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Donnerstag, 03.12.2020

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Marek Minolta und die Opferpfalz

Vom Samtfrack zum Saftarsch: Fehler, die (beinahe) veröffentlicht wurden - 06.10.2020 16:21 Uhr

Wundert sich offensichtlich selbst darüber, dass aus ihm ein Fotoapparat-Hersteller geworden ist: Marek Minolta, pardon: Mintal, die Club-Legende.

30.09.2020 © Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink


Wir Journalisten haben (mindestens) ein Problem: Wir machen unsere Fehler in aller Öffentlichkeit. Jede(r) kann sie nachlesen. Manche Fehler jedenfalls. Denn wir entdecken zum Glück etliche Hämmer, bevor sie gedruckt werden. Aber leider nicht alle. Manchmal muss es einfach schnell gehen, keine(r) liest mehr drüber . . . und schon ist es passiert .

Sie, liebe Leserinnen und Leser, ärgern sich völlig zu Recht über Wort-Dreher, Grammatik-Fehler, falsche Namen oder Zahlen. Wer so einen Fehler verzapft, ärgert sich selbst in der Regel am meisten. Es steht ja oft auch noch sein eigener Name daneben.

Es gibt aber auch Fehler, über die man lachen kann. Weil sie unfreiwillig komisch sind. Eine Auswahl davon haben wir hier versammelt.

Ein schier unerschöpflicher Quell irrwitziger Fehler ist da – Sie kennen das vielleicht von Ihrem eigenen Smartphone oder PC – die Autokorrektur. Sie schlägt dem Nutzer anstelle von Begriffen, die der ja ach so kluge Rechner nicht kennt oder für falsch hält, vermeintlich korrekte Wörter vor. Die aber ergeben in ganz anderem Zusammenhang oft null Sinn. Ganz ähnlich ist es mit der Rechtschreibprüfung, die bei uns immer wieder für Katastrophen sorgt, aber auch für Ausbrüche ungeahnter Heiterkeit.

Immer wieder unterlaufen sie uns: die Zeitungs-Enten, die Druckfehler-Teufel und die eigenen Fehler – die inzwischen oft (aber nicht immer) auch der Computer macht.

30.09.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Ein Kollege aus dem Sport ließ mal die Rechtschreibprüfung über seinen Bericht vom Spiel des 1. FC Nürnberg beim VfL Bochum laufen. Und klickte "Ersetzen" an. Das hätte er lieber nicht tun sollen.

Denn so wurde aus dem Nürnberger Publikumsliebling Marek Mintal ("Mintal? Was soll das denn sein?", dachte sich der vermeintlich kluge Computer wohl) per Mausklick Marek Minolta. Peinlich, peinlich. Aber beileibe nicht die einzige Namens-Entstellung von Fußballern. Beispiel Spielvereinigung Greuther Fürth: Aus Marcus Feinbier wurde Freibier, aus Rachid Azzouzi Ranch Azzurri. Oder Trainer Müllmann statt Möhlmann.

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Mit unfreundlichen Grüßen: NN-Leserpost aus der Hölle

Die NN ist ein "Käseblatt", Journalisten sind "Mörder" und "Opfer", geschrieben wird "Totalschwachsinn" und "Propagandascheiß": Nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch in der täglichen Leserpost und in den Mails an die Redaktion wird kräftig ausgeteilt. Die schönsten, gemeinsten und skurrilsten Zuschriften haben wir in einer Bildergalerie des Hasses zusammengetragen.


Bleiben wir beim Fußball. Einem Kollegen passierten bei der DFB-Pokalauslosung die Sportfreunde
Lotto (statt Lotte) – inklusive höhnischer Kommentare der User, ob das denn eine Tippgemeinschaft sei. Und in die Annalen eingegangen ist natürlich: "Das Spiel musste wegen organartiger Regenfälle abgebrochen werden." Ja doch, das stand so wirklich in der Zeitung. Ebenso wie der TSV Höchstalter (statt Höchstadt), der gegen den SV Hammelbraten (statt Hammelburg) antrat...

Einige dieser Fehler mussten wir in der Zeitung korrigieren. Das las sich dann zum Beispiel so: "Hausarzt statt Hausbrand: Die kurz vor dem Andruck eingesetzte Rechtschreibprüfung per Computer samt einer falsch gedrückten Taste war schuld: Aus der ,Hausarztversorgung‘ wurde in der Überschrift auf unserer Seite 1 die ,Hausbrandversorgung‘ — was viele aufmerksame Leserinnen und Leser zu Recht ärgerte."

Schweinwerfer in Aktion

Vor Druck entdeckt wurde die "Opferpfalz" statt Oberpfalz. Dazu passt "Obst- und Westpreußen". Oder Früchtlinge statt Flüchtlinge. Obszön wurde ein Buchstaben-Dreher (ei statt ie) in einer Überschrift, in der eben nicht vom Weitschießen die Rede war, sondern . . . Die Steigerungsform ist dann das Königsschießen, auch schon mit dem anrüchigen Dreh gedruckt.

Oder: Erschießungsbeiträge statt Erschließungsbeiträge. Oder die Erschießungsstraße. Die Fötengruppe, bei der das "l" flöten ging. Kindergrippe statt -krippe. Tiergarage statt Tiefgarage. Ein Klassiker beim Vertippen: Schweinwerfer statt Scheinwerfer. Ein Kollege schrieb daher sogar eine Glosse über die armen Schweine, die da immer durch die Gegend geworfen werden.

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Mondlandung und Mauerfall: 33 historische NN-Titelseiten

Fast 15.000 Ausgaben der Nürnberger Nachrichten gab es seit ihrem Start am 9. Oktober 1945. Eine Auswahl der schlagzeilenträchtigsten Titelseiten.


Ungewöhnlich ist auch diese Geschichte: In einer unserer Außenredaktionen hat eine ältere Dame die Traueranzeige für ihren verstorbenen Gatten aufgegeben. Ganz wichtig war ihr, dass der katholische Pfarrer lobend erwähnt wird. Der Mann hieß Meier. Nicht Mayer. Weshalb die Dame in der Geschäftsstelle betonte: "Meier mit Emil!" Am nächsten Tag war in der Zeitung zu lesen: "Ein herzliches Vergelt’s Gott an Herrn Pfarrer Meier mit Emil." Nicht wenige Leser rätselten an diesem Tag, wer denn dieser Emil sei...

Aus Neumarkt kommt folgender Hit der Autokorrektur: "Oder spätestens beim nächsten Altstadtfest, wenn zu Songs von den Beatles oder Stoßes, von Lynchmord Huskyrüde oder Santa die alten Reflexe getriggert werden." Verunstaltet wurden da so legendäre Bands wie die Stones, Lynyrd Skynyrd und Santana. In Fürth schrieb eine Kollegin mal über die geplante Pegnitzverlegung. Beinahe wurde daraus eine "Penisverlängerung". André Ammer, heute Redakteur im Ressort Region und Bayern der Nürnberger Nachrichten, war zuvor in Roth tätig. Und machte aus seinem Staunen über die Rechtschreibprüfung eine lange Glosse.

Hier ein kurzer Auszug: "Thalassogen? Sagt Ihnen das was, verehrter Leser? Nicht? Gott sei Dank! Also schnell mit der Maustaste auf ,Ignorieren‘ gedrückt, wenn uns das der neunmalkluge Computer als korrekte Schreibweise von Thalmässing andient. Nein, nein und nochmals nein! Greding hat nichts mit Grundig oder Grenadieren zu tun, und mit den Gremlins aus der Horrorkomödie schon gleich gar nicht. Die Autokorrektur macht aus Büchenbach ein Büchsenbad, und die weiblichen Einwohner mutieren zu Büchsenmacherinnen. Richtig kreativ wird Kollege Computer, wenn wir ihm mit etwas exotischeren Vor- und Familiennamen kommen. Der Hilpoltsteiner Fußballer Csaba Varadi wandelt sich zum Corsa Variant, sein Kollege Aljus Ramic zum Album Radio. Nun ja, aus Wassermungenau wird dank der EDV ja auch eine Wasserjungfrau."

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Mintal und der Club - Eine Nürnberger Liebesgeschichte

Marek Mintal hat die Herzen der FCN-Anhängerschaft rasant und nachhaltig erobert. Wenige haben es in der wechselhaften Vereinsgeschichte geschafft, wie er Aufnahme in den Heroen-Kreis um Max Morlock zu finden. Mittlerweile gibt Marek seine fußballerischen und menschlichen Fähigkeiten an junge Spieler weiter oder steht den Profis als coachender Nothelfer zur Seite. So auch zum Abschluss der Saison 2019/20, als das Phantom im Gespann mit Michael Wiesinger den FCN vor dem drohenden Abstieg in die 3. Liga bewahrte.


Anette Röckl, samstägliche Glossen-Schreiberin im Lokalteil der Nürnberger Nachrichten ("Hallo Nürnberg"), stolperte am Anfang ihrer Karriere beinahe über die Autokorrektur: "Am schlimmsten in die Bredouille gebracht hätte mich das Programm am Beginn meiner Redakteurs-Ausbildung. Es verschandelte mir einen Satz ins höchst Gefährliche und ließ in meinem Artikel den Forchheimer Oberbürgermeister plötzlich nicht mehr mit ,Samtfrack‘ auftauchen, sondern mit ,Saftarsch‘. Ich denke, mit dem Satz wäre ich den Forchheimern und auch dem Chefredakteur im Gedächtnis geblieben. Seitdem frage ich mich: Wer bitte programmiert die Rechtschreibprüfung? Ich glaube, es können nur Rheinländer gewesen sein. Am elften elften um elf Uhr elf. Sagt ein Programmierer zum anderen: ,Samtfrack? Nee, Udo, dat is langweilig, da machste wat anderes draus, da machste Saftarsch. Dat is schön! Da bepisst sisch de Omma vor Lachen . . .‘ Inzwischen wurde der Saftarsch leider gestrichen. Stattdessen wird jetzt nur eine harmlose Samtjacke angeboten. Schade eigentlich."

Was im "Hohlspiegel" stand

Und zum Abschluss noch zwei Klassiker aus unserem Blatt, die es – völlig zu Recht – in den "Hohlspiegel" geschafft haben, die legendäre Fehler-Kolumne auf der letzten Seite des Spiegel. Nummer eins: "1976 schrieb er ,Schweig Bub!‘, eine Komödie über eine aus dem Ruder laufende Konfirmationsfeier. Das Volksstück wurde allein in Nürnberg über 700 Mal gezeigt und in zahlreiche andere Dialekte, sowie ins Katholische, übersetzt."

Nummer zwei ist eine Bildunterschrift: "Acht Paare, 16 Beine, ein Traum: Nach elf Jahren ist die Standard-Formation des 1. TC Ludwigsburg wieder Weltmeister."

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