Von Nürnberg bis Fürth: Kartenspiel zeigt viele nachhaltige Projekte

25.4.2021, 15:27 Uhr
Bluepingu hat ein Schafkopfspiel herausgebracht, das auf 36 fränkischen Spielkarten zukunftsfähige Orte vorstellt.

Bluepingu hat ein Schafkopfspiel herausgebracht, das auf 36 fränkischen Spielkarten zukunftsfähige Orte vorstellt. © Bluepingu, NNZ

Der Ober sticht den Unter, meistens in einer Kneipe. Wieso nicht auch in einem veganen Restaurant? Wo die in Nürnberg zu finden sind, zeigt Kartenspiel von Bluepingu, das Ricarda Sendl entworfen hat. Mit dem lernt man vieles über Nachhaltigkeit. Und Schafkopfspielen.

Frau Sendl, Sie spielen also Schafkopf?

Ricarda Sendl: Ja, aber noch nicht sehr lange, mein Vater hat schon immer gespielt, ich stamme ja aus Oberbayern. Aber ich habe mich lange darum gedrückt.

Ist auch nicht leicht zu lernen. Und zu erklären.

Ricarda Sendl: Man muss es einfach machen, also learning by doing. Das ist wie beim Schuhe binden, das muss man sich auch selbst beibringen.


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Die wenigsten gestalten aber gleich ein eigenes Schafkopf-Spiel, wenn Sie es können. Sie schon.

Ricarda Sendl (25) ist quasi mit Bio und Nachhaltigkeit aufgewachsen. Schon früh arbeitet sie nämlich im elterlichen Biosupermarkt.

Ricarda Sendl (25) ist quasi mit Bio und Nachhaltigkeit aufgewachsen. Schon früh arbeitet sie nämlich im elterlichen Biosupermarkt. © privat, NNZ

Ricarda Sendl: Allerdings war es nicht meine Idee, die kommt aus Greifswald. Eine Studentin hat dort als Masterarbeit ein Kartenspiel gestaltet, das nachhaltige Firmen als Visitenkarte benutzen können. Ein Vorstand von Bluepingu hat das bei einer Messe des Nachhaltigkeitsverbunds entdeckt und fand, das ist auch was für Nürnberg.

Wie ist das Spiel bei Ihnen gelandet?

Ricarda Sendl: Ich habe bei Bluepingu ein Projektpraktikum fürs Studium gemacht. Ich habe schon vorher im Bereich Nachhaltigkeit gearbeitet, aber nie bei einem Verein, also nicht profitorientiert. Das fand ich spannend. Weil ein anderes Projekt wegen der Pandemie nicht geklappt hab, kam die Idee zum Kartenspiel wieder auf.

Eine-Welt-Laden und Mitmach-Guide

Welches Ziel hat das Spiel? Also außer, mehr Stiche zu machen.

Ricarda Sendl: Wir wollen mit Hilfe der Karten die Projekte von Bluepingu vorstellen, Sachen, die es verdienen, ein bisschen bekannter zu werden. Mir zum Beispiel hat das total geholfen, mich in Nürnberg besser zurechtzufinden. Ich wusste nicht, dass bei mir ums Eck ein Eine-Welt-Laden ist. Bis der auch auf einer Karte stand.

Wenn der Ober den Unter sticht, was liegt dann auf dem Tisch?

Ricarda Sendl: Der Eichel-Ober ist die Nürnberger Agenda 21, weil sie Projekte in und um Nürnberg mit Fokus Nachhaltigkeit fördert. Die haben Bluepingu und viele andere immer unterstützt, aber man sieht oft nicht, wer da dahintersteckt und dass wir das nicht alleine stemmen können! Sie hat das Spiel auch mitfinanziert.

Und der Eichel-Unter?

Ricarda Sendl: Das ist der Mitmach-Guide, den Bluepingu ins Leben gerufen. Mit dem finde ich etwas, mit dem ich mich engagieren kann. Egal ob ich bei einer Petition abstimmen kann oder beim nächsten Projekt in der Nachbarschaft mithelfen und mitgestalten kann!

Aber ja nicht beim Schafkopfspielen.

Ricarda Sendl: Nein, es geht darum, etwas Neues zu entdecken. Optimal ist es, wenn irgendwer die Karten in die Hand kriegt, spielt und etwas lernt dabei. Ich spiele mit den Freunden, die schauen sich die Karten an und sagen: Wow, das Pflanzprojekt oder das vegane Restaurant kenne ich ja noch gar nicht.

Wie haben Sie entschieden, welches Projekt Schelle, Eichel oder Herz wird?

Ricarda Sendl: Ich habe versucht, es thematisch zu ordnen. Alle Stadtgärten sind natürlich bei Blatt gelandet.

Und bei Herz also, was Ihnen am Herzen liegt?

Ricarda Sendl: Alles sind Herzensprojekte, aber Herz ist ein kleiner Mix, da gehört zum Beispiel das Thema Zero Waste dazu, also Müllvermeidung, und das Klimacamp. Aber auch der Regionallotse von morgen.


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Der steht auch auf der Rückseite.

Ricarda Sendl: Genau. Dort sind die Ziele der nachhaltigen Entwicklung aufgedruckt und ein QR-Code. Der führt zum neuen Regionallotsen von morgen – und damit Bioläden, veganen Restaurants, Second-Hand-Läden.

1000 nachhaltige Adressen

Was ist der Regionallotse?

Ricarda Sendl: Ursprünglich war das ein Ringbuch mit 1000 Adressen im Raum Nürnberg, Fürth und Erlangen, in dem nachhaltige Gastronomie und Einzelhandel zu finden sind. Er ist sehr groß und sehr viel. Zwei Auflagen gingen gut weg, die dritte eher mau. Wir fanden, das müssen wir moderner gestalten.

So sehen die einzelnen Karten aus.

So sehen die einzelnen Karten aus. © Bluepingu, NNZ

Also online.

Ricarda Sendl: Genau, unsere Karte von morgen. Eine Open-Source-Karte, bei der sich also jeder beteiligen und etwas eingetragen. Das wird dann direkt veröffentlicht. Unterteilt ist er in Unternehmen, Initiativen oder Events – alle im Zeichen der Nachhaltigkeit. Das ist eine Karte für nachhaltiges Leben in deiner Region.

Was trage ich ein?

Ricarda Sendl: Den Bioladen um die Ecke, zum Beispiel mit Öffnungszeiten, Fotos und warum der besonders gut ist. Wo es Bio-Essen gibt oder wo ich die Wasserflasche auffüllen kann.

Wie werden die Einträge kontrolliert?

Ricarda Sendl: Wir überprüfen die Einträge schon auch, vor allem aber kann man die Einträge bewerten, von „Visionär“ bis „von gestern“. Also überholt, da müsste nachgearbeitet werden. So wird der Eintrag auch entweder eher versteckt oder landet weiter vorne.

Und wie läuft der Lotse?

Ricarda Sendl: Gut, in Nürnberg gibt es rund 60 Einträge, auch in Fürth und Erlangen klappt es. Aber eher in den Innenstädten als auf dem Land.

Ihr bietet auch online Workshops dazu an.

Ricarda Sendl: Wir zeigen erst einmal, dass der Regionallotse noch existiert. Aber eben online. Die Teilnehmer sollen dann einen Eintrag machen, bewerten und ihn an Freunde schicken. Es wird auch viel diskutiert und wir freuen über Tipps, was wir noch besser machen können.

Wird auch Schafkopf gespielt?

Ricarda Sendl: Wer den Workshop mitmacht, kriegt eins der 500 Kartenspiele! Die gibt’s aber auch im Bluepingu-Büro.

Infos zum Kartenspiel und Anmeldung für die Kurse finden Sie hier.