Sonntag, 25.10.2020

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Appelhof: Baumeister Biber flutet sehenswerten Stausee

Der Biber steht unter strengem Naturschutz - 14.10.2020 17:23 Uhr

Ein Biber und sein Stausee. Für seine Bauarbeiten benötigt das Nagetier auch Bäume, die später gefällt werden mussten, um den Verkehr auf der benachbarten Staatsstraße nicht zu gefährden.

© Foto: Tobias Tschapka


Lesungen, Ausstellungen, ein Erlebnisort für Kunst und Kultur: Was sollte nicht alles aus dem lange Zeit verwaisten Schlösschen Appelhof bei Allersberg werden. Das war 2015.

Nach einigen – durchaus gut angenommenen – Veranstaltungen wurde es wieder ruhig um das ehemalige Jagd- und Lustschlösschen, das sich im Besitz der Familie Faber-Castell befindet. Nach einiger Zeit der Euphorie verfiel das Schlösschen in unmittelbarer Nähe der Kleinen Roth allerdings wieder in einen Dornröschenschlaf.

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Sie sehen putzig aus, sind aber gefürchtet: Zwei Großnager der Gattung Biber hatten sich in die Schleuse 25 des alten Ludwigskanals bei Mühlhausen verirrt und kamen nicht mehr heraus.


Unterbrochen in jüngster Zeit lediglich durch Geräusche von Motorsägen, mit denen große Bäume – zumeist Pappeln – gefällt wurden. Nicht etwa, weil Faber-Castells Brennholz benötigten. Nein, die Bäume waren bereits von einem Biber bearbeitet worden. Nicht zuletzt, um seinen Damm zu sichern. So entstand zwischen Appelhof und der Autobahnbrücke ein Stausee, dessen Dimensionen sich durchaus sehen lassen können.

Straße gesperrt für Fällarbeiten

Der Stausee störte niemanden, die angeknabberten und teilweise unter Wasser stehenden Laubbäume hingegen schon. Ergo mussten diese gefällt werden, bevor sie zu einer Verkehrsbedrohung geworden wären.

Schließlich führt nicht weit entfernt von der Biberburg die stark befahrene Staatsstraße Allersberg - Hilpoltstein vorbei. "Verkehrssicherheit geht vor", meinte dazu Ingrid Küttinger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Roth. Um die Bäume zu fällen, musste sogar teilweise die Staatsstraße gesperrt werden, fügte sie hinzu.


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Der geschützte Biber, so Ruth Schleicher, ebenfalls von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, sei ein "Pendler", der die Kleine Roth rauf- und runterzieht. Auch in der Nähe der Baumschule Bittner soll das Nagetier schon gesichtet worden sein.

Der Biber steht unter strengem Naturschutz, nicht aber seine Burgen. Wenn das Treiben des Nagers dann doch zu arg ist, wird versucht, dessen Burg, deren Eingang sich stets unter Wasser befindet, unbewohnbar zu machen. Im Falle Appelhof sei das gar nicht so einfach, erklärt Ingrid Küttinger. "Wir wollten von einer Brücke aus Äste aus dem Wasser holen." Ein vergebliches Unterfangen, denn die Gegend um das Biber-Revier sei nahezu unzugänglich.

Land unter im Wald

Der Nager hat einen ganzen Wald unter Wasser gesetzt, nicht gerade zur Freude des Forstbesitzers. "Der Wald ist dann natürlich schlechter zu nutzen", betont Ingrid Küttinger. Trotzdem baut sich kein Widerstand gegen den handwerklich sehr geschickten Nager auf.

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Vor 50 Jahren: Schwedischer Biber-Dame gefiel es nicht im Reichswald

Der Biber war Ende des 19. Jahrhunderts in Europa fast ausgerottet, in Bayern bereits 1858. Hundert Jahre später begann der Bund Naturschutz mit einem Wiederansiedlungsprogramm. 1970 setzten die Naturschützer im Auftrag des Naherholung-Vereins auch ein Biberpärchen im Sebalder Reichswald aus. Doch der erste Versuch ging erstmal schief.


Um die vom Biber gezeichneten Bäume aus dem Wald zu entfernen, waren bei Ortsterminen Vertreter des Staatlichen Bauamts Nürnberg, der Marktgemeinde Allersberg, des Wasserwirtschaftsamtes Nürnberg und der Unteren Naturschutzbehörde zugegen. Das Unternehmen sei ohne große Probleme über die Bühne gegangen; Baumeister Biber scheint der Trubel um seine Person nicht weiter gestört zu haben.

Jedenfalls ist er nach wie vor an seinem aktuell präferierten Standort. Mag sein, dass er im Laufe der Zeit wieder zum Pendler wird und die Kleine Roth auf der Passage zum Rothsee erkundet. Nebst Damm natürlich. Denn ein Biber ohne Burg ist kein richtiger Biber.

HARRY RÖDEL

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