Kommunale Biodiversität: Vorbild für Bayern

16.2.2021, 06:00 Uhr
Um sich eine Vorstellung von der Artenvielfalt zu machen. muss man oft ganz genau hinsehen. Hier holt sich ein Schachbrettfalter auf einer Flockenblume auf einer Streuobstwiese in Hilpoltstein seine Nahrung.

Um sich eine Vorstellung von der Artenvielfalt zu machen. muss man oft ganz genau hinsehen. Hier holt sich ein Schachbrettfalter auf einer Flockenblume auf einer Streuobstwiese in Hilpoltstein seine Nahrung.

Ziel ist, ein Flächenmanagement im Landkreis Roth aufzubauen, das bayernweiten Vorbildcharakter haben soll. Das auf drei Jahre angelegte Projekt umfasst erst einmal die Gemeinden Allersberg, Heideck, Hilpoltstein, Röttenbach und Thalmässing. Betreut wird das Projekt von der LBV-Mitarbeiterin Patricia Danel. Dass zunächst nur fünf Landkreisgemeinden daran beteiligt sind, liege daran, so die Biologin, dass diese sich zuerst gemeldet hätten, nachdem das Projekt 2019 im Umweltausschuss des Landkreises vorgestellt wurde. "Mehr als fünf sind in drei Jahren nicht zu schaffen." Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds und vom Landkreis Roth.

Ziel des Ganzen ist die Ausarbeitung einer Handlungsempfehlung für die Gemeinden, damit sie durch gezieltes Management dem Schwund der Biodiversität, sprich Artenvielfalt, entgegenwirken können.

Aber zunächst muss Patricia Danel eine Bestandsaufnahme der betreffenden kommunalen Flächen machen. Es handelt sich dabei um über 3000 Hektar. Das entspricht zirka zehn Prozent der gesamten Gemeindeflächen. Es sind nicht nur land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen sondern auch Wegesränder, Feldraine, Hecken, Waldsäume, innerörtliche Grünflächen, Gewässer und Ufer.


Bio in Bayern boomt - auch dank des Lockdowns


Patricia Danel war in den vergangenen Monaten viel im Außeneinsatz und hat den Ist-Zustand einzelner Kommunen bewertet. Unterstützt wird sie auch vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken, mit dem sie im ständigen Austausch ist, und von der LBV-Kreisgruppe Roth-Schwabach. "Die wissen bereits, wo Schwerpunktgebiete liegen."

Wenn Danel bestimmte Flächen begutachtet hat, erstellt sie nicht nur Karten über den aktuellen Stand, sondern macht sich auch gleich Gedanken darüber, welches Potenzial vorhanden ist.

Gut versteckt

"Manchmal ist da nichts außer einer gemulchten Fläche, wie beispielsweise innerörtliche Grünflächen, was das Einschätzen des Potenzials oftmals erschwert", sagt sie. Aber es gibt auch Trockenwiesen mit Orchideen darauf, die für den Laien oft so nicht erkennbar seien. So freut sie sich immer, wenn sie Stellen findet, wo beispielsweise die gefährdete Sandgrasnelke blüht. Solche Strukturen gelte es zu erkennen und zu schützen.

Der Zustand der Flächen sei sehr unterschiedlich. Manche seien "super gepflegt – manchmal aus Versehen, ohne dass die Flächenpfleger wissen, dass diese Flächen schon entsprechend der Projektziele gepflegt werden". Aus Versehen? Ja, oft sei es besser die Pflege nicht zu ändern. Mulchen schade zum Beispiel der Artenvielfalt. Das Schnittgut werde liegengelassen, es kämen nur noch dominante Arten wie Gräser durch, seltenere Pflanzen würden zurückgedrängt.

Damit spricht die Projektmanagerin gleich den zweiten Schritt nach der Bestandsaufnahme an, nämlich die konkreten Handlungsempfehlungen für die Kommunen.

So steht sie auch regelmäßig im Austausch mit den Gemeinden und deren Bauhöfen. Die Biologin befragt die Mitarbeiter, wie sie arbeiten und gibt ihnen Anregungen.

Hier muss sie noch viel Aufklärungsarbeit leisten, was die Pflege für die Artenvielfalt bedeutet. Wenn Blühflächen beispielsweise vor dem Winter gemäht werden, wird der Produktionszyklus für Insekten unterbrochen. Denn diese überwintern gerne in den Hohlräumen der Pflanzen. Außerdem dienen die stehengelassenen Pflanzen mit ihren Samen den Wintervögeln als Nahrungsquell.

Jetzt im Winter ist Patricia Danel überwiegend im Wald unterwegs und kümmert sich im Büro um die Datenverarbeitung, damit sie für die Gemeinden entsprechende Karten erstellen und Handlungsempfehlungen erstellen kann. Anhand des entstehenden Kartenmaterials könnten sich dann gewisse Korridore abzeichnen und entsprechend gestaltet werden. Dort könnten sich dann die Tier- und Pflanzenarten zurückziehen und wieder weiter ausbreiten.

Im Rahmen des Projekts "Kommunale Biodiversität" gibt die LBV-Mitarbeiterin keine konkreten Empfehlungen für Privatleute, auch wenn natürlich auch derartige Fragen bei ihr landen, die sie gerne beantwortet. Dafür gibt es beispielsweise die am Landratsamt in Roth angesiedelte Kreisfachberatung für Gartenbau und Landschaftspflege.

Nützliche Unordnung

Aber ein paar Tipps hat Danel schon parat. "Jeder Garten, der Unordnung zulässt, tut schon etwas für die Artenvielfalt." Man könnte zum Beispiel nur abschnittsweise mähen und immer blühende Flächen stehen lassen. Auch Brennesselflächen sollten geduldet werden. "Das Tagpfauenauge freut sich darüber."

 

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