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Warnstreik am Montag: ÖPNV steht still

Die Tarife für die Beschäftigten dieses Bereichs werden separat verhandelt - 25.10.2020 12:54 Uhr

Am Montag bleiben Busse und Bahnen wieder im Depot.

22.10.2020 © NEWS5 / Bauernfeind, NNZ


Man habe verschiedene Optionen geprüft, so VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger. Doch die Variante, mit Hilfe des Nightliner-Netzes ein Notangebot zu organisieren, habe sich nicht bewährt. Am ersten Streiktag hätten die Busse oft im Stau gestanden, der Verkehr sei zusammengebrochen. "Und wenn man vom Plärrer zum Hauptbahnhof eine Stunde braucht, ist das nicht zu vermitteln", sagt Seitzinger. "Dann kann man auch laufen."

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Warnstreik in der Region führt Ende September 2020 zu Stau und langen Wartezeiten

Volle Parkhäuser, verschlossene U-Bahn-Tore und Verkehrschaos im Stadtgebiet: Wegen eines Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi dauerte der Weg zur Arbeit oder Schule für zahlreiche Pendlerinnen und Pendler besonders lange.


Auch mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen habe sich die VAG deshalb entschieden, Busse und Bahnen wieder im Depot zu lassen. Der Schutz der Fahrgäste habe Vorrang, die VAG könne kein nur ansatzweise ausreichendes Mindestangebot bieten. Auch das VAG-Kundencenter am Nürnberger Hauptbahnhof bleibt geschlossen.

Zwar gibt es eine Einigung im Tarifstreit zwischen den Verhandlungsführern der Gewerkschaften und den Arbeitgebern, diese betrifft allerdings nicht den Öffentlichen Personennahverkehr. Die Tarife für die Beschäftigten in diesem Bereich werden laut VAG-Informationen separat verhandelt, hier konnte aber noch keine Einigung erzielt werden. Deshalb wird es am Montag dennoch einen Streik des ÖPNV geben.

"Es bleibt alles stehen"

Demnach muss sich jeder Fahrgast fragen, ob er am Montag wirklich mobil sein müsse und dann auf andere Verkehrsmittel ausweichen, so die VAG. In Nürnberg könne man viele Wege auch mit dem Rad oder zu Fuß erledigen, betont Seitzinger. "Wir wollen mit Blick auf Corona ein Gedränge in den Bussen vermeiden." Für einen Notbetrieb etwa im Bereich der automatischen U-Bahn fehle das Personal. "Deshalb haben wir uns für eine klare Ansage entschieden", so Seitzinger. "Es bleibt alles stehen." Der Streik geht laut VAG über 24 Stunden, vom 26. Oktober, 4 Uhr, bis 27. Oktober, 4 Uhr.

Genauso reagieren die Stadtwerke in Bamberg. Angekündigt sei der Streik dort für zwei Tage, sagt Pressesprecher Jan Giersberg. "Deshalb fährt bei uns auch am Dienstag kein Bus." Für die Fahrgäste sei das ein "sehr harter Schlag, aber es ist nicht anders zu machen". Von den bayernweiten Warnstreiks ist in der Region auch Fürth betroffen, dort plant die infra Fürth mit Hilfe privater Unternehmen einen reduzierten Busbetrieb. In Erlangen sind derzeit noch keine Auswirkungen bekannt.

Vor zwei Wochen, als die VAG ihren Betrieb bis 14 Uhr eingestellt hatte, war das befürchtete Chaos im morgendlichen Berufsverkehr ausgeblieben. Viele hatten sich vorab informiert und waren auf anderem Wege zur Arbeit gelangt oder gleich im Homeoffice geblieben. Ende September dagegen, als die Busse im Notbetrieb vom Hauptbahnhof aus im Halb-Stunden-Takt fuhren, war es zu langen Staus gekommen, in denen auch Busse stecken blieben. An den Haltestellen standen die Wartenden im Gedränge. Die Streiks hatten deshalb für viel Kritik gesorgt.

Hoher Krankenstand, viele Überstunden

Kritik, die Gewerkschaftssekretär Stefan Wolf so nicht stehen lassen will. "Wir haben jeden Tag volle U-Bahnen." Ver.di streike nicht gegen, sondern für einen besseren Nahverkehr. Hauptproblem sei der Personalmangel, "in der Region fallen deswegen schon einige Verbindungen aus". Doch zu den derzeitigen Arbeitsbedingungen sei es schwer, mehr Personal zu finden.

Entsprechend belastet seien die Mitarbeiter, sagt Wolf. "Viele schieben Überstunden vor sich her, der Krankenstand ist hoch." Das bisherige Angebot der Arbeitgeber, eine Lohnerhöhung von insgesamt 3,5 Prozent innerhalb von drei Jahren, sei inakzeptabel und respektlos. "Wir fordern eine Arbeitszeitverkürzung." Zudem müsse das Grundgehalt erhöht werden.

Das wiederum ist den Arbeitgebern zu viel. Alle Forderungen zusammen genommen summierten sich auf eine Lohnerhöhung von 20 bis 25 Prozent. "Das hätte massive Auswirkungen auf den ÖPNV. Fahrpreiserhöhungen wären unumgänglich", so der Kommunale Arbeitgeberverband Bayern.

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