"Schwimmen im Kreisverkehr": So lief der erste Tag im Freibad

8.6.2020, 14:12 Uhr
Kaltstart in die Freibad-Saison: Wegen Corona musste das Westbad später als geplant eröffnen. Zum ersten Frühschwimmen kamen gleich viele Gäste.

© Isabel Pogner Kaltstart in die Freibad-Saison: Wegen Corona musste das Westbad später als geplant eröffnen. Zum ersten Frühschwimmen kamen gleich viele Gäste.

Kurz vor sieben Uhr morgens ist die Schlange vorm Westbad lang. Sportschwimmer, Senioren und sogar eine Taucherin warten ordentlich in Reihe hinter rot-weißen Absperrbändern darauf, das erste Mal dieses Jahr Frühschwimmen zu gehen.

"Das waren bestimmt 50 Badegäste", schätzt Jochen Wünsch. Der Betriebsleiter hat gerade den letzten aus der Schlange ins Freibad gelassen und erklärt, was sich am ersten Badetag für die Gäste ändert: "Die Duschen sind geschlossen." Lediglich die kalten Außenduschen können genutzt werden. "Statt frisch geduscht wird eben frisch geschwommen", scherzt er.

Außerdem müssen die Badegäste beim Eintreten und auf der Toilette eine Maske tragen. "Und ganz wichtig: Schwimmen im Kreisverkehr", so Wünsch. Weder die neuen Baderegeln, noch die zehn Grad Außentemperatur scheinen die Gäste vom ersten Badetag in St. Johannis abgehalten zu haben: Das Schwimmerbecken ist gut gefüllt.

Besucher freuen sich über Start der Freibadsaison

Zum Leidwesen von Sebastian Wolf. Der steigt nach seiner morgendlichen Sporteinlage aus den Fluten und blinzelt in die Morgensonne. Er habe sich sogar schlechtes Wetter gewünscht, damit es etwas leerer ist, gesteht Wolf. Er geht im Sommer jeden zweiten Tag vor der Arbeit im Westbad schwimmen und hofft, dass er trotz beschränkter Einlasszahlen auch am Wochenende auf seine Kosten kommt. Heute hat er jedenfalls sein Ziel erreicht. Er rubbelt sich mit dem Handtuch trocken und bilanziert: "Endlich wieder schwimmen zu können war ganz fantastisch!"


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Dennis Jener beobachtet das rege Treiben vom Rand aus. Ihn wundert nicht, dass das Bad trotz frischer Temperaturen so gut besucht ist: "Es gibt immer genug Hartgesottene, die so früh in der Kälte baden", sagt er. Jener vertritt seinen Chef Fabian Schott. Der Bademeister hilft gerade einem Besucher, der seine Klamotten samt Schlüssel ins Schließfach gesperrt hat – und rückt mit einer Stahlsäge an. "Schön, dass wieder Normalität einkehrt", kommentiert Jener.

Wenn der Beckenrand zur Umkleidekabine wird

Der Eintrittsbereich zu den Schließfächern ist mit gelb-schwarzen Bändern eingegrenzt, am Eingang wartet eine Flasche Desinfektionsmittel. Die angrenzenden Umkleiden sind mit einem Absperrband verschlossen. Die Badegäste lassen sich von den Einschränkungen aber nicht stören und ziehen sich kurzerhand am Beckenrand um.

Chiara Herbener richtet noch ihre Schwimmkappe und steuert das Becken an. "Ich finde eigentlich alles normal heute", sagt sie fröhlich. Bis auf das Kreisverkehr-System – das sei gewöhnungsbedürftig. Die Badegäste müssen nämlich in den jeweiligen Bereichen zwei Bahnen zum Schwimmen nutzen: Auf der einen Seite hinschwimmen, auf der anderen zurück. Auf die Art bewegen sich alle in die gleiche Richtung und der Kontakt wird verringert.

Auch das Stadionbad in Nürnberg hat geöffnet

Nicht nur im Westbad, gleiches gilt für das Stadionbad und das Naturgarten, die nun ebenfalls geöffnet haben. Herbener sieht es positiv. Auch aus der Tatsache, dass man das Bad nur noch mit Online-Ticket betreten darf, zieht sie Vorteile: "Ich musste nicht anstehen." Zudem sei sie nun morgens auch bei Kälte und Müdigkeit zum Sport gezwungen: "Das Ticket ist ja schließlich schon bezahlt."

Schott hat inzwischen das Schließfach-Problem gelöst und beobachtet das Treiben im Bad. "Es läuft alles sehr geordnet", stellt er fest. Die Begrenzungen – nur 1000 Besucher pro Tag, nur 13 Schwimmer pro Kreisverkehr, insgesamt 50 Schwimmer im vorderen, 60 im hinteren Becken – tragen ihren Teil dazu bei. Schwieriger zu überwachen werde das, sobald die Temperaturen wieder steigen, vermutet Schott. Er vertraue aber auf die Rücksichtnahme und das Verständnis der Gäste. "Und zur Not gibt’s eben mal eine Durchsage", verspricht der Bademeister.

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