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Vorzügliche Akustik: Neues Konzerthaus in der Feinplanung

Stadtspitze wünscht sich größere Attraktivität im Klassikbetrieb - 20.02.2019 05:48 Uhr

Diese Innenansicht legte die Gruppe um Johannes Kappler vor, die 2018 den Architektenwettbewerb für Nürnbergs neuen Konzertsaal gewann. Tatsächlich wird sich das Raumdesign aber wohl noch deutlich ändern. © Team Kappler Architektur


Ein "Nürnberger Klang" ist das Ziel. Oder? Von diesem anfänglichen Arbeitsbegriff sei die Planungsgruppe wieder abgerückt, berichtet Eckhard Kahle. Aber auf Adjektive konnte sie sich einigen: einhüllend, warm, weich, nah, intim, unaufdringlich. Diesen Höreindruck soll ein Besucher einmal haben, wenn er im Sinfoniekonzert sitzt, in dem neuen Saal, der irgendwann ab 2023 neben der Meistersingerhalle fertig werden soll. Und zwar auf allen 1500 Plätzen. "Ich finde es wichtig, einen demokratischen Saal zu machen, ohne schlechte Akustik auf den billigen Plätzen", sagt Kahle, der mit seinem Brüsseler Akustik-Büro unter vier Bewerbern den Auftrag aus Nürnberg erhielt.


"Zeitlose Eleganz": So sieht Nürnbergs neuer Konzertsaal aus


In der ersten Sitzung der städtischen Konzerthaus-Kommission im Rathaus hat sich der Experte vorgestellt. Nicht ohne Grundsatz-Ansagen. "Akustik ist keine Magie. Sie ist erst einmal Physik." Ein Saal sei eine "Maschine für Musik" – jeder Bau lasse sich problemlos für jeden Klang programmieren. Es komme nur darauf an, sich vorher über die Anforderungen klar zu sein. "Es ist wichtig, dass die Bestellung stimmt. Wenn sie klar ist, wird geliefert. Es gibt süß und salzig, und genauso gibt es einen Geschmack in der Akustik."

Vom neuen Konzertsaal verspricht sich die Stadtspitze eine größere Attraktivität im Klassikbetrieb – in einigen Konzertformaten schwächelt die Meistersingerhalle deutlich. Der aus Karlsruhe stammende Physiker und Bratschist, der selbst als Orchestermusiker arbeitete, drückt es diplomatisch aus: "Sie haben diesen Mehrzweckraum über die Jahrzehnte recht gut erlitten. Wir leben aber nicht mehr vor 50 Jahren, sondern bauen für die Zukunft."


Nürnberger Stadtrat lobt Entwurf für Konzerthaus


Die Nürnberger "Bestellung" lobt Kahle ausdrücklich. "Ich habe selten ein so gut definiertes Akustikprogramm gelesen. Da steht viel drin. Und es ist wirklich machbar", sagt er optimistisch. Dazu brauche es keine architektonischen Kunstgriffe. Kahle will stattdessen mit Schallsegeln, Vorhängen und den Projektionsflächen der Balkone arbeiten. In ihrem Konzept vom Dezember 2018 fordern die städtischen Planer Vorrang für weiche, dunkle, den Bass betonende Klangfarben. Details und Einzelstimmen sollen erkennbar bleiben, aber nicht trocken hervortreten. Ein Saal mit derart extremer, nackter Klangtreue und Brillanz ist nicht gewünscht – anders als bei einem Prestigeprojekt von Kahles Büro, dem 1998 eröffneten Konzertsaal im KKL Luzern. Die Firma stattete auch die Pariser Philharmonie aus. Beide Säle aus der Feder von Stararchitekt Jean Nouvel punkten mit exzellenter Akustik.

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Die Jury hat entschieden: So soll Nürnbergs neuer Konzertsaal, ein "kulturelles Leuchtturmprojekt", aussehen. Er entsteht in unmittelbarer Nähe zur Meistersingerhalle und soll sich deshalb nahtlos einfügen. Doch welche Entwürfe erhielten den Zuschlag nicht? Ein Überblick.


"Also bitte holen Sie nicht unbedingt Rammstein oder Elton John zur Eröffnung", scherzt der Musiker und Wissenschaftler. Teil der Ausschreibung in Nürnberg ist auch der flexible Einsatz von Lautsprechern. Das Publikum der kommenden Jahrzehnte verlange ziemlich sicher nach mehr elektronisch verstärkten Konzerten als heute, betont Konzertveranstalter Norbert Gubo, der der Kommission angehört. Nachträglich hat die Stadt außerdem ihren Wunsch nach einer eingebauten Orgel – wie in der Meistersingerhalle – angemeldet, sagt Kulturreferentin Julia Lehner (CSU). Die ausgearbeiteten Entwürfe der Architekten werden im kommenden Herbst erwartet.

Die Konzerthaus-Kommission ist ein eigens für das Bauprojekt gegründetes Gremium, das Grundsatzentscheidungen treffen darf. Die 24 Plätze sind jeweils zur Hälfte mit Stadtratsmitgliedern und mit beratenden Experten besetzt. Dazu zählen Vertreter des Staatstheaters und der Nürnberger Symphoniker, die Konzertagenturen Argo, Hörtnagel und Nürnberg-Musik, die Tourismuszentrale, die Nürnberger Konzertchöre, Bürgervereine und der Bayerische Rundfunk. Die Kommission soll viermal jährlich öffentlich tagen.


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Tontechnische Probleme in Konzerthäusern seien heute eine Folge von unklaren Ansagen der Bauherren, urteilt Eckhard Kahle. So lasse sich die aktuelle Qualitätskritik an der Hamburger Elbphilharmonie – Startenor Jonas Kaufmann war dort schlecht zu hören – mit Chaos im Bauverfahren erklären. Wobei die rechteckige Schuhschachtel-Form, wie sie Nürnberg will, grundsätzlich leichter zum Klingen gebracht werde. Hamburg, wo der Akustik-Promi Yasuhisa Toyota arbeitete, hat die runde Weinberg-Form mit dem Orchester in der Mitte. "Die Schuhschachtel ist einfacher. Man kennt sie in- und auswendig. Und die meisten Fehler wurden einfach schon mal gemacht." 

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Isabel Lauer

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