Lehrstellen-Förderung

Schaffung von Ausbildungsplätzen zahlt sich aus

Ressort: Lokales Online..Datum: 18.10.16..Foto: Edgar Pfrogner..Motiv: Kreatives Frühstück, Porträt Wolfgang Heilig-Achneck, Mitarbeiterportrait
Wolfgang Heilig-Achneck

Lokalredaktion

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14.10.2021, 10:30 Uhr
Konditormeister Martin Rößler mit seinen Auszubildenden Anna-Lena Geyer und Janina Meister bei der Gebäckherstellung. 

Konditormeister Martin Rößler mit seinen Auszubildenden Anna-Lena Geyer und Janina Meister bei der Gebäckherstellung.  © NNZ

Birnenkuchen und Prosecco Mousse-Torte, feines Eis und originelle Pralinen - solche süßen Verführungen zu gestalten, will gelernt sein. In der Backstube von Martin Rößler verfolgt ein halbes Dutzend junger Leute dieses Ziel, angeleitet von erfahrenen Kräften und natürlich dem Konditormeister selbst.

Dabei sind nicht alle blutjunge Anfänger, die Auszubildenden verteilen sich auf alle Lehrjahre. Einige bringen auch schon Erfahrungen aus anderen Tätigkeiten mit, beispielsweise als Koch oder Bäcker. „Aber eine Bedingung ist das nicht, es sind ja eigenständige Berufe“, erläutert der gebürtige Nürnberger.

Er führt, nun in der sechsten Generation, das Café Beer in der Breiten Gasse und engagiert sich auch in der bayerischen Konditoren-Innung. Und seine Tochter, also die siebte Generation, darf nun das nagelneue Burg-Café betreiben. „Wir haben schon immer ausgebildet“, bekräftigt der 50-Jährige. „Und das ist grundsätzlich wichtig, denn auch in unserer Branche gibt es einen Fachkräftemangel.“ Dabei führt sein Betrieb nicht nur ein in den Umgang mit den Zuckerbäcker-Zutaten ein, sondern vermittelt auch angehenden Fachverkäuferinnen und -verkäufern alles, was sie für die Tätigkeit im „Nahrungsmittelhandwerk, Schwerpunkt Konditorei“ benötigen.

Auch Umsteiger bewerben sich

Fünf jungen Leuten konnte er in diesem Herbst einen Ausbildungsplatz anbieten und dafür unter zwölf Bewerbungen auswählen; die jüngste Kandidatin war gerade mal 15 Jahre alt, die älteste schon 24. Auch Quereinsteiger und Abiturienten sind dabei. Bei der Entscheidung, in diesem Jahr eine zusätzliche Lehrstelle zu schaffen, half auch ein Prämienprogramm der Bundesagentur für Arbeit: Das verstärkte Engagement wird mit 6000 Euro belohnt, für die Verträge auf dem Niveau der früheren Jahre winken je 4000 Euro.

„Wir wissen aber noch nicht, wie viele Betriebe das in Anspruch nehmen“, sagt Tim Reith vom Arbeitgeberservice der Nürnberger Arbeitsagentur. Zumal die Prämien erst ausgezahlt werden, wenn die Auszubildenden die Probezeit überstanden haben und das Ausbildungsverhältnis damit einigermaßen stabil ist. Er verweist zudem auf die weiteren Hilfen, die ebenfalls helfen sollen, noch nicht „versorgten“ Jugendlichen zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen, so etwa die Assistierte Ausbildung (mit sozialpädagogischer Betreuung) oder auch die Möglichkeit einer Teilzeit-Ausbildung.

„Im Verkauf ließe sich das vermutlich gut organisieren, in der Backstube eher weniger“, merkt Rößler dazu an. Er hat freilich das Glück, fast immer aus einer ausreichend großen Zahl von Bewerbungen auswählen zu können. Zum einen, weil der Kreis der Ausbildungsbetriebe überschaubar geworden ist, aber auch weil in diesem Handwerkszweig nicht schon nachts um zwei oder drei Uhr die Öfen glühen.

Nur für kleinere und mittlere Unternehmen

Die Lehrstellen-Förderung ist allerdings auf kleine und mittlere Betriebe begrenzt, die in erheblichem Umfang unter Corona und den Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung zu leiden hatten. Konditoreien gehören zweifellos dazu, schon weil der Café-Bereich monatelang geschlossen war. „Das macht einen großen Teil unseres Umsatzes aus“, sagt Rößler, „außerdem gab es ja fast keine größeren Feiern, für die unsere Kunden bei uns etwas bestellen“. Und die setzen nicht zuletzt auf das Renommee von Beer.

Ganz einstellen musste Rößler die Produktion indes nicht, für den Außer-Haus-Verkauf lief der Betrieb in der Backstube auf kleinerer Flamme weiter. „Allein schon die Arbeit so zu organisieren, dass alle Hygiene-Auflagen eingehalten werden können, hat uns einen ziemlichen Mehraufwand beschert.“ Die Nachwuchskräfte starten nicht alle am selben Tag in den Beruf, sondern in zweiwöchigen Abständen. „Jeder und jede soll ja gut Fuß fassen können und nicht bloß wochenlang nebenher mitlaufen“, unterstreicht Rößler, „jeder und jede ist vom ersten Tag an voll eingebunden“.

Probearbeit ist Pflicht

Im Vorfeld bittet er alle Interessenten zu vier bis fünf Tagen Probearbeit. „Da zeigt sich schon, ob jemand handwerkliches Geschick mitbringt. Und auch manche Klischeevorstellung lässt sich korrigieren: Mit ein wenig Dekorieren ist es bei uns eben nicht getan, es ist eben auch mal notwendig, ein paar Kilo Pflaumen zu entkernen“, sagt der Chef. Geprägt und geformt wird das Image nicht zuletzt von einschlägigen Fernsehsendungen. Wie und warum, weiß Rößler nur zu gut: Auch er hat seine Zunft schon oft auf dem Bildschirm vertreten.

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