Trostlos und grau

Kippen und Unkraut am "Tor zur Welt": Terrasse wirft schlechtes Licht auf den Airport Nürnberg

24.9.2021, 18:28 Uhr
Früher saßen hier zahlreiche Reisende und Luftfahrtbegeisterte bei einem Kaffee oder kühlen Getränk zusammen. Doch seit das „Terminal 90“ Anfang 2020 geschlossen hat, hat die Besucherterrasse des Nürnberger Flughafens an Attraktivität eingebüßt.

Früher saßen hier zahlreiche Reisende und Luftfahrtbegeisterte bei einem Kaffee oder kühlen Getränk zusammen. Doch seit das „Terminal 90“ Anfang 2020 geschlossen hat, hat die Besucherterrasse des Nürnberger Flughafens an Attraktivität eingebüßt. © Foto: Johannes Handl

Alle Blicke richten sich gespannt auf den Flieger, der gerade zur Startbahn rollt. Wenn die Maschine gleich abhebt, malen sich wieder viele Beobachter aus, wie es wäre, selbst an Bord zu sein und dem Alltag zu entfliehen. Warum nicht nach Rhodos fliegen oder eine Woche Sandstrand auf Teneriffa genießen? Für einen kurzen Moment vergessen sie den Beginn der kalten Jahreszeit und lassen ihre Gedanken schweifen.

Die Besucherterrasse des Albrecht-Dürer-Airports ist durchaus ein Ort, der zum Träumen einladen könnte. Momentan hinterlässt die Außenfläche allerdings einen traurigen Eindruck. Das musste auch ein Leser erfahren, als er seiner Frau erstmals die Terrasse zeigen wollte.

Böse Überraschung

"Ich bin im Grunde ein großer Fan des NUE", schreibt er der Redaktion. Doch als er oben ankam, erlebte er eine böse Überraschung: "Verdreckt, alles voller Unkraut, die Scheiben haben zum Teil Risse, so dass man kaum ein vernünftiges Foto machen kann", beklagt er. Von einem "Tor zur Welt" könne keine Rede sein. Allen Luftfahrtbegeisterten gegenüber empfinde er es als Frechheit, sich als (internationaler) Flughafen so zu präsentieren: "Außerdem wirft es kein gutes Bild auf Nürnberg als Stadt und Franken als Region."

Stühle, Tische, Sonnenschirme, dazu ein kühles Getränk bei Gute-Laune-Musik. So dürften viele die Besucherterrasse in Erinnerung haben, als das "Terminal 90" noch geöffnet hatte. Und genau hier liegt das Problem, wie auch Flughafensprecher Christian Albrecht erklärt. Der Gastronomiebetrieb hatte sich stets um den Außenbereich gekümmert, ist aber seit Januar 2020 geschlossen. In Corona-Zeiten ließ sich jedoch kein Nachfolger finden.

Zwar würden die Mülleimer jeden Tag geleert, wie Albrecht versichert, um etwa Unkraut zu jäten, fehlten aber die Kapazitäten. Und so sprießt derzeit nicht nur jede Menge unerwünschtes Grünzeug, am Boden vor den Fenstern bleiben auch zahlreiche Kippen und Bierkapseln liegen, während dort Kinder toben.

Aufzug fährt nicht bis in den zweiten Stock

Schlecht bestellt ist es auch um das Thema Barrierefreiheit: Der Aufzug funktioniert zwar, da er aber direkt in den geschlossenen ehemaligen Gastronomiebereich führen würde, fährt er nur in den ersten und nicht in den zweiten Stock. Eltern müssen ihren Kinderwagen also die Treppe hinauftragen oder Flughafenpersonal oder andere Besucher um Hilfe bitten. Schließlich ist es am Flughafen aus Gründen der Sicherheit nie eine gute Idee, Gegenstände unbeaufsichtigt zu lassen.

"Die Terrasse lebt von der Gastronomie und den Betreibern", betont Albrecht. Trotz der in Pandemie-Zeiten schwierigen Bedingungen möchte der Flughafen "demnächst in eine Ausschreibung gehen", kündigt er an, ohne bereits Details zu nennen. Mit einem neuen Gastronomie-Angebot, so die Hoffnung, soll die Terrasse auch wieder attraktiver werden.

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