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Leoni: Das sagt die Region zum möglichen Sparten-Verkauf

Kfz-Zulieferer ist einer der größten Arbeitgeber im Landkreis Roth - 10.07.2019 18:48 Uhr

Das alte Leoni-Werk an der Stieberstraße in Roth gehört zum Unternehmensbereich „Wire & Cable Solutions Division“, genau wie die „Leoni elocab GmbH“ im benachbarten Georgensgmünd. Jetzt bringt der Mutterkonzern einen Verkauf der Sparte ins Gespräch — wie dieser aussehen könnte, ist noch völlig offen. © Foto: Martin Regner


Es ist einer der größten Arbeitgeber der Region – da verwundert es nicht, dass Leonis Mitteilung, so unklar ihre Folgen auch noch sein mögen, große Wellen schlägt. Am Dienstag gab der Konzern die Information heraus, die den Unternehmensbereich "Wire & Cable Solutions Division" betrifft. Von der "Überprüfung der optimalen Eigentümerstruktur" ist dort die Rede. Wie die genaue Lösung aussehen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Optionen seien derzeit ein Verkauf oder ein Börsengang der Sparte, so Leoni-Pressesprecher Sven Schmidt.


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Die Frage nach möglichen Auswirkungen für die Region sei deshalb an dieser Stelle "schnell beantwortet", so Schmidt: Dazu könne man noch keine Aussagen machen. "Die Idee, sich von dem Bereich zu trennen, ist noch ganz am Anfang." Eines sei jedoch klar: Keine der aktuell angedachten Optionen könne "über Nacht" erfolgen, deshalb sei es unwahrscheinlich, dass noch in diesem Jahr etwas umgesetzt werde. Vorerst seien also keine Auswirkungen zu erwarten. Was 2020 passiert, hängt dann natürlich davon ab, wie es mit der "Wire & Cable Solutions Division" konkret weitergeht.

Konsequenzen lassen sich noch nicht abschätzen

Es heißt also abwarten – das gilt auch für die regionalen Politik- und Wirtschaftsvertreter. Nach den aktuellen Entwicklungen bei Leoni gefragt, kommen die Antworten deshalb nur zögerlich und vorsichtig.

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Unsere Bilderstrecke zeigt die größten Arbeitgeber der Region. Sie beschäftigen derzeit etwa 127.000 Mitarbeiter unter anderem an den Standorten Nürnberg, Fürth, Erlangen, Ansbach, Zirndorf, Heroldsberg und Herzogenaurach. Nicht berücksichtigt sind öffentliche Einrichtungen wie Kommunen oder Kliniken.


"Sowas machen größere Firmen öfters. Die Frage ist für mich, ob Leoni die Kabelsparte zum Beispiel selbst an die Börse bringt und das Geld dafür bekommt, oder ob das jemand anderes macht", sagt der Rother Bürgermeister Ralph Edelhäußer (CSU). Und weiter: "Die Konsequenzen für Roth kann man noch nicht abschätzen, das wäre jetzt viel zu früh. Als Bürgermeister hoffe ich, dass der größte private Arbeitgeber in Roth erhalten bleibt – wer auch immer der Eigentümer sein mag."

"Bin guter Dinge"

Das Wort "Hoffnung" gebraucht auch der SPD-Fraktionsvorsitzende im Rother Stadtrat, Andreas Buckreus, in diesem Zusammenhang einige Male: Hoffnung, dass alles schlussendlich bleibt wie es ist, dass die Menschen ihre Arbeitsplätze behalten, dass die Planung für den Standort Roth so weiter geht wie bisher. "Das Schönste wäre, Leoni erholt sich und es bleibt alles, wie es ist."

In Georgensgmünd, wo die Leoni elocab GmbH sitzt, sind optimistischere Töne zu hören. Der dortige Standort sei "sehr spezialisiert und eigenständig", sagt Bürgermeister Ben Schwarz (SPD). "Es laufen derzeit auch Erweiterungspläne für das Werk am Standort Georgensgmünd. Deswegen bin ich guter Dinge, dass unser Standort eine gute Zukunft hat und wir von einem Verkauf nicht negativ betroffen sein werden."

Landrat Herbert Eckstein (SPD) dagegen wägt die Situation ab: "In Roth sind wir ein Kabelstandort. Ein Teilverkauf, um Geld für Investitionen reinzuholen, wäre für mich jetzt kein Weltdrama. Solange die Fäden von Leoni nicht aus der Hand gegeben werden. Falls die ganze Sparte aus dem Konzern herausgelöst werden sollte, würde das die Strukturen hier schon sehr verändern."

"Blick in die Glaskugel"

Dass mögliche Folgen für die Region zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar sind, bringt Thomas Pichl vom Amt für Wirtschaftsförderung des Landkreises Roth auf den Punkt: "Das wäre ein Blick in die Glaskugel. Ich kenne keine belastbaren Zahlen und es wäre unseriös, dann etwas zu sagen." Von der Glaskugel, in die er jetzt nicht schauen möchte, spricht auch Karl Scheuerlein, Geschäftsführer der Rother Unternehmerfabrik: Man wisse noch nichts darüber, welche Schritte geplant seien und welche Folgen diese wiederum haben werden. Solange er keine weiteren Informationen habe, werde er sich dazu auch nicht detaillierter äußern, so Scheuerlein.

Unser Versuch, vor dem Werkstor mit Leoni-Mitarbeitern zu sprechen, scheiterte: Wer Feierabend hatte, fuhr zügig mit dem Auto davon oder gab folgende Antwort: "Dazu darf ich Ihnen nichts sagen."

 

Maria Segat, Martin Regner

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