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Kulturhauptstadt: Ist die Bewerbung zu teuer?

Deshalb sind die 100 Millionen Euro gut angelegt - 28.09.2020 05:51 Uhr

Marseille war schon Kulturhauptstadt Europas: Das brachte neuen Schwung in den alten Hafen.

© Lisa Ricciotti


Rund 100 Millionen Euro soll die Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 kosten. Das ist viel Geld. Und das in Zeiten von Corona! Was könnte man nicht alles damit machen? Ein halbes Gymnasium bauen, alle Löcher in Nürnbergs Straßen stopfen, auf Jahre hinaus die städtischen Papierkörbe öfters leeren, es könnten auch etliche Bäume neu gepflanzt werden.

So ist das mit Infrastrukturmaßnahmen und Großprojekten. Etliche Bürger wollen sie gar nicht haben oder aber es fällt ihnen etwas anderes ein, wofür man Geld ausgeben kann. Doch die 100 Millionen Euro liegen auf keinem Konto und das Geld kann man deshalb auch nicht einfach an eine andere Stelle lenken. Die 100 Millionen Euro bestehen im besten Fall aus Finanzierungszusagen, wenn Nürnberg den Zuschlag bekommt (Freistaat und Metropolregion), aus Erfahrungswerten in der Vergangenheit (Bund und Europäische Union) und Hoffnungen (Sponsorengelder). Weniger als ein Drittel käme von der Stadt. Das sind auf fünf Jahre gerechnet rund sechs Millionen Euro im Jahr. Da bleibt wenig für das jährliche Straßenflicken zusätzlich übrig.

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"Nürnberg hat die Zukunft freigeschaltet" und es auf die Shortlist für den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" geschafft. Die Freude beim Bewerbungsteam, Vertretern der Stadt und Politikern der Region war dementsprechend groß.


Alle Gelder fließen auch nur dann, wenn Nürnberg Kulturhauptstadt wird und eben nicht, wenn Papierkörbe geleert werden. Warum soll die Metropolregion Nürnberger Papierkörbe mitfinanzieren?

Nürnberg ist eine Touristenstadt, davon profitieren, Einzelhandel, Touristen und Gastronomie. Die Stadt muss aber aufpassen, im Wettbewerb mit anderen Städten nicht zurückzufallen. Eine erfolgreiche Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt würde dafür sorgen, den kompletten Kulturbetrieb zu modernisieren und ihn für die Zukunft auszurichten.

Marseille und Graz haben es vorgemacht

Kulturhauptstadt bedeutet auch, dass die unterschiedlichen Akteure im Bereich des Spielens im Pellerhaus, das auf jeden Fall saniert werden muss, endlich eine Anlaufstelle bekommen. Das gleiche gilt für die marode Kongresshalle, die mit Künstlerateliers nach jahrelangen Überlegungen einer Teilnutzung zugeführt wird. Feuerwache 1 und Museum Industriekultur sind ebenfalls Sanierungskandidaten, die in jedem Fall angegangen werden müssen. Mit und ohne Kulturhauptstadt. Bei "ohne" müsste Nürnberg aber die Kosten alleine tragen.

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Die Bewerbung Nürnbergs um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 ist einen großen Schritt weiter: Das 60-seitige Bewerbungsbuch "Bid Book" ist eingereicht, wir stellen hier die wichtigsten Projekte in Kürze vor.


Wer wissen will, welchen Gewinn eine Bewerbung als Kulturhauptstadt haben kann, der soll sich einmal Graz und Marseille anschauen. Marseille ist durch die Sanierung des alten Hafens wieder richtig in Schwung gekommen und Graz hat mit einem neuen Museum einen ganzen Stadtteil eine Zukunft gegeben. Von dem einmal ganz abgesehen: Nürnberg und seine Besucher bekämen eine Fülle von hochwertigen kulturellen Veranstaltungen zu sehen.

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