Party auf dem Sattel: "Critical Mass" radelt durch Nürnberg

31.3.2015, 06:00 Uhr
Sie wollen nicht lautstark protestieren, sondern am Verkehr nur teilnehmen: Mehr als 300 Teilnehmer haben sich am vergangenen Freitag wieder auf die Sättel geschwungen, um beim monatlichen Critical-Mass-Ereignis (Kritische Masse) mitzumachen.

© Foto: Horst Linke Sie wollen nicht lautstark protestieren, sondern am Verkehr nur teilnehmen: Mehr als 300 Teilnehmer haben sich am vergangenen Freitag wieder auf die Sättel geschwungen, um beim monatlichen Critical-Mass-Ereignis (Kritische Masse) mitzumachen.

Es sei keine Demo, sondern ein zufälliges Treffen vor dem Opernhaus. Wer hier jemanden fragt, bekommt das zur Antwort. Mehr als 300 Radfahrer fahren bei der Critical Mass (CM) mit. Eine Bewegung, die es weltweit gibt, in San Francisco 1992 ihren Anfang nahm und in Deutschland mittlerweile in fast 100 Städten Ableger hat.

Dass es sich um kein unerwartetes, ungeplantes Ereignis handeln kann, ist klar. Denn die Biker kommen in Scharen jeden letzten Freitag im Monat vor das Opernhaus und radeln los. Sie sind mal zweieinhalb, mal drei Stunden unterwegs.

18.30 Uhr. Es wird unruhig, jetzt sitzen alle auf dem Sattel. Es geht los. Im selben Moment springen vier Polizeimotorräder an und eskortieren den Tross. Einen Anführer gibt es tatsächlich nicht, doch einige umtriebige Radler. Sie brüllen „links“, „rechts“, „geradeaus“. Sie beruhigen, wenn die Stimmung zu euphorisch wird und sie „korken“ Einmündungen. Sprich: Sie blockieren Kraftfahrzeuge in den Seitenstraßen, so lange, bis auch der letzte Biker vorbeigesaust ist.

Zwei Motorräder mit Blaulicht rauschen flott nach vorne - auch sie korken Seitenstraßen. Peter: „Wir sind ganz froh, dass die dabei sind, weil auch immer Kinder mitfahren.“

In Sommermonaten steigt die Zahl der Teilnehmer schon mal auf 800. Mit großen Augen starren dann Passanten am Straßenrand auf den Schwarm, einige setzen für einen Moment ihr Gespräch am Handy aus. Andere maulen oder jubeln hinterher.

In der Nachbarstadt beschreibt der Kurs in der Altstadt eine Schleife, fährt am Bahnhof vorbei und steuert wieder Nürnberg an. Nach zweieinhalb Stunden ist die Party zu Ende: Am Opernhaus stieben alle wieder auseinander. Bis zum nächsten Zufall.

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