Protest gegen Standort des Nürnberger ICE-Werks formiert sich

21.1.2021, 17:52 Uhr
Anwohner protestierten mit Fackeln und Transparenten gegen das geplante  ICE-Werk und die damit verbundene Abholzung des Bannwald bei Altenfurt.

Anwohner protestierten mit Fackeln und Transparenten gegen das geplante ICE-Werk und die damit verbundene Abholzung des Bannwald bei Altenfurt. © Stefan Hippel/NNZ

Rund 35 Frauen und Männer haben sich am Mittwochabend mit Fackeln und Transparenten an der Löwenberger Straße versammelt - Abstand haltend und Mund-/Nasenschutz tragend. Die Veranstalter hatten die Teilnehmerzahl wegen der Gefährdung durch Corona ganz bewusst begrenzt. "Wir stehen hier für die vielen Altenfurter, Fischbacher und Moorenbrunner, die das ICE-Werk an dieser Stelle, hineingezwängt zwischen unsere Ortsteile, entschieden ablehnen", unterstreicht Veranstalter Markus Fleischmann.

Industriekeil zwischen Wohnsiedlungen

Mit der Instandhaltungsanlage werde ein Industriekeil zwischen die Wohnsiedlungen getrieben und wertvoller Bannwald der Vernichtung preisgegeben. Die Bahn hatte in früheren Stellungnahmen mitgeteilt, dass das neue ICE-Werk bis zu 45 Hektar Wald benötigen werde. Dafür pflanze man jedoch andernorts Ersatz.

An der "Lichterwache" hatten sich Vertreter des Bürgervereins Südost sowie Mitglieder der facebook-Gruppe "Geplantes ICE-Werk in Altenfurt/Fischbach" beteiligt. Der Bürgerverein betonte, dass man grundsätzlich für die Verkehrswende sei und den Bedarf für ein ICE-Ausbesserungswerk sehe - aber eben nicht an dieser Stelle.

Belastung durch Autobahnkreuz

Schließlich sei man im Südosten Nürnbergs mit dem Ausbau des Autobahnkreuzes sowie mit der geplanten Stromtrasse P 53 bereits belastet. Außerdem handle es sich um wertvollen Mischwald mit einem Vogelschutzgebiet.

Der Bürgerverein sieht es kritisch, ob das bevorstehende Raumordnungsverfahren wirklich "ergebnisoffen" ist, wie die Bahn betont. Schließlich habe sich das Schienenunternehmen mit keinem anderen der insgesamt fünf möglichen Standorte derart intensiv befasst, behaupten die Demonstranten. Als weitere, infrage kommende Flächen hatte die Bahn noch den Nürnberger Rangierbahnhof, sowie Areale bei Burgfarrnbach, Allersberg und Baiersdorf ins Gespräch gebracht.

Die Veranstalter hatten die Zahl der Teilnehmer wegen der Pandemie bewusst klein gehalten.

Die Veranstalter hatten die Zahl der Teilnehmer wegen der Pandemie bewusst klein gehalten. © Stefan Hippel/NNZ

Präferenz für Altenfurter Gelände

Im Dezember reichte die Bahn erste Unterlagen für die Festlegung des Untersuchungsraums ein. Aktuell arbeite man an Gutachten und Planungen, teilt ein Bahn-Sprecher mit. Dabei stelle man die Unterlagen für mehrere Standorte zusammen. Das Unternehmen hatte allerdings immer seine Präferenz für das Gelände bei Altenfurt deutlich gemacht.

Das Raumordnungsverfahren soll voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021 beginnen, erklärt die Regierung von Mittelfranken, innerhalb von sechs Monaten müsse es abgeschlossen sein. Sobald die Unterlagen eingereicht sind, werde man mit der Anhörung von Behörden, Gemeinden und Trägern öffentlicher Belange beginnen. "Auch interessierte Privatpersonen können bereits beim Raumordnungsverfahren ihre Hinweise und Kritik einbringen", erläutert die Ansbacher Behörde.

Dialogveranstaltungen geplant

Die Bahn kündigt derweil an, noch vor Eröffnung des Raumordnungsverfahren "Dialogveranstaltungen" mit den Nürnberger Bürgern und den Umweltverbänden zu beginnen. Man wolle die Menschen vor Ort in die Planung einbeziehen. Dies soll im ersten Quartal dieses Jahres geschehen.

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