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Söder will Quelle-Areal nicht sanieren, Maly schon

18.600 Quadratmeter zum symbolischen Preis von einem Euro angeboten - 14.11.2013 07:00 Uhr

Ob ein Teil des Quelle-Areals für den symbolischen Preis von einem Euro verkauft wird, steht noch in den Sternen. © Lisa Susu Hahn


Für Finanzminister Markus Söder (CSU) ist klar: Eine Sanierung des Quelle-Areals käme den bayerischen Steuerzahler teuer zu stehen. Auf über eine Milliarde Euro schätzt er den Aufwand.

"Der Brandschutz bereitet uns erhebliche Sorgen und auch die energetische Sanierung ist problematisch“, sagte Söder. Zumal die angedachte Nutzung - wie berichtet, sollen Teile der Technischen Hochschule Nürnberg und eventuell auch der Technischen Fakultät der Uni Erlangen dort angesiedelt werden - keineswegs ohne Umbauten möglich wäre: "Das ist für Pakete gemacht, nicht für Patente“, so Söder.

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Architektenwettbewerb zum Quelle-Areal entschieden

Der im April 2011 ausgelobte Architekten- und Ideenwettbewerb "Ehemaliges Quelle Areal" ist entschieden. Die Jury kürte den gemeinsamen Entwurf dreier Büros aus Erlangen, Emskirchen und Fürth zum Sieger und empfahl der Stadt Nürnberg, ihn zur Grundlage der Entwicklungsplanung zu machen.




Das Angebot des portugiesischen Investors Sonae Sierra, der einen Teil des 247.000-Quadratmeter-Gebäudekomplexes dem Finanzressort für den symbolischen Preis von einem Euro zum Kauf angeboten hat, lehnt Söder deshalb kategorisch ab. "Denn das bedeutet nichts anderes, als die Last zu übernehmen.“

"Keine neuen Flächen“

Im Übrigen werde die gesamte Konzeption, die dem notariellen Vorvertrag mit dem Projektentwickler Sonae Sierra zugrunde liegt, "nicht funktionieren“. Die Portugiesen möchten, im Einklang mit der Stadtspitze und der Verwaltung, die als Einkaufsfläche genehmigten 18.600 Quadratmeter vermarkten und dazu eben einen Teil (rund 70.000 Quadratmeter) des vorhandenen Gebäudebestandes einer universitären Nutzung zuführen. Dazu sollen Wohnbebauung, Grünflächen und gewerbliche Nutzung kommen.

"Nürnberg braucht nicht ständig neue Märkte“, lehnt Söder auch das angedachte Einkaufszentrum ab. Direkt nebenan seien entlang der Fürther Straße ausreichend Geschäfte vorhanden, zusätzliche Flächen würden nur die Innenstadtläden gefährden. "Die einzige Möglichkeit ist ein Abriss oder zumindest ein Teilabriss, dann könnten wir auf diesem Gelände eine kleine Quelle-Stadt machen“, plädiert der CSU-Bezirkschef für eine komplette Neuplanung. Vorstellen könne er sich unter anderem auch ein technisches Gymnasium, das im Westen Nürnbergs gut passen würde.

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Quelle: Ein Rundgang durch die ehemalige "Versandmaschine"

Ein Rundgang durch das zweitgrößte leerstehende Gebäude Deutschlands im Dezember 2012.




Unterstützt wird Söder in seinen Überlegungen von CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm: "Das Misch-masch-Konzept halte ich nicht für richtig.“ Weitere Einzelhandelsflächen hätten unmittelbare Konsequenzen für die Südstadt und den dort geplanten Kaufhof-Neubau. Denn Brehm rechnet nicht mit den derzeit auf 18.600 Quadratmeter begrenzten Flächenbedarf, sondern erwartet vielmehr "bis zu 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche“.


Brehm, der sich um den OB-Posten bei den Kommunalwahlen 2014 bewirbt, wirft Amtsinhaber Ulrich Maly (SPD) vor, "seit einem Jahr zu Quelle nichts gesagt zu haben“. Kritik, die Maly entschieden zurückweist: Schließlich sei die Zukunft des Quelle-Geländes eine der wichtigsten Stadtentwicklungsfragen. Maly schließt "substanzielle Eingriffe“, zum Beispiel für die Lichthöfe, die in die Decken eingefügt werden sollen, zwar nicht aus, will aber an der vorhandenen Bausubstanz des vom Architekten Ernst Neufert geplanten Komplexes festhalten.

Eingriffe sind möglich

"Die Neufert’sche Gebäudestruktur mit großen Raumtiefen und -höhen ist gerade für die Belange von technischen Lehrstühlen gut geeignet“, so Maly. Dass dies funktionieren kann, belege zudem ein Blick über die Fürther Straße: Dort residiert der Energie Campus Nürnberg im AEG-Gebäude, "in alten Industriefertigungshallen gleichen und noch älteren Baujahres“. Außerdem gebe es den Denkmalschutz: "Jede Variante, die Abriss oder Teilabriss zur Vorbedingung weiterer Überlegungen macht, wird an der normativen Kraft des faktischen Zeitablaufs scheitern müssen, gerade auch im Wettbewerb mit Erlanger Standortentscheidungen.“


Maly spielt damit auf jahrelanges Tauziehen an, das einem eventuell möglichen (Teil-)Abriss vorausgehen würden - und sieht dadurch auch die geplante Ansiedlung von Teilen der Technischen Fakultät der Uni Erlangen gefährdet. Söders Parteifreund, Innenminister Joachim Hermann, tritt diesbezüglich ohnehin auf die Euphoriebremse: "Es geht sicherlich nicht darum, vorhandene Einrichtungen aus Erlangen nach Nürnberg zu verlagern. Wahrscheinlicher sei es, dass die Ohm-Hochschule auf Quelle einzieht.

Michael Husarek (Nürnberger Nachrichten)

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