Prognose für die Region

Wer schafft´s in den Bundestag? Die Simulation für Schwabach und Roth

19.9.2021, 07:04 Uhr
Wer hat in einer Woche Grund zum Jubeln? „Alles ist völlig offen“, sagt Wahlforscher Marcel Neunhoeffer. „Das wird die spannendste Wahl in der Geschichte der Bundesrepublik.“ 

© Paul Götz, NN Wer hat in einer Woche Grund zum Jubeln? „Alles ist völlig offen“, sagt Wahlforscher Marcel Neunhoeffer. „Das wird die spannendste Wahl in der Geschichte der Bundesrepublik.“ 

„Die Wahl ist noch völlig offen“, sagt der Wahlforscher und Statistik-Experte Marcel Neunhoeffer. „Das wird die spannendste Bundestagswahl in der Geschichte der Bundesrepublik.“

Wahlforscher aus Schwabach: Marcel Neunhoeffer von der Uni München.

Wahlforscher aus Schwabach: Marcel Neunhoeffer von der Uni München. © Günther Wilhelm, NN

Zur Person: Marcel Neunhoeffer ist in Schwabach aufgewachsen, hat am Adam-Kraft-Gymnasium Abitur gemacht, in Passau Staatswissenschaften und in Mannheim Politikwissenschaft studiert. Aktuell schreibt der 31-Jährige an seiner Doktorarbeit und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Statistik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Das Wahlforscher-Team: Neunhoeffer gehört zum Wahlforscher-Team „zweitstimme.org“, das sich aus Wissenschaftlern der Uni Mannheim, der LMU München, der Humboldt-Universität Berlin und der Hertie School Berlin zusammensetzt.

Keine Momentaufnahme

Deren Ziel: Eine Prognose der Bundestagswahl, die über die berühmte „Sonntagsfrage“ der Meinungsforschungsinstitute hinausgeht. „Die Sonntagsfrage ist immer eine Momentaufnahme. Deshalb heißt es ja: Wenn am Sonntag gewählt würde...“, erklärt Neunhoeffer. „Wir aber haben immer den tatsächlichen Wahltermin im Blick.“ Solche Prognosen seien sehr schwierig. Neunhoeffer erinnert an die Wahl 2005: „Damals wurden der Union 42 Prozent vorhergesagt, dann wurden es 35. Alle Prognosen haben einen Unsicherheitsfaktor. Unser Hauptziel ist, diese Unsicherheit den Wählerinnen und Wählern auch transparent zu machen.“

1000 Simulationsrechnungen: Das Forscherteam hat deshalb ein kompliziertes Berechnungsmodell entwickelt. „Vereinfacht gesagt: Darin fließen längerfristige Faktoren wie frühere Wahlergebnisse und die aktuelle Umfragen ein. Auf dieser Basis haben wir 1000 Simulationsrechnungen angestellt und berechnet, wer wie oft in den Bundestag gewählt würde“, erklärt Neunhoeffer die Methode.

Die Prognosen: Mit diesem Vorgehen berechnen die Forscher zweierlei. Erstens mit wie vielen Prozentpunkten die Parteien bundesweit rechnen können. Und zweitens die „Einzugswahrscheinlichkeit“ aller Direktkandidatinnen und -kandidaten aller Parteien in jedem der 299 Wahlkreise und auch aller Listenkandidatinnen und Listenkandidaten.

Zwei-Drittel-Chance für SPD

Nach den Berechnungen von zweitstimme.org ist vieles denkbar. Für CDU/CSU seien zwischen 17 und 28 Prozent möglich, für die SPD 20 bis 30 und für die Grünen 12 bis 20. FDP und AfD liegen jeweils zwischen 8 und 15, die Linke zwischen 4 und 9 Prozent, die sonstigen Parteien zwischen 6 und 9.

„Der Bereich gibt an, wo wir das Ergebnis mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf Sechsteln vermuten. Dass ein Ergebnis außerhalb des Bereichs liegt, ist so wahrscheinlich, wie bei einem Würfelwurf eine Sechs zu würfeln. Nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich“, so Neunhoeffer. Das bedeutet: Entschieden ist noch nichts.

Aber: „In zwei Dritteln unserer Modellrechnungen wird die SPD stärkste Kraft. Dass die SPD noch derart krass aufholen würde, hat auch uns überrascht.“ In rund einem Drittel der Berechnungen liegt die Union auf Platz eins. Dass es dorthin die Grünen noch schaffen, sei „sehr unwahrscheinlich“.

Und wie sieht es in den einzelnen Wahlkreisen aus? Eigene Umfragen gibt es hier nicht. Doch laut den Berechnungen von zweitstimme.org können einige Kandidatinnen und Kandidaten hoffen:

Nürnberg Süd/Schwabach

Michael Frieser (CSU): Der Nürnberger ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter und hat dreimal in Folge den Wahlkreis sicher gewonnen. Trotz der aktuell schwachen Umfragewerte seiner Partei ist er Favorit. Seine Chancen, das Direktmandat zu verteidigen liegen bei 58 Prozent. Wichtig zu wissen: Die CSU wird aller Voraussicht nach mehr Direktmandate gewinnen, als ihr nach Zweitstimmen Sitze zustehen. Das heißt: Über die Liste wird es ziemlich sicher kein CSU-Kandidat schaffen, sie müssen ihrer Favoritenrolle gerecht werden und das Direktmandat gewinnen.

Thomas Grämmer (SPD) ist als Direktkandidat nur Außenseiter und auf der bayerischen Landesliste nur auf Platz 31. Da die SPD aber wohl zulegt und der Bundestag wegen der zu erwartenden Überhang- und Ausgleichsmandate noch größer wird, liegt seine Wahlchance bei 48 Prozent. Grämmer wäre damit der erste Schwabacher Bundestagsabgeordnete seit Albrecht Haas (FDP, 1965 bis 1970).

Wer schafft´s in den Bundestag? Die Simulation für Schwabach und Roth

© NN-Infografik

Sascha Müller (Grüne) kann bereits fest planen. „In allen 1000 Berechnungen ist er im Bundestag“, erklärt Marcel Neunhoeffer. Grund: Müller steht auf dem sicheren Listenplatz sechs. Der Grüne wohnt in Nürnberg, ging aber in Schwabach zur Schule und ist Mitglied der Schwabacher Grünen.

Kathrin Flach Gomez (Linke) mit zehn und Marco Preißinger (FDP) mit drei Prozent Einzugswahrscheinlichkeit liegen deutlich dahinter. Matthias Vogler (AfD) steht nicht auf der Landesliste, für ihn errechneten die Forscher null Prozent. Ebenso wie für Sonja Mack (FW), da die Freien Wähler kaum Chancen haben, überhaupt in den Bundestag zu kommen.

Roth/Nürnberger Land

Ralph Edelhäußer (CSU) wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent das Direktmandat gewinnen und erstmals in den Bundestag einziehen. Der bisherige Rother Bürgermeister hat schon deshalb so hohe Chancen, weil der Wahlkreis Roth, der aus den Landkreisen Roth und Nürnberger Land besteht, als sichere CSU-Hochburg gilt, noch deutlich mehr als Nürnberg-Süd/Schwabach.

Sehr gute Aussichten hat auch die in Schwanstetten geborene Kristine Lütke (FDP), die in Eibach wohnt und bald nach Lauf zieht. Sie steht auf Platz 12 der Liste. zweitstimme.org sieht ihre Chance, gewählt zu werden, bei 89 Prozent.

Wer schafft´s in den Bundestag? Die Simulation für Schwabach und Roth

© NN-Infografik

Auch Jan Plobner (SPD) aus Altdorf kann hoffen. Sein Platz 23 auf der Liste wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 82 Prozent reichen.

Für Evelyn Schötz (Linke) aus Schwaig liegt die Chance bei zwei, für Felix Erbe (Grüne) aus Hilpoltstein wegen der schlechten Platzierung auf 40 nur bei einem Prozent. Alle anderen Kandidatinnen und Kandidaten liegen nach dem Berechnungsmodell bei null.

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