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Reichswald: Was, wenn der Wolf auch nach Nürnberg kommt?

Bund Naturschutz fordert bessere Information der Bevölkerung - 03.02.2019 20:19 Uhr

Wölfe waren lange Zeit, wie hier im Wildpark Schorfheide, nur in Wildgehegen oder in Tiergärten zu sehen. Das ändert sich. Experten gehen davon aus, dass die Wolfspopulation in freier Wildbahn zunimmt – auch im Reichswald. © F.: dpa/Patrick Pleul


"Vielleicht schon heuer, spätestens aber im nächsten Jahr, werden junge Wölfe auf der Suche nach neuen Quartieren hier unterwegs sein", erwartet Otto Heimbucher, Vorsitzender der Kreisgruppe Nürnberg des Bund Naturschutz (BN) und umweltpolitischer Sprecher der CSU-Stadtratsfraktion. Dass sich die scheuen Tiere dauerhaft in Stadtnähe ansiedeln, hält man beim BN eher für unwahrscheinlich. Aber zumindest auf der Durchreise werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Nürnberger Reichswald passieren. Der BN warnt vor Panikmache, fordert aber rechtzeitige Vorbereitungen darauf.

Dazu gehört für Otto Heimbucher wie auch für seine Frau, die Biologin Doris Heimbucher, eine ausreichende Information der Bevölkerung. Die sollte vor allem eines wissen: Der Wolf ist nach EU-Recht streng geschützt. Besondere Schutzgebiete für diese Tiere sind deshalb ebenso Pflicht wie spezielle Management-Pläne. Der BN, so Otto Heimbucher, sei intern längst aktiv geworden und organisiere über seine Kreisgruppen in Bayern beispielsweise Seminare zum Thema Wildtier-Management. "Aber das bayerische Umweltministerium muss endlich auch in die Puschen kommen, wir sind da in Bayern wie in ganz Deutschland hintendran", bringt Doris Heimbucher die Kritik des BN auf den Punkt.

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Die verschiedenen Naturschutzbehörden müssten Öffentlichkeitsarbeit bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen leisten, die von der Rückkehr des Wolfes in seine angestammten Gebiete hauptsächlich betroffen sind – also Bauern, Schäfer, Touristen und Waldspaziergänger. In erster Linie seien es die Schafhalter, die über Maßnahmen aufgeklärt werden müssten, die sie zum Schutz ihrer Tiere gegen den Wolf ergreifen könnten. Otto Heimbucher nennt da etwa ausreichend hohe, stabile Zäune und Herdenschutzhunde. "Die Leute müssen außerdem erfahren, dass sie dafür finanzielle Unterstützung erhalten."

Allzu begeisterte Freunde von Meister Isegrim sollten davor gewarnt werden, die Tiere anzufüttern, in der Überzeugung, ihnen damit etwas Gutes zu tun. Denn wenn ihre Scheu vor den Menschen erst einmal schwindet, rücken uns Wölfe näher auf den Pelz, als es uns lieb sein kann. Dann könnte die gute Absicht sogar mit einem Angriff enden. In Europa sei bisher allerdings kein Wolfsangriff auf Personen bekannt; der Mensch gehöre nicht zu seinem Beute-Spektrum, so Heimbucher. Das habe dieses Tier schon deshalb nicht nötig, weil es in unseren Wäldern jede Menge Futter finde: Es gibt genug Wild wie Rehe oder Wildschweine.

"Wolf ist kein niedliches Tier"

Sollte sich trotzdem ein einzelner Wolf zum Problem entwickeln, ist er nach geltenden Richtlinien aus einer Umgebung "zu entnehmen". Das bedeutet jedoch nicht, dass er nach Gutdünken einzelner Jäger abgeschossen werden darf. Vielmehr haben die Naturschutzbehörden das Vorgehen genau abzuwägen. Sie müssen zum Beispiel überprüfen, ob der Wolf auf Menschen zugeht, ob eine Wölfin gerade Junge führt, oder ob die öffentliche Sicherheit gefährdet ist. Bei auffälligen Tieren können vor einem Abschuss zunächst Vergrämungsmaßnahmen ergriffen werden, unter anderem mit Elektroschock oder einer Schrotflinte, erläutert Otto Heimbucher. "Wer da was machen darf, muss aber erst geklärt sein."

Weil die Diskussion um die Rückkehr des Wolfes höchst emotional geführt wird, sieht der BN die Gefahr, dass das Feld denen überlassen wird, die Panik machen. Deshalb sei es wichtig, Ruhe zu bewahren und auf gute Informationspolitik zu setzen. "Der Wolf ist kein niedliches Tier, aber es ist toll, dass diese bei uns schon einmal ausgestorbene Tierart sich ihr altes Revier wieder erobert", findet Doris Heimbucher.

Ute Wolf

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