Donnerstag, 24.10.2019

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Wie der Reichswald unter der Trockenheit von 2018 leidet

Lichte Kronen, braune Blätter: Der letzte Sommer hat Spuren hinterlassen - 20.06.2019 05:58 Uhr

Braunes Laub, wo es eigentlich hellgrün sprießen sollte: Forstbetriebsleiter Johannes Wurm sorgt sich um die Laubbäume im Reichswald. Diese Buche hat noch Trockenstress vom vergangenen Sommer. © Foto: Eduard Weigert


Der Blick schweift immer wieder Richtung Himmel. Nicht nur, um den dringend benötigten Regen herbeizubeten, sondern um die Kronen der Nachwuchs-Eichen zu begutachten. "Wir stehen hier an einem jungen, etwa 40-jährigen Eichen– und Buchenbestand," erläutert Johannes Wurm beim Blick nach oben. "Wenn man in die Kronen schaut, dann sieht man, dass sie ziemlich licht sind. Das sind einerseits Trockenschäden aus dem vergangenen Jahr, die hat es da erwischt, aber auch der späte Frost aus diesem Frühjahr an den Eisheiligen hat hier zugeschlagen."

Der Förster fürchtet, dass die Feinwurzeln einen Schlag abbekommen haben und das sensible Geflecht die Trockenheit nicht gut verdaut hat. Doch Wurm ist trotzdem vorsichtig optimistisch. "Grundsätzlich kann man sagen, dass die Laubbäume besser an trockeneres Klima angepasst sind als die Nadelbäume, deswegen betreiben wir hier auf der großen Fläche den Waldumbau und pflanzen Eiche und Buche, die zwei wichtigsten Baumarten dafür."

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Doch auch diese robusten Baumarten sind vom Trockensommer 2018 gezeichnet. "Man sieht, dass sie deutlich weniger Zuwächse haben, es ist um die Hälfte weniger als sonst in einem normalen Jahr." Die lichten Kronen sind ebenfalls ein Anzeichen für den Vitalitätsverlust der Bäume, ebenso leicht krüppelige, braune Blättchen am Astende.

Jeder Tag mit Regen hilft den Bäumen

Nach dem knochentrockenen April konnten die Waldbauern im Mai etwas aufatmen, einige Regentage ließen die leeren Wasserspeicher zumindest nicht weiter absinken. "Wir sind bescheiden geworden," meint der Forstbetriebsleiter. "Ein wenig Regen alle paar Wochen, der tut gerade unseren Jungbäumen gut." Rund 100 000 Jungbäume haben die Waldarbeiter auf den 24 000 Hektar Reichswald gepflanzt, doch auch hier kämpfen etliche der kleinen Stämmchen ums Überleben. Wurm ist froh, wenn die Hälfte von ihnen durchkommt.

Er schaut weiter zu einem Bereich, in dem einige mächtige alte Fichten stehen – oder standen. Windwurf hat eine umgehauen, der etwa 100 Jahre alte Baum liegt hingestreckt, die Wurzel ragt mitsamt der Erde einen guten Meter in den Himmel. Wurm nimmt sein Messer und schält Rinde ab, auf der Suche nach Schädlingen. Glück gehabt, das Harz riecht frisch und unter der Rinde ist es hell, keine Fraßgänge. Dennoch muss der Stamm schnell raus aus dem Wald, bevor er befallen wird.

Auf der App für die Forstmitarbeiter sind die kranken Bäume rot eingezeichnet, grau sind Flächen, auf denen alles in Ordnung ist. © Screenshot: App des Forstbetriebs Nürnberg


Wurm nimmt sein Handy und trägt den Baum dort ein. Die Staatsforsten haben seit kurzer Zeit eine spezielle App, die allen Mitarbeitern zugänglich ist und anhand derer genau eingetragen werden kann, an welchem Standort welcher Baum wie bearbeitet werden muss.

Mit roter Farbe werden die Stämme markiert, wo es dringend ist. Ein bunter Flickenteppich, bei dem die Farbe Rot ziemlich dominant ist. "Rot zeigt aktuelle Schadhölzer an, ob Windwürfe, Borkenkäferbefall in der Fichte oder auch Prachtkäferbefall in der Kiefer. Jeder Punkt kann ein Einzelbaum sein oder auch eine ganze Gruppe von Bäumen", erläutert Wurm. "Gelb sind die Punkte, die derzeit schon aufgearbeitet wurden. Gelb mit rotem Rand heißt: Hier ist das Holz schon weg, aber eventuell lohnt sich eine Nachkontrolle."

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Am liebsten wäre ihm eine langweilige graue Fläche: "Grau hier heißt, dass alles aufgearbeitet ist und kein Anlass zur Nachsuche besteht." Doch zurzeit sind seine Leute noch dauernd unterwegs und suchen. Denn die Schädlinge hatten wegen des heißen Vorjahres ideale Startbedingungen und die Populationen waren schon von Beginn an sehr groß.

Alarmsignal für den Fachmann

Nach der nächsten Weggabelung weist Johannes Wurm auf eine Eiche hin, die für den Laien sichtbar nette kleine Triebe mit Blättchen am Stamm hat. Für den Fachmann ein Alarmsignal. "Das sind Wasserreiser, die können anzeigen, dass der Baum Trockenstress hat oder hatte." Kein Grund, den Baum zu fällen, doch ein Anzeichen dafür, wie sich die Trockenheit bemerkbar macht.

Im Boden geht die Feuchtigkeit zumindest schon ein paar Zentimeter in die Tiefe, der sanfte Regen in diesem Frühjahr hat dem Wald geholfen.

Einige Meter weiter steht eine Fichte. Dunkles Harz läuft ihr am Stamm entlang. Ein sehr schlechtes Zeichen. "Hier sind auch schon Spechtlöcher zu sehen, der Vogel sucht den Baum nach Insekten ab, und das Harz zeigt an, dass darunter Schädlinge sitzen." So wird auch dieser Baum gefällt werden, damit die Verbreitung nicht weitergeht. Wieder ein roter Punkt in der App. Johannes Wurm und seine Leute hoffen jetzt auf viel Grau für die nächste Zeit. In der App – und bitte auch in tiefgrauen, regenschweren Wolken.

Sabine Göb

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