aus dem Jahr 2019  können Corona-bedingt nicht stattfinden, das "Straßenfest gegen Rassismus" muss sich weitgehend auf Kundgebungen mit musikalischen Einlagen beschränken. Aber immerhin soll  es stattfinden. © Stefan Hippel

Zahlreiche Organisationen laden heute zum siebten "Straßenfest gegen Rassismus und Diskriminierung". Man wolle den Protest nach dem rein digitalen Format im Vorjahr heuer wieder auf die Straße tragen und Seite an Seite ein Zeichen gegen menschenfeindliches Denken setzen, sagt Alev Bahadir von "Junge Stimme". Der Verein organisiert die Veranstaltung federführend.

Ein Fest ohne Fest

Wobei ein richtiges Fest mit Bierbänken, Informationsständen und einem Kinderprogramm freilich auch heuer nicht möglich ist, wie Elke Leo, Mitglied des Grünen-Kreisvorstands, betont. Aber zumindest die politischen und kulturellen Teile des Straßenfestes, wie es zwischen 2015 und 2019 auf dem Aufseßplatz stattfand, wollen die Veranstalter in diesem Jahr trotz Corona ermöglichen.

Drei Kundgebungen

Geplant sind demzufolge drei jeweils einstündige Kundgebungen – auf einer soll auch der Oberbürgermeister reden. Marcus König (CSU), Schirmherr der Veranstaltung gegen Rassismus, wird um 17 Uhr vor dem Jugendkulturzentrum "Luise" an der Scharrerstraße sprechen.

Die Scharrerstraße war vor 16 Jahren Schauplatz eines schrecklichen Verbrechens, denn dort hat die Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) am 9. Juni 2005 den Mord an dem Imbissbetreiber Ismail Yasar begangen.

Frank Hotze (Bunter Tisch Gartenstadt und Siedlungen Süd) erinnert bei der Programmvorstellung daran, dass König als früherer Schüler der Scharrerschule auch einen persönlichen Bezug zu dem Thema hat. Das Team der "Luise" wird sich mit einem Projekt zum Gedenken an Yasar an diesem Programmpunkt beteiligen, zudem gibt es musikalische Einlagen.

Staatstheater ist mit an Bord

Die erste der drei Kundgebungen findet indes bereits um 15 Uhr auf dem Kopernikusplatz statt. Hier spricht Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz gegen Rechtsextremismus und Chef des mittelfränkischen Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Auch dort gibt es Musik, unter anderem von Yascha Finn Nolting und Amadeus Köhli vom Staatstheater Nürnberg.


Die dritte Station ist der Aufseßplatz. Dort wird Birgit Mair vom Bündnis Nazistopp, eine ausgewiesene Expertin für Rechtsextremismus, zu den Kundgebungsteilnehmern sprechen. Zudem soll die Band Bülbül Manush für Stimmung sorgen. Hotze räumt ein, dass wegen der dortigen Baustelle die Organisation gar nicht so einfach sei.

Streams mit Musik

Jeweils im Anschluss an die Kundgebungen, also um 16, 18 und 20.30 Uhr, soll es auf dem YouTube-Kanal des Straßenfestes Streams zu sehen geben – die Veranstalter wollen diese zusätzlichen digitalen Angebote als Ausgleich dafür bereit stellen, dass das Fest im analogen Rahmen nur stark eingeschränkt möglich ist. In den Filmen wird auch Ernst Schultz zu sehen, einst eine der treibenden Kräfte der Rockband "Ihre Kinder".

Straßenfestzeitung erscheint

Zudem erscheint heuer erstmals eine Straßenfestzeitung mit einer Auflage von 20.000 Stück. Sie soll unter den Teilnehmern des Festes verteilt werden. In der Zeitung findet sich auch ein Beitrag des Rechercheverbunds von NN und BR über den NSU in Nürnberg.

Rüdiger Löster vom Arbeitskreis gegen Rechts in der Nürnberger SPD erinnert in diesem Kontext daran, dass sich die Ermordung von Abdurrahim Özüdoğru, den der NSU mit zwei Kopfschüssen tötete, am 13. Juni zum 20. Mal jährt. "Wir wollen nicht, dass die Opfer vergessen werden."

Breites Bündnis

Um an die NSU-Morde zu erinnern, findet das Straßenfest seit seiner ersten Auflage 2015 stets im Juni statt. Zu den Organisationen, die sich beteiligen, gehören politische Parteien wie SPD, Grüne oder Linke, Gewerkschaften, Organisationen aus der Zivilgesellschaft wie der Bayerische Flüchtlingsrat oder aus der Jugendarbeit wie der Kreisjugendring oder die Evangelische Jugend. "Es sind sehr unterschiedliche Gruppen dabei, die aber die gemeinsame Grundlage haben, dass es ihnen um gesellschaftlichen Zusammenhalt geht", sagt Löster.

Sorgen wegen "Querdenkern"

Sorgen bereitet ihm die "Querdenker"-Bewegung. Bei deren Veranstaltungen seien "stadtbekannte Rechtsextremisten" dabei gewesen. Zudem sieht Löster eine bedenkliche Nähe der Bewegung zu "übelstem antisemitischen Gedankengut".

Keine Kommentare