Bewegend. Herzlich. Fränkisch.

Die Stadt Roth bekommt eine neue Marke

29.7.2021, 05:50 Uhr
Stolz auf die neue Rother Stadtmarke: Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Stadtmarketing-Beauftragter Mark Bartholl mit den ersten Motiven unter dem Motto

Stolz auf die neue Rother Stadtmarke: Bürgermeister Ralph Edelhäußer und Stadtmarketing-Beauftragter Mark Bartholl mit den ersten Motiven unter dem Motto "Bewegend. Herzlich. Fränkisch."   © Stadt Roth, NN

"Get branded. Be loved." Oliver Fischer von der Ulmer Werbeagentur Attacke ging bei der jüngsten Rother Stadtratssitzung gleich in die Vollen. Denn erst mit einer Marke ist man wirklich Wer. Was aber ist eine Marke?, fragt er. Wie schätzt sich die Stadt selbst ein? Wie müssen Logo und "Claim" (eine markige Überschrift) sein?

Was fürs Herz und für den Bauch

Die Werte "aktiv, sozial, gastfreundlich und unterschätzt" hatte die Agentur zusammen mit einer Steuerungsgruppe (mit Vertretern der Stadt) bereits ausgearbeitet. "Alle diese Werte sind emotional, nicht rational", sie müssen Herz und Bauch ansprechen. "Sie sollen eine Vision zeigen", erklärte Fischer. Diese Vision führt dann in Claim und Logo zusammen.

Zur neuen Stadtmarke gehören lockere Sprüche und Fotomotive für Herz und Bauch - wie zum Beispiel vom Badespaß im Rothsee.
 

Zur neuen Stadtmarke gehören lockere Sprüche und Fotomotive für Herz und Bauch - wie zum Beispiel vom Badespaß im Rothsee.   © Agentur Attacke, NN

Wichtig sei dann Disziplin: Die Marke muss immer identisch bleiben, für alle Kanäle tauglich sein. Man muss sie durchhalten, nicht aufgeben und damit "halten, was man verspricht". Weiter: Eine Marke brauche Mut. Und die Rother dürfen ruhig selbstbewusst sein. "Understatement ist schön und gut", um aber ein neues Bild von Roth zu zeichnen, "müssen wir deutlich und prägnant sein".

Die Kampagne nannte der Agenturchef dann "emotional voll fränkischem Unterstatement". Und schlüpfte bei der Präsentation gleich selbst ins Wir: "Wir Rother sind stolz auf unsere Heimat. Und alle dürfen gerne spüren, dass dies so ist. Wir bewegen viel an Ideen und viele Menschen. Wir sind herzlich. Und Franken. Und das sagen wir selbstbewusst allen, die uns noch nicht kennen."

Unter drei Vorschlägen hatte die Steuerungsgruppe unter Führung der beauftragten imakomm Akademie den Claim "Bewegend.Herzlich.Fränkisch." als besten ausgesucht. Unter dieser Überschrift warf Fischer einige Slogans zusammen mit Fotos - teils von der Stadt, teils noch als "Dummy-Bilder" - auf die Leinwand: "Sicher gibt's einen Grund, warum sich Nürnberg in Roth erholt", heißt einer davon - daneben das spritzende Rothsee-Nass und hüpfende Badende. Oder: "Nicht ganz das olympische Dorf, aber verdammt nah dran". Auf dem Foto drei Senioren-Athleten im Stadion-Rund, bisher ein Dummy-Foto, später aber bestimmt auf der Tribüne im Rother Triathlonpark. Sehr klein steht darunter: "Um sportlich die ganze Welt zu sehen, muss keiner Roth verlassen. Nicht umsonst kommt zu unserem Challenge die ganze Welt."

Gäste- statt Fremdenzimmer

Ein weiterer Foto-Vorschlag für die städtischen Plakate oder Flyer ist folgender: "Andere Städte haben Fremdenzimmer, wir haben Gästezimmer." Und klein darunter: "Wer nach Roth kommt, bleibt nicht lang allein, und das nicht nur, wenn bei uns der größte Triathlon weltweit stattfindet. Wir haben viele Gäste, die als Freunde wieder abgereist sind. Und wer einmal da war, kommt wieder." Auch die bisherige Stadtmarke kommt auf einem Foto vor: "Ohne Roth wäre die Welt weniger auf Draht."

Auf jedem der Foto-Vorschläge sitzt in der Ecke rechts oben das neue Logo: "Stadt Roth", die Buchstaben bunt und bewegt, als ob sie hüpfen. "Roth ist bunt", erinnerte Fischer an die hiesige Initiative, und die Bewegung gehöre zur Triathlon-Stadt dazu.

Die Kampagne mit Logo und Claim sowie dem Ziel, alle städtischen Einrichtungen (mit ihren bisher unterschiedlichen Logos) einzubinden, kam im Stadtrat gut an. Zur "Geburtsstunde der neuen Stadtmarke" gratulierte Sven Ehrhardt (SPD), sie sei "vorzeigbar, unterscheidbar und hebt sich ab". Man dürfe keine überzogenen Erwartungen daran knüpfen, "aber wenn das Ergebnis hilft, zu einer positiveren Grundeinstellung zu kommen, war es das fast schon wert".

Die Stadt positiver wahrnehmen

Auch Dr. Daniel Matulla (CSU) fühlt sich "mitgenommen" davon, er warb dafür, dass "wir alle unsere Stadt positiver wahrnehmen". Wichtig sei, dass auch Kulturfabrik, Stadtorchester oder Jugendhaus einbezogen werden.

Ebenfalls "froh" ist Richard Radle (Die Grünen), dass es nach zwei Jahren Vorarbeit, Zwischendiskussionen über Details, Kostensteigerungen und (nicht nur coronabedingten) Verzögerungen nun eine "Lösung" gibt. Und Siegfried Schwab (Wählergemeinschaft) gab zwar zu, dass "ich die Begeisterung in mir halten kann" und wohl über die ersten 100.000 Euro hinaus noch einiges an Zeit und Mitteln nötig sein werde. Aber er stimmte ebenfalls zu.

Die einzige Gegenstimme kam von Wolfgang Treitz (Freie Wähler). Ein Alleinstellungsmerkmal sei beim Logo nicht zu erkennen. "Was Sie bieten, kann jede andere Stadt auch haben." Roth aber habe mit dem Schloss Ratibor sehr wohl ein Alleinstellungsmerkmal.

Laut Oliver Fischer war auch das Auffrischen des bisherigen Logos mit Schloss bei der Diskussion in der Steuerungsgruppe im Gespräch, doch die Entscheidung sei dann für das neue Logo gefallen. Als weiteres Argument für die hüpfenden Buchstaben nannte er: "Wer außer Ihnen hier in der Nähe kennt das Rother Schloss?" Und ein letztes: "Wie viele Schlösser gibt es in Bayern? Viele."

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