Fuß weg vom Gaspedal

Nürnberg: Was taugen die drei hochmodernen Superblitzer?

3.7.2021, 08:33 Uhr
Ein fest installierter Blitzer der neuen Generation: Dieser 

Ein fest installierter Blitzer der neuen Generation: Dieser "PoliScan Speed" ist einer von drei Geräten dieses Typs in Nürnberg und steht an der Kreuzung Frankenstraße/Pillenreuther Straße. © Stefan Hippel, NNZ

Vor fünf Jahren hat die Polizei den ersten "Superblitzer" mit der Typbezeichnung "PoliScan red + speed" in Nürnberg installiert. Nachdem das tonnenförmige Gerät an der Kreuzung Bucher Straße / Nordring errichtet worden war, kamen entlang des Rings noch zwei weitere dieser fest installierten, hochmodernen Radarfallen hinzu: An der Kreuzung Gustav-Adolf-Straße/Geisseestraße und an der Kreuzung Frankenstraße/Pillenreuther Straße. Und die Polizei plant noch weitere dieser Geräte. Nach Informationen der Lokalredaktion ist die Kreuzung Ben-Gurion-Ring / Regensburger Straße ein Standort, der geprüft wird. Die Polizei bestätigte auf Anfrage, dass weitere Blitzer geplant sind. Zum konkreten Standort und Zeitpunkt gibt sie allerdings noch keine Auskunft. Es ist auch eine Frage der Kosten, zumal das Polizeipräsidium die 170 Kilogramm schweren Blitzer, von denen einer mit rund 100.000 Euro zu Buche schlägt, aus seinen normalen Haushaltsmitteln finanzieren muss.

Regelbrüche bei Rotlicht

Wie ist der Erfolg der Blitzer überhaupt zu messen? Sicher ist, je weniger diese Geräte auslösen, desto besser ist es. Die nackten Zahlen sind allerdings nicht sehr aussagekräftig: Nach Angaben des Polizeipräsidiums haben die Geräte im Jahr 2017 knapp 7000 Verstöße registriert, 2018 waren es gut 5000, 2019 knapp 8500 und im Jahr 2020 über 5500 Beanstandungen. Ein Trend lässt sich nicht ablesen. Etwa ein Viertel aller Verstöße in diesem Zusammenhang sind Regelbrüche bei Rotlicht, etwa drei Viertel beziehen sich auf zu schnelles Fahren.

Die drei Anlagen des Typs PoliScan sind mit je zwei Digitalkameras ausgerüstet. Die Superblitzer erfassen mit Lasertechnik Fahrzeuge schon in einer Entfernung von 75 Metern. Die Kameras sind in alle vier Richtungen einer Kreuzung ausgerichtet. Die Technik wird bundesweit auf Straßen eingesetzt. Vor Gerichten haben Kläger, die in eine Radarfalle dieser Technik geraten waren, immer wieder mal die Genauigkeit der Anlagen angezweifelt. Ein Sachverständiger konnte in einem Verfahren das Amtsgericht in Mannheim davon überzeugen, dass der Messalgorithmus nicht den Vorgaben zur Zulassung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) entspricht. "Die Auffassung des Amtsgerichts Mannheim zum Messsystem PoliScan speed wurde obergerichtlich nicht bestätigt und führte zu keiner Einschränkung des Messbetriebs", erklärt Robert Sandmann, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

Radarwarngeräte sind verboten

Was einem blüht, wenn der Fuß zu kräftig auf dem Gaspedal liegt und man geblitzt wird, erklärt Sandmann an zwei Beispielen: Wer bei einer zulässigen Geschwindigkeit von 50 km/h innerorts 63 km/h fährt, muss mit einem Verwarngeld von 25 Euro rechnen. Wer innerhalb der Ortschaft um 33 km/h über der zulässigen Geschwindigkeit von 50 km/h liegt, muss ein Bußgeld von 160 Euro berappen, seinen Führerschein für einen Monat abgeben und kassiert zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg.

Doch manche Zeitgenossen nutzen technische Hilfen, die vor Blitzern warnen. Dass diese Radarwarngeräte verboten sind, ist offenbar noch immer nicht jedem klar, betont Stefan Pfeiffer. Er ist Mitglied der Verkehrskommission der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) und Leiter der Verkehrspolizeiinspektion (VPI) Feucht. "Man darf kein Radarwarngerät im Fahrzeug haben. Dazu zählen auch entsprechende Apps fürs Handy", sagt er. Selbst der Beifahrer dürfe eine solche App nicht auf seinem Smartphone haben. "Wenn wir nachweisen, dass das Gerät während der Fahrt in Betrieb war, drohen Konsequenzen." Entdeckt hat die Polizei bei Kontrollen in Nürnberg und der Region schon öfter solche betriebsbereiten Apps in Handys. Das kann den Besitzer sein Mobiltelefon kosten. Und: Ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro sowie ein Punkt in Flensburg kommen oben drauf.

Ein blitzender Anhänger

Stefan Pfeiffer sieht die Notwendigkeit der Geschwindigkeitskontrollen. Es gehe darum, Unfallschwerpunkte zu entschärfen. Die VPI Feucht setzt seit Anfang des Jahres ein mobiles Gerät zur Geschwindigkeitsmessung ein, das auf einen Anhänger gepflanzt ist. Der Apparat vom Typ "Enforcement Trailer" der Firma Vitronic lässt sich an jeder unfallträchtigen Stelle für einen längeren Zeitraum abstellen. Die im Gerät verbaute Hochleistungsbatterie macht frühestens nach fünf Tagen schlapp. Der Messbetrieb läuft autonom, ohne Einsatz von Personal. "Wir stellen den Trailer auch im Stadtgebiet Nürnberg auf", sagt Pfeiffer.

Er plädiert auch für ein System, das die Polizei in Niedersachsen einsetzt: die Abschnittskontrolle (Section Control). Mit diesem System wird die Geschwindigkeit über einen Streckenabschnitt von 1,8 Kilometern erfasst und die Durchschnittsgeschwindigkeit von Fahrzeugen errechnet. "Das System ist wirksam. Geschwindigkeiten werden eingehalten und es gibt weniger Unfälle." Bayern müsse nachziehen und diese Systeme etablieren.

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