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Landkreis Roth: Kommt der dritte Trockensommer in Folge?

Die aktuelle Regenknappheit lässt für die Landwirtschaft Schlimmes befürchten. - 24.04.2020 12:53 Uhr

„Es gab schon über sechs Wochen keine nennenswerten Niederschläge mehr in unserer Region“, sagt Werner Wolf, Chef des Rother Landwirtschaftszentrums. Entsprechend sieht es auf den Feldern aus. Der frische Ostwind der vergangenen Tage hat das Problem sogar noch verschärft.

© Foto: Jürgen Leykamm


"Es gab schon über sechs Wochen keine nennenswerten Niederschläge mehr in unserer Region", gibt Werner Wolf, der Leiter des Rother Landwirtschaftszentrums zu bedenken. "Davor waren wir eigentlich recht gut versorgt", ergänzt Kreisobmann Thomas Schmidt vom Bayerischen Bauernverbandes (BBV).

Böden halten Wasser nicht lange

Der Februar sei "relativ segensreich" gewesen, doch das habe nicht genügt, die Grundwasservorräte wieder aufzufüllen, die sich auf einem recht niedrigen Niveau befunden hätten, so wiederum Wolf. Und es geht noch ärgerlicher: Denn wo das Wasser hinkam, geriet es nicht immer zum Segen. In einigen Tal-Lagen sei der Boden lange zu nass gewesen, erläutert Schmidt. So hätten die Pflanzen nur ungenügend Wurzeln nachgebildet und die kühlen Temperaturen im März deren Wachstum ebenso gehemmt. Das eigentlich zunächst reichliche Angebot an Regenwasser "konnten die Pflanzen deswegen oft nicht nutzen", bedauert Schmidt.

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Und dann war es auch schon wieder weg. Denn weder die Juraböden im Süden noch die sandigen Äcker im Norden des Landkreises können es lange halten. So ist "in der Bestandsentwicklung auf den Feldern nicht viel passiert", weiß der Kreisobmann. "Lückenhafte Bestände sind lückenhaft geblieben!" Vor allem die schwächeren Standorte seien stark in Mitleidenschaft gezogen. Der frische Ostwind verschärfe das Problem noch sehr deutlich. Möglichkeiten großflächiger, künstlicher Bewässerung gäbe es kaum.

Hopfen braucht Wasser im August

Kulturen, die aktuell im Gespräch sind, haben aber nicht unbedingt schlechte Chancen, gibt Schmidt ebenso zu bedenken. Der jetzt bald angeleitete Hopfen spekuliert auf Wasser vor allem im August, für das Wachstum des Spargels hingegen sei vor allem die Temperatur entscheidend. Er könne noch vom Wasser im Boden aus dem vergangenen Jahr profitieren.

Der Kraftsbucher Landwirt behält das Positive noch stärker im Blick: Für die Bodenbearbeitung sei die trockene Witterung natürlich von Vorteil. Die Äcker ließen sich sehr gut befahren, um etwa Mais zu säen. Was die Landwirte in den vergangenen Tagen auch genutzt haben. Auf diese Feldfrucht gilt es heuer erneut zu hoffen. Sie wird spät im Jahr geerntet – und dann nach hoffentlich reichlich Niederschlägen.

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Ganz anders sieht es bei den anstehenden Grünlanderträgen aus. "Die werden recht bescheiden ausfallen", betont Schmidt. Andere Kulturen, zum Beispiel die im März gesäte Braugerste, "ist nur zu einem Teil aufgegangen". Solche Defizite ließen sich nur schwer wieder ausgleichen, selbst wenn nun mehr Niederschläge fallen sollten.

Wie die Entwicklung wirklich vonstatten gehen wird, lasse sich aber noch nicht abschätzen. Doch die Erfahrung lehre, dass sich Getreidebestände nichtsdestotrotz oft auch "erstaunlich gut wieder erholen können". Ganz aktuell beim Raps aber drohe ein betriebswirtschaftliches Fiasko: Die Kosten fürs Dreschen dürften höher sein als der Erlös aus der Ernte. Die Waldbauern indessen müssen bei ihren jungen Bäumchen schon kräftig nachhelfen, wenn aus ihnen trotz Trockenheit noch etwas werden soll. Mit der Gießkanne gilt es da von Pflanze zu Pflanze zu eilen. "Da ist leider jetzt schon ein hoher Ausfall zu verzeichnen", beklagt der Kreisobmann. Man müsse sich aber in unserer Region generell auf "immer ausgeprägtere Trockenheiten einstellen – zwischendurch würden wir uns mal wieder ein feuchteres Frühjahr wünschen." Dem kann auch Werner Wolf nur zustimmen: "Jetzt brauchen wir ganz dringend Wasser, die Natur lechzt danach – es ist der Motor des Lebens und des Wachstums!"

Hohe Erosionsgefahr durch Wind

Nicht zu unterschätzen sei auch die Erosionsgefahr, die der staubige Boden in Verbindung mit dem Wind mit sich bringe, der ihn noch weiter austrockne. Auch die Frostschäden stellten ein Problem dar. Etwa beim Spargel, dessen Spitzen sich dadurch verfärben. Wie die Kirschen die kühlen Nächte überstanden haben, lasse sich erst im Mai abschätzen. Generell sei die Lage recht heterogen. Die Witterung und ihre Auswirkung unterliege auch hierzulande lokalen Besonderheiten, die entscheidend sein könnten.


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Insgesamt aber sei es "ein heftiges Gesamtpaket", das die Bauern derzeit schultern müssten, betont Schmidt. Die Corona-Auflagen gelte es genauso zu erfüllen wie die verschärfte Düngeverordnung. Die Vermarktungswege bei der Milch seien "durcheinandergewirbelt", die Rindfleischpreise befänden sich im Keller. "Von der beschworenen Systemrelevanz spüren wir Bauern nichts", moniert der Kreisobmann. Dennoch sollten die Landwirte in Hab-Acht-Stellung im Dienste der Gesellschaft stehen. Denn zu allem Ungemach drohen nun auch noch Wald- und Flächenbrände. Dass sie Letztere zumindest im kleinen Rahmen mit Wasser aus den Güllefässern löschen können, hätten die Kollegen schon voriges Jahr bewiesen. "Bitte auch heuer daran denken!", appelliert Schmidt.

Es bleibt das Prinzip Hoffnung. Zum Beispiel auf die Wetterdienste, "die vielfach zum Monatswechsel auch einen Wetterwechsel angekündigt haben", wie Werner Wolf trotz allem hoffend in die nahe Zukunft blickt. Vielleicht stimmt es ja, dass der Mai alles neu macht.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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