Donnerstag, 01.10.2020

|

zum Thema

Müllberge in Nürnberger Parks: Kommt Pfand für Pizzakartons?

Für Bürgermeister Vogel sind die Verpackungen ein "Albtraum" - 10.08.2020 18:47 Uhr

Es ist zwar erfreulich, dass Pizzakartons nicht einfach auf der grünen Wiese liegengelassen werden. Doch nach dem Einschlichten der sperrigen Pappe kann kein weiterer Müll in den Abfallkorb, auch wenn er unter den Kartons noch (halb)leer sein sollte.

© Foto: Paul Zinken/dpa


Eines bringt Bürgermeister Christian Vogel ganz besonders auf die Palme: Leere Pizzakartons türmen sich auf den Abfallkörben. Weil die Verpackungen zu groß sind, stapeln sie sich oben drauf und verhindern, dass andere noch ihren Müll entsorgen können. So liegen Papier, Glasflaschen und leere Plastikbehälter oft im Umkreis verstreut herum, während der Abfallkorb selbst halbleer bleibt.

Bilderstrecke zum Thema

Sör räumt auf: Müll stapelt sich in Nürnberger Parks

Leere Alkoholflaschen, Glasscherben, Zigarettenstummel und Pizza-Kartons: Nach dem Wochenende stapelt sich in Nürnbergs Grünanlagen der Müll. Der Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) kümmert sich in Zusammenarbeit mit der Noris Inklusion um die Reinigung.


"Die Pizzakartons sind ein Albtraum", stöhnt Sozialdemokrat Vogel, "eigentlich müsste man für sie Pfand verlangen, ebenso für die Coffee-to-go-Becher." Konkrete Pläne für eine Gebühr gibt es seitens der Kommune aber nicht. Denn dafür ist der Bund zuständig.

"Hierfür müsste man das bestehende Verpackungsgesetz ändern", erläutert ein Sprecher des Bundesumweltministeriums auf Anfrage, "bisher gilt das Einwegpfand nur für Flaschen. Diese Regelung wäre dann um Pizzakartons , To-go-Becher und ähnliches zu erweitern."

Bilderstrecke zum Thema

Die schönsten Parks in Nürnberg, Fürth und Erlangen

In den Parks und Grünflächen in Nürnberg, Fürth und Erlangen kann man bei schönem Wetter am besten entspannen. In einigen Anlagen kann man teils auch grillen oder seinen Hund einmal frei laufen lassen. Wir stellen die schönsten Parks vor.


Doch es sei äußerst fraglich, ob der Aufwand für die Sammlung, den Transport, die Säuberung und das Recycling dieser Verpackungen nicht noch mehr CO²-Emissionen auslösen würden. Oberstes Ziel sei es schließlich, derartige Emissionen zu verringern. Seitens des Bundesumweltministeriums (BMU) gibt es daher keine Überlegungen, das Verpackungsgesetz entsprechend zu ändern. Das BMU hält eisern an dem Grundsatz fest: "Mehrweg ist besser als Einweg." Man müsste eher kreative Lösungen für Pizza-Mehrweg-Verpackungen entwickeln, statt eine Einweg-Gebühr zu fordern, rät der Sprecher.

Einweg-Steuer in Tübingen

Doch damit sind keineswegs alle Kommunen einverstanden. Tübingen hat soeben eine Steuer auf Einwegdosen, Einwegflaschen und Einwegbecher in Höhe von 50 Cent beschlossen, für Einweggeschirr sollen 20 Cent fällig werden. Die Regelung tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft.

Ob dies juristisch unangreifbar ist, ist aber nicht endgültig geklärt, meint das Bundesumweltministerium. Die Stadt Tübingen sieht das anders: "Der Gemeinderat hat ein Rechtsgutachten erstellen lassen und wir gehen davon aus, dass es juristisch standhält", betont eine Pressesprecherin auf Anfrage.

 

Nürnbergs Bürgermeister Vogel wünscht sich dagegen ein koordiniertes Vorgehen: "Hier sollte es eine einheitliche Regelung für alle Städte und Kommunen geben. Deshalb sollte der Gesetzgeber endlich das Thema To-Go-Verpackung in Angriff nehmen. Nur so können wir auf einer rechtssicheren Basis agieren."

6000 Kubikmeter Abfall

Unabhängig von diesen juristischen Überlegungen ist ein immenser Aufwand von Sör nötig, um die Stadt sauber zu halten: So wird beispielsweise der Stadtstrand am Wöhrder See täglich von zurückgelassenen leeren Flaschen, Chipstüten und sonstigen Verpackungen gereinigt (und auch von Gänsekot). Die Abfallkörbe in der Innenstadt werden zweimal am Tag geleert.

Bilderstrecke zum Thema

Plastik, nein danke! Zehn Alternativen für ein Leben ohne Kunststoff

Knapp 25 Kilo Plastikmüll hinterlässt jeder Deutsche im Jahr. Lediglich aus der Hälfte dessen, was im gelben Sack landet, entstehen neue Produkte. Der Rest wird verbrannt und belastet unsere Umwelt. Allerdings kann jeder dazu beitragen, dass weniger Plastikmüll anfällt. Welche plastiksparenden Alternativen es gibt, verraten wir hier!


Die Müllflut in den Nürnberger Grünanlagen nimmt zu. Im Jahr 2019 musste Sör 6000 Kubikmeter Abfall aus Parks und Grünflächen entfernen, das waren 700 Kubikmeter mehr als im Jahr 2017. Besonders betroffen sind beispielsweise neben Marienbergpark und Wöhrder Wiese neuerdings auch die Hallerwiese.

"Es ist eine Rücksichtlosigkeit von wenigen, die uns viel Arbeit macht und viel Geld kostet", betont Christian Vogel als Erster Sör-Werkleiter.

Bilderstrecke zum Thema

Wohin mit dem alten Handy: Zehn Fakten zu Elektroschrott

Nur 45 Prozent der alten Elektrogeräte werden in Deutschland korrekt entsorgt. Dadurch gehen Unmengen an Rohstoffen verloren, Giftstoffe landen in der Umwelt, wegen falsch entsorgten Lithium-Ionen-Akkus steigt die Brandgefahr bei Recyclingbetrieben und in Wertstoffhöfen. Wir haben zehn Fakten zum Elektroschrott gesammelt und klären auf, wie die Geräte richtig entsorgt werden.



Verpassen Sie keine Nachricht mehr! In unserem neuen täglichen Newsletter "Mittags um 12 - Zeit für die Region" erfahren Sie alles Wichtige über unsere Region. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 12 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Die Nürnberger Nachrichten werden heuer 75 Jahre alt. Lesen Sie als Neukunde die NN oder die Heimatzeitungen für nur 25 Euro pro Monat, exklusiv zum NN-Geburtstag! Mehr erfahren.

HARTMUT VOIGT

30

30 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg