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Freitag, 27.11.2020

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Geflügelpest: Landkreis Roth in Alarmbereitschaft

Betriebe wappnen sich gegen das gefährliche Virus. - 20.11.2020 11:00 Uhr

Noch dürfen viele Hühner draußen scharren, dass könnte sich schnell ändern, wenn die Geflügelpest den süddeutschen Raum erreicht. 

24.04.2018 © Marianne Natalis


Ende Oktober wurde das für den Menschen eher ungefährliche H5N8-Virus erstmals bei verendeten Wildvögeln in Schleswig-Holstein festgestellt. Erinnerungen an die frühere Vogelgrippe-Wellen wie zuletzt im Winter 2016/2017 werden wach. Damals mussten frei laufende Hühner auch im Landkreis Roth fast vier Monate in Ställen eingesperrt werden, nachdem eine infizierte tote Wildente am Rothsee gefunden worden war.

"Die Gefahr ist groß, dass das Virus auch in den Süden kommt", sagt Roths Veterinäramtsleiter Dr. Ekkehard Kurth. Noch immer seien Wildvögel auf ihrem Vogelzug vom Norden in den Süden unterwegs. Durch den Klimawandel habe sich da wohl vieles verändert.

Kurth will keine Panik verbreiten, aber alle Geflügelhalter sollten vorbereitet sein – auch diejenigen, die vielleicht nur zwei, drei Hühner haben. Alle sollten sich beim Veterinäramt melden und mitteilen, wie viele Tiere sie haben und wie diese gehalten werden. So habe das Amt eine gute Übersicht und könne im Ernstfall schnell reagieren.

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Geflügelpest in Vorpommern: 30.000 Puten wurden getötet

In einem Mastputenbetrieb in Heinrichswalde (Mecklenburg-Vorpommern) ist die Geflügelpest ausgebrochen. 30.000 Tiere wurden getötet, ebenso wie weitere 1000 Tiere von Privatbesitzern im Umkreis von drei Kilometern des Betriebs.


Es seien bereits alle Veterinärämter in Bayern vom Umweltministerium aufgerufen, eine Risikoanalyse zu erstellen. Darin soll festgehalten werden, so Kurth, wo die Geflügelbetriebe in den jeweiligen Landkreisen sind und wie groß das Risiko ist, dass sie mit Wildvögeln in Kontakt kommen. Als Risikogebiete gelten vor allem Gewässer erster Ordnung, sprich größere Seen wie der Roth- und der Brombachsee und der Main-Donau-Kanal, wo viele Zugvögel anzutreffen sind.

Sollte ein Vogel tot aufgefunden werden, könne man schnell lokal reagieren und dann den Betrieben im Umkreis von 500 Metern zu dem Gewässer eine Aufstallungspflicht auferlegen. Dann müsste nicht gleich wieder jeder Betrieb im Landkreis seine Tiere einsperren. Wenn allerdings mehr Tiere an verschiedenen Orten infiziert sein sollten, könnte es auch wieder zu einer landkreisweiten Stallpflicht kommen.


Geflügelpest: 67.000 Legehennen werden getötet


Dann haben vor allem die Betreiber mobiler Hühnerställe ein Problem. Einer von ihnen ist Günther Bub aus Oberreichenbach bei Kammerstein. Er hat drei mobile Hühnerställe mit zirka 800 Tieren, die auf der Wiese umherlaufen können. Aufmerksam verfolgt Bub die Nachrichten und hat sich auch schon einen Plan B überlegt, sollte es zur Stallpflicht kommen. So will er die mobilen Ställe vor seine vier Folienhallen stellen, die für die Pflanzenanzucht im Frühjahr dienen. So wären die Hühner geschützt. "Das ist wie draußen, nur ohne Grün", sagt Bub. Dennoch werde es für die Hühner schwierig, weil sie es nicht gewohnt sind.

Das sieht auch Klaus Hörndler aus Unterbaimbach bei Schwabach so. Man müsse die Tiere beschäftigen, sonst "werden sie sich gegenseitig zerfleischen". Auch Hörndler hat vorgesorgt und mehrere Partyzelte angeschafft, die er an den mobilen Hühnerstall anbringen kann, sodass die Tiere weiter quasi im Freien wären.

Kerstin Hettrich vom Götzhof in Schwabach, die seit diesem Sommer 320 Legehennen in einem mobilen Hühnerstall hält, würde im Ernstfall eine Strohballenburg mit einem Trapezblechdach versehen, sodass die Tiere geschützt sind. Sollte das nicht reichen, gäbe es noch eine Scheune als Ausweichmöglichkeit.

Keine Angst vor einem Ausbruch auf seinem Betrieb hat Hans-Jörg Grießmeier aus Mäbenberg. "Bei uns sind die Hygienemaßnahmen so, dass in den Beständen nichts passieren kann." Seine gut 2000 Legehennen und 6000 Junghennen sind in verschiedenen Ställen untergebracht. Sie können frei herumlaufen und auch bedingt nach draußen in einen "Kaltscharrraum", ein durch Gitter abgetrennter Bereich im Freien. Das A und O seien hygienische Barrieren, so Grießmeier, zum Beispiel die Trennung zwischen Straßen- und Stallkleidung.

In diese Richtung gehen auch die Empfehlungen der Regierung von Mittelfranken. Futter und Einstreu sollten für Wildvögel unzugänglich aufbewahrt werden, keine Essensreste verfüttern und die Ein- und Ausgänge zu den Ställen gegen unbefugten Zutritt sichern. Bleibt die Hoffnung, dass der Ernstfall nicht eintritt.

ELKE BODENDÖRFER

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