Testpflicht an Schulen: Nürnberg ist bereit für die Abstriche

Claudia Urbasek

Lokalredaktion

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8.4.2021, 14:56 Uhr

Die Testpflicht für Schulen kommt. Das hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch mitgeteilt.
In Nürnberg wird das - aufgrund der immer noch hohen Inzidenz weit über 100 - ab kommendem Montag jedoch noch nicht allzu viele Schüler betreffen. Lediglich die 4. Klassen der Grund- und Förderschulen, die Abschlussklassen der weiterführenden und beruflichen Schulen dürfen zurück ins Klassenzimmer. Neu hinzugekommen sind die Q11-Klassen der Gymnasien. Außerdem gilt die Testpflicht für alle Kinder, deren Eltern die Notbetreuung der Schulen nutzen.


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Die meisten werden im Wechselunterricht lernen. Alle Schüler einer Klasse dürfen nur in voller Stärke und an allen Wochentagen zurückkehren, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen zwei Kindern gewährleistet werden kann. Das ist jedoch nur an sehr wenigen Schulen im Stadtgebiet möglich.

Schüler der Klassen, die in die Schule gehen dürfen, müssen ab Montag einen negativen Corona-Test vorlegen. Durchgeführt werden kann dieser in den Schulen oder dezentralen Testzentren. Ein zu Hause durchgeführter Test wird nicht anerkannt. Verweigern Schüler den Test, müssen sie zu Hause bleiben. Die Testfrequenz richtet sich nach der Höhe des Inzidenzwertes, über 100 muss zweimal pro Woche getestet werden.

Kinder testen selbst

"Die Tests sind in ausreichender Menge für die kommenden Wochen vorhanden", sagt Thomas Reichert, Chef des Staatlichen Schulamts und zuständig für mehr als 80 Grund- und Mittelschulen. "Sie werden derzeit an die Schulen ausgeliefert, sodass sie ab Montag zur Verfügung stehen." Reichert betont: "Es ist kein Test an dem Kind durch Dritte, sondern das Kind führt den Test selbständig durch."

Alleingelassen werden die Kinder jedoch nicht. Es stünden Videoanleitungen zur Verfügung, die Lehrer leiten verbal an. Fühlt sich ein Lehrer dem anfangs nicht gewachsen, stehen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zur Verfügung, die in die Schulen kommen, das Prozedere zeigen und so auch auf mögliche Fehlanwendungen aufmerksam machen können. Schulreferentin Cornelia Trinkl bestätigt, dass die Stadt gut ausgestattet ist: "Uns stehen derzeit eine halbe Millionen Tests zur Verfügung."


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Dennoch sind sich sowohl Reichert als auch Trinkl darüber im Klaren, dass die Testpflicht nicht überall auf ein positives Echo stößt. Bereits am Mittwoch hatten sich Vertreter von Eltern- und Lehrerverbänden ablehnend geäußert. Während einige Lehrer befürchten, in der Testsituation nicht ausreichend geschützt zu sein, fürchten Eltern, Kinder könnten stigmatisiert werden, sollten sie ein positives Testergebnis erhalten.

Andere Test-Optionen

Trinkl sowie Reichert weisen darauf hin, dass es weiterhin die Option gibt, die Kinder in dezentralen Schnelltestzentren, die es in Nürnberg inzwischen an vielen Orten gibt, von Fachpersonal testen zu lassen. Kann ein Kind schriftlich einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist, steht einer Teilnahme am Unterricht nichts entgegen.

Die Klage der Lehrer darüber, dass sie mit dem Testen wertvolle Unterrichtszeit einbüßen, kann Reichert nur bedingt nachvollziehen. "Das Testen ist eine Chance. Machen wir das nicht, können unter Umständen bald gar keine Kinder mehr in die Schule gehen." Das Testen sei enorm wichtig, auch weil die Infektionsraten unter Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren derzeit steigen.

Viele Lehrer sind geimpft

Die meisten Grundschullehrer hätten inzwischen eine Impfung beziehungsweise ein Impfangebot erhalten, sodass sie schon jetzt besser geschützt seien. "Es gibt Grundschulen, da ist bereits das komplette Personal mit einer Erstimpfung versorgt. Ich habe auch das Gefühl, dass die Impfbereitschaft steigt", sagt der Chef des staatlichen Schulamts. Mittel- und Realschullehrer sowie Gymnasiallehrer warten jedoch oft noch auf ein Impfangebot, obwohl sie seit Februar teilweise in Präsenz unterrichten.

Natürlich sei es für kein Kind schön, wenn bekannt wird, dass es Corona-positiv ist, sagt Reichert. Man versuche, einem Stigmatisierungseffekt mit passenden Materialien, die von Schulpsychologen ausgearbeitet werden, vorzubeugen. "Und, wie gesagt, es besteht immer die Möglichkeit, sich selbst außerhalb der Schule regelmäßig testen zu lassen und das Kind im Krankheitsfall zu Hause zu lassen." Damit könne man diesen Aspekt zumindest etwas abmildern. Dass eine Corona-Infektion bekannt wird, sei - realistisch betrachtet - praktisch kaum zu vermeiden. Denn spätestens wenn Kontaktpersonen der Kinder in Quarantäne müssen, was bei Schulkindern zwangsläufig oft die Mitschüler seien, lassen sich zumindest Gerüchte über eine Infektion nicht unter dem Deckel halten.

Wer nicht will, muss zu Hause lernen

Kinder, deren Eltern eine regelmäßige Testung ablehnen oder die wegen Vorerkrankungen nicht in den Wechselunterricht gehen können, werden weiterhin zu Hause mit Materialien versorgt und beschult.

Wie es langfristig mit Leistungsnachweisen für diese Kinder aussieht und ob es bei einer Testpflicht überhaupt noch eine schriftliche Einwilligung der Eltern geben muss, ist noch unklar. Hier warten die Schulen auf Detailinformationen des bayerischen Kultusministeriums.
"Wir hoffen jetzt darauf, dass die Inzidenz bald sinkt, sodass weitere Kinder in die Schulen zurückkehren können", so Reichert. Die kommenden Wochen seien eine Chance, mit den älteren Schülern eine Routine bei den Tests zu gewinnen, sodass sich später auch jüngere Grundschüler gut anleiten lassen."