Donnerstag, 09.04.2020

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Viele Beschwerden: Ärger um die Gelbe Tonne in Nürnberg

500 Anrufe am Tag: Service-Hotline des Abfallentsorgers läuft heiß - 14.01.2020 18:47 Uhr

Der Gelbe Sack hat ausgedient. Viele nutzen Säcke, die sie noch übrig haben, um ihren Müll darin in die Tonnen zu stecken. © Marijan Murat, NN


Reiner Müller stinkt's. 2020 ist erst wenige Tage alt und damit auch die Gelbe Tonne, die seit diesem Jahr in Nürnberg den Gelben Sack ersetzt. Und schon die erste Abholung geht schief. In Thon, wo Müller wohnt, sind die auch 24 Stunden nach der geplanten Entleerung noch prall gefüllt. Entweder sei der Abholungstermin nicht wahrgenommen worden, mutmaßt der Nürnberger, oder sie seien bewusst stehen geblieben, weil aus der Tonne Gelbe Säcke quellen. "Die Stadt hat angekündigt, keine gelben Säcke mehr anzunehmen." Die Plastiksäcke seien aber nötig, weil "man nicht für jede Verpackung aus dem siebten Stock runterlaufen kann".

Auch über die Größen der Gelben Tonne wird diskutiert. © Gerhard Krämer, NN


Er rechnet gar damit, dass "die Leute irgendwann nicht mehr recyclen, sondern der Schmodder im normalen Hausmüll landet". Für Müller hat der Wahnsinn einen Namen: Gelbe Tonne. Er ist nicht der einzige, der schon jetzt bei der Gelben Tonne rot sieht. Wie der 93 Jahre alte Rentner aus Ziegelstein, dessen Tonne nicht, wie versprochen, auf ihren ursprünglichen Platz vor dem Haus zurückgestellt wurde. Vielmehr musste er sie den Bordstein hinauf hieven und 100 Meter zum Haus zurückschleppen. Dabei findet er es gut, dass es keine Gelben Säcke mehr gibt. Findet auch eine andere Leserin - wenn man auf die denn verzichten könnte. Sie aber sorgt sich um den Geruch, der entsteht, wenn die Verpackungen "löffelrein" in der Tonne landen. Stinkt es ihr dann auch?

Kommt nicht in die Plastiktüte? Falsch!

Nein. Denn die Stadt hat die Gelbe Tonne nicht eingeführt, um das Plastik des Gelben Sacks zu sparen. Die Gründe sind die "mangelnde Reißfestigkeit" der Säcke, die zu "Verschmutzungseffekte im öffentlichen Raum, unter anderem Verwehungen bei Wind oder Geruchsproblemen" führen, heißt es auf der Internetseite der städtischen Abfallwirtschaft. Außerdem habe das Stadtbild oft unter den ungeordnet, zu früh und am falschen Ort zur Abholung bereitliegenden gelben Säcken gelitten.


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Der Verpackungsmüll darf also sehr wohl in Plastiktüten, zum Beispiel noch übrigen Gelben Säcken, entsorgt werden, sagt die zuständige Firma "Hofmann denkt". "Die Tonnen werden selbstverständlich entsorgt, auch wenn diese mit vollen gelben Säcken befüllt sind", heißt es auf Anfrage der Lokalredaktion. Und auch die Gelben Säcke, die nicht in Tonnen untergebracht sind, sammelt der Abfall-Entsorger aktuell noch ein. "Wir haben Verständnis dafür, dass sich auch bei den Bürgern die neue Entsorgungsform erst einspielen muss."

Im Gegenzug wirbt die Firma aus Büchenbach aber um Geduld: Das Einsammeln der Säcke "führt natürlich zu einem Mehraufwand und einer höheren Arbeitslast". Auch deshalb kann der Terminplan für die Abholung momentan nicht immer eingehalten werden. "Wir sind aber zuversichtlich, dass sich das zeitnah einspielt und die Entsorgung planmäßig abgewickelt wird." Immerhin: Seit 1. Januar werden am Tag 10.000 der 85.000 Tonnen im Stadtgebiet geleert, dem gegenüber stehen etwa 30 Beschwerden. "Bei der hohen Leerungsanzahl eine durchaus geringe Fehlerquote", findet Hofmann, "weshalb wir auf unser Team in der Stadt Nürnberg besonders stolz sind".

Feinjustierung bei den Tonnen

Allerdings: Nicht jeder Anrufer kommt durch, wie Leser bemängeln. Der Grund: 500 Anrufe muss die Service-Hotline der Firma Hofmann täglich beantworten, neben Beschwerden geht es vor allem darum, nicht benötigte Tonnen wieder einzusammeln - oder zusätzliche auszuteilen. Denn nicht alle sind mit der Größe der Tonne einverstanden, wie eine Wetzendorferin beklagt. "Eine Tonne für sieben Parteien im Haus: Wie soll das gehen?" Hofmann verweist auf die - kostenlose - Nachbestellung einer weiteren Tonne unter der Service Hotline. Die Firma ist unter der ebenfalls kostenlosen Service-Rufnummer 08 00/1 00 43 37 von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr für ihre Kunden erreichbar. Wenn auch manchmal schwer. "Alternativ können die Bürger auch unser Kontaktformular auf unserer Homepage oder ihr Anliegen direkt per E-Mail an uns senden."

Dass die Gelbe Tonne in Einzelfällen nicht an ihren Platz zurückgestellt wurde, bedauert der Abfall-Entsorger sehr. Denn eigentlich sollen die Mitarbeiter genau das tun. Doch auch das muss sich einspielen. Damit die Nürnberger künftig gelb sehen - und nicht gleich rot.

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