Tote Krähen auf Acker: Tierquälerei oder Abschreckung?

24.8.2020, 13:00 Uhr
Die Population der Rabenkrähe ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Für Landwirte und Gemüsebauern ist sie ein großes Problem und sorgt für finanzielle Einbußen. 

Die Population der Rabenkrähe ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Für Landwirte und Gemüsebauern ist sie ein großes Problem und sorgt für finanzielle Einbußen.  © Daniel Zupanc, dpa

Zwei tote Krähen hängen auf einem Acker an Holzpfählen. Die blaue Schnur sitzt fest an Kopf und Füßen. Es ist ein unschönes Bild, das Passanten bei einem Spaziergang durch das Nürnberger Knoblauchsland festhielten und an die Tierrechtsorganisation Peta schickten. Die reagierte prompt und stellte die Bilder der toten Vögel ins Netz. Auf der Facebook-Seite überschlugen sich daraufhin die Kommentare: "Einfach nur widerlich", "Kein Respekt vor dem Tier", "Grausam, gemein, sinnlos" bis hin zu wüsten Drohungen gegen die Landwirte.

Dieses Foto einer toten Krähe auf einem Acker im Knoblauchsland veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Peta auf ihrer Homepage. 

Dieses Foto einer toten Krähe auf einem Acker im Knoblauchsland veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Peta auf ihrer Homepage.  © PETA Deutschland e.V.

Wurden die Tiere am lebendigen Leib an die Pfähle gebunden? Zu welchem Zweck? Natürlich waren die Krähen schon tot, versichert uns einer der Landwirte aus dem Knoblauchsland. Sie werden als Abschreckungsmaßnahme auf den Ackern aufgehängt oder an Pfählen festgebunden, um andere Krähen davon abzuhalten, das frisch gesäte Saatgut sowie die Gemüsebestände anzugreifen, erklärt er. Die in den Augen der Tierfreunde barbarische Methode stammt noch aus dem Mittelalter und gilt unter den Landwirten als bislang effektivste Maßnahme, die Vögel zu vertreiben.

Auf die Vorwürfe, die Landwirte würden die Tiere quälen, antwortet eine Bauer: ”Das ist absoluter Humbug. Gequält wird dafür niemand”. Noch dazu erlegen nicht die Landwirte, sondern Jäger die Vögel. Und das dürfen sie, denn nach der Bayerischen Jagdverordnung ist das Abschießen der Rabenkrähe zwischen Juli und März erlaubt. Die Krähen, so der Landwirt, seien große Schädlinge und mittlerweile ein "Riesenproblem”.


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Er nennt ein Beispiel: Auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern säte er vor gut einem Monat per Hand stundenlang Zucchini an - es dauerte keine 48 Stunden, bis drei Viertel der frisch gelegten Saat von den Krähen gepickt wurden. Der Bauer schätzt den Schaden auf gut 5000 Euro. "Darauf bleibe ich sitzen, die Zucchini wird am Ende ja nicht teurer verkauft.” Auch an reifem Eissalat machen sich die Krähen zu schaffen. Die Folge: der Salat wird unverkäuflich.

"Dass der Anblick nicht der schönste ist, verstehe ich”

Seine Kollegen und er hätten alles schon probiert, berichtet der Bauer. Vogelscheuchen, Plastikkrähen aus dem Baumarkt, Netze - nichts funktioniere so gut als Abschreckung wie die toten Artgenossen auf den Holzpfählen. "Dass der Anblick nicht der schönste ist, verstehe ich”, sagt der Landwirt. Doch anders wüssten sie sich nicht zu helfen.

"Die Vögel sind schlau, die erkennen schnell, was künstlich und was aus der Natur ist”, sagt ein Jäger aus dem Nürnberger Norden. Auch er erlegt während der offiziellen Jagdzeit Rabenkrähen, deren Population nach eigenen Beobachtungen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Oft sprechen ihn die Landwirte an, ob er ein paar Vögel vorrätig in der Gefriertruhe habe, denn nur für die Abschreckung werden die Vögel nicht geschossen, versichert der Jäger.


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Doch der Bedarf ist wohl in ganz Deutschland weitaus höher, im Internet können gefrorene Rabenkrähen bereits für drei Euro das Stück bestellt werden. Er versteht das Problem der Landwirte: "Jeder versucht sein Möglichstes, um seinen Acker zu schützen”.

"Ein Tier darf nicht Mittel zum Zweck sein"

Peta sieht in der Praxis nur zweifelhaften Nutzen und fordert beim Veterinäramt ein Verbot gemäß des Tierschutzgesetzes. "Es geht uns um die Symbolik, ein Tier darf nicht Mittel zum Zweck sein”, sagt Peter Höffken von Peta. Für die Tierschützer müsse es andere Methoden geben, die vielleicht teurer sind, "aber das Leben eines Tieres darf nicht einem Gewinnstreben untergeordnet sein”, so Höffken. Noch dazu seien angebliche Ernteschäden wissenschaftlich unbewiesen, wie es in der Pressemitteilung heißt.

Über diese Aussage kann der betroffene Landwirt nur lachen. "Die können gerne bei mir vorbei kommen und sich selbst ein Bild machen. Dann sehen sie: die Ernteschäden sind sehr wohl da", sagt er.

Dem Ordnungsamt und der Polizei Mittelfranken sind die Fälle aus dem Knoblauchsland bekannt. "Wir haben die Angelegenheit geprüft. Solange die Krähen auf legalem Weg beschafft wurden, wird das strafrechtlich nicht sanktioniert”, sagt Marc Siegl, Pressesprecher der Polizei.