Sommerprojekt

Verschönerung der Adlerstraße: So war der Start der "Summer Street"

3.7.2021, 18:49 Uhr
Summer Street: Die Adlerstraße wurde ab dem Josephsplatz von ihren Parkplätzen befreit, stattdessen wurden mehr Sitzgelegenheiten für die Gastronomie geschaffen.

Summer Street: Die Adlerstraße wurde ab dem Josephsplatz von ihren Parkplätzen befreit, stattdessen wurden mehr Sitzgelegenheiten für die Gastronomie geschaffen. © Stefan Hippel, NNZ

"Summer Street" nennt sich das Projekt der ortsansässigen Gewerbetreibenden und der Stadt, das am heutigen Samstag offiziell eröffnet wurde. Es ist Teil der "Nürnberger City Werkstatt", einer gemeinsamen Initiative des städtischen Wirtschafts- und Wissenschaftsreferat und der Industrie- und Handelskammer Nürnberg (IHK) für Mittelfranken zur Belebung und Weiterentwicklung der Innenstadt. Bis November soll es voraussichtlich laufen.

Ein ganzer Tross an lokalen Politikern und Projekt-Verantwortlichen schaute sich am Samstag den Start der Aktion an. Während sich die übliche Autoschlange - teils unter Hupkonzerten - zum Parkhaus Adlerstraße quälte, wurden die einzelnen Verschönerungen vorgestellt. Bänke, Lounge-Möbel und Hocker aus Europaletten laden dazu ein, sich ein Päuschen zu gönnen. Mobiles Grün, kleine Büsche in Kübeln und bunte Blumen (von Blumen Kuhn) sollen für optische Auflockerung sorgen. Ein Foodtruck hat sich angesiedelt und die Außenbereiche der Gastronomie durften noch einmal vergrößert werden.

Ein Tross aus Politikern und Projekt-Verantwortlichen, allen voran Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (Mitte), zog zum Start der

Ein Tross aus Politikern und Projekt-Verantwortlichen, allen voran Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (Mitte), zog zum Start der "Summer Street" am Samstag durch die Adlerstraße. © Stefan Hippel, NNZ


Treffpunkt statt Autos: das hat es mit Nürnbergs Parklets auf sich


Das Tempo für Autofahrer wurde auf 10 km/h heruntergesetzt, die Parkplätze der Anwohner mussten weichen. Zum Ausgleich wurde ihnen angeboten, ihre Fahrzeuge ins Adler-Parkhaus zu stellen - für rund 60 Euro im Monat.

Die 22-jährige Paula Ulsenheimer aus Großhabersdorf mit Bruder Samuel und Freund Hendrik fand die neuen Sitzgelegenheiten genial, um abseits des Trubels etwas durchschnaufen zu können.

Die 22-jährige Paula Ulsenheimer aus Großhabersdorf mit Bruder Samuel und Freund Hendrik fand die neuen Sitzgelegenheiten genial, um abseits des Trubels etwas durchschnaufen zu können. © Stefan Hippel, NNZ

Der Begriff "Summer Street" kommt aus Skandinavien, erklärte Planungs- und Baureferent Daniel Ulrich. Straßen werden dabei teilweise komplett für den Autoverehr gesperrt. Das ist in der Adlerstraße aber nicht der Fall. "Die Leute sollen ins Parkhaus fahren, das wollen wir auch", betonte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König. Man werde aber beobachten ob die Verkehrslage hier "totales Chaos wird oder eine gute Mischung". Das Ganze, betonte Ulrich, sei nicht abgeschlossen, alles könne noch verbessert oder angepasst werden. "Es ist der erste Aufschlag in einem Experiment." Die Aktion ist eines von fünf Projekten der City-Werkstatt.

Der Clou dabei ist, dass nicht die Stadt das Zepter in der Hand hält, sondern die Gewerbetreibenden in der Straße selbst. "Sonst heißt es ja oft: 'Stadt, mach mal!' Mit dieser Aktion hier stärkt man die Eigenverantwortung der Einzelhändler", erklärte Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas. Und die waren nicht schwer ins Boot zu holen. Einen großen Part übernommen hat Iris Wörnlein-Herbke, die mit ihrem Messebau in einem Pop-up-Center vorübergehend in ein Gebäude eingezogen ist, das leer stand. Von ihr stammen die Europaletten-Sitzmöbel. "Die Straße war vorher für den Einzelhandel unattraktiv, es ist gar niemand stehen geblieben, um in den Laden zu schauen", sagte sie. Mit dieser Belebung könnte sich das ändern, glaubt sie.

Angenommen wurden ihre Möbel gleich gut. Immer wieder ruhten sich am Samstag Stadtbummler darauf aus. Wie zum Beispiel die 22-jährige Paula Ulsenheimer aus Großhabersdorf, die zusammen mit Bruder und Freund Asia-Nudeln aus der To-go-Box gabelte: "Ich find's saucool, dass man sich hier ab vom Schuss hinsetzen und a weng durchschnaufen kann", meinte sie.

"Nur die Rückseite von etwas"

Dass hier überhaupt etwas gemacht werde, sei eine gute Idee, meinte Unternehmer Stephan Fricke, der in der Adlerstraße das Geschäft "Think" für nachhaltig produzierte Schuhe betreibt. "Die Adlerstraße ist ja ziemlich benachteiligt, sie ist eigentlich immer nur die Rückseite von etwas, in der auch viel Anlieferverkehr herrscht", meinte er. Unter anderem ist hier auch der Hinterausgang des Kaufhauses Karstadt.

Viele Autos, die zum Parkhaus fuhren oder von dort heraus, drängten sich in der Straße am Samstag. Das Tempo in der Adlerstraße ist auf 10 km/h herabgesetzt. Man werde die Situation beobachten, meinte OB Marcus König.

Viele Autos, die zum Parkhaus fuhren oder von dort heraus, drängten sich in der Straße am Samstag. Das Tempo in der Adlerstraße ist auf 10 km/h herabgesetzt. Man werde die Situation beobachten, meinte OB Marcus König. © Stefan Hippel, NNZ


Einkaufen als Erlebnis: So will die Stadt dem Einzelhandel helfen


Vor allem durch die gastronomischen Betriebe wie "Tapasitos" oder das "Travolta" sieht die "Rückseite" nun einladender aus. Wegen Corona wurde hier schon letztes Jahr der Außenbereich vergrößert. Jetzt wurden noch mehr Flächen dazugegeben. An diesem sonnigen Samstag genossen hier viele in dem ebenfalls mit Europlatten umzäunten und mit Blumen aufgehübschten Außenbereich eine Mahlzeit oder ein Getränk.

Eine Perspektive für Handel und Gastro

Gastronom Mauro Russo, Chef des "Travolta" ist mehr als begeistert von der Aktion. "So etwas wie die Summer Street bietet eine wirkliche Perspektive für die Gastronomie und den Handel hier", findet er. Er und alle Gastro-Kollegen seien hocherfreut darüber. Und die Perspektive muss dringend her. Denn: "Ohne den vergrößerten Außenbereich hätten wir nicht überlebt." Eines ist ihm noch ganz wichtig zu betonen: Er wünscht sich, dass alle hier in der Straße davon profitieren, von der Gastro über die Läden bis zum Parkhaus. "Es darf nicht einer darunter leiden", sagte er. Die Adlerstraße sei Kerngebiet des Handels in der Stadt. "Den müssen wir vom Online-Handel zurückerobern!"

Dass das funktionieren wird, da ist Thomas Förster, Vizepräsident der IHK, die das Projekt für die Gewerbetreibenden koordinierte, zuversichtlich. "Ich bin sicher, dass wir hier jede Menge Leben hinein bekommen. Und dass die Schäden, die durch Corona angerichtet wurden, damit deutlich gemindert werden."

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