Konservative und operative Behandlung in Roth

Orthopädie und Chirurgie mit Hand und Fuß - Rother Chefarzt im Interview

Claudia Weinig

Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

3.7.2021, 18:00 Uhr
Laut Dr. Abo Mostafa gibt es nichts Gesünderes als barfuß zu laufen. Nicht nur als Kind. Sondern auch als Erwachsener.

© Kekyalyaynen, obs Laut Dr. Abo Mostafa gibt es nichts Gesünderes als barfuß zu laufen. Nicht nur als Kind. Sondern auch als Erwachsener.

Im Sommer im eigenen Garten buddeln und werkeln; oder wieder mehr als in der kalten Jahreszeit die Joggingschuhe schnüren, um querfeldein zu laufen. Viele Menschen genießen diese Form von Freizeit. Umso schlimmer, wenn einen tagtäglich Schmerzen begleiten, weil jeder Griff, jeder Schritt weh tut. Was tun? Antworten auf diese Frage weiß Dr. Zakaria Abo Mostafa, der hier im Interview und in wenigen Tagen live vor Ort in einem Vortrag auf eines seiner Fachgebiete, die Fuß- und Handchirurgie bzw. Orthopädie eingeht (siehe „Veranstaltungstipp“).


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Herr Dr. Abo Mostafa - wenn man davon spricht, dass etwas „Hand und Fuß hat“, dann ist das ein Synonym für „in Ordnung“. Wer allerdings mit „Hand und Fuß“ zu Ihnen kommt, hat Schmerzen und nichts ist „in Ordnung“. Mit welchen Krankheitsbilder an Füßen haben Sie am meisten zu tun?

In der Fußchirurgie wird der Fuß in drei Abschnitte unterteilt: Vorfuß, Mittelfuß und Rückfuß. Die häufigsten Erkrankungen und Deformitäten (Fehlbildungen), die wir Ärzte in der Sprechstunde sehen, sind im Bereich des Vorfußes; zum einen an der Großzehe. Vielen bekannt ist der ,Hallux valgus“; oder die Hammerzehen-, bzw. Krallenzehenbildung der zweiten und dritten Zehe.

...und was an den Händen?
Da haben wir es oft mit Arthrosen (Gelenkverschleiß) zu tun. Meistens geht es um eine so genannte Rhizarthrose, die am Daumen und speziell am Daumensattelgelenk nahe des Handglenks auftritt. Diese führt im Krankheitsverlauf zu starken Schmerzen und wenn nicht therapiert wird, sogar zu gravierenden Bewegungseinschränkungen.
Das Karpaltunnelsyndrom, das gerade Frauen jenseits der 50 trifft, ist eine häufige Erkrankung der Hand. Hier wird ein Nerv auf Dauer eingeengt. Ein typisches erstes Symptom ist, dass Daumen, Zeige-, Mittel- und zur Hälfte der Ringfinger einschlafen. Auch hier muss unbedingt therapiert werden, soll die Funktionsfähigkeit der Hand erhalten bleiben.

Der Orthopäde in Ihnen setzt wahrscheinlich eher auf die konservative Therapie, der Chirurg auf den direkten Eingriff. Mal ganz grundsätzlich: Wie lassen sich Hände und Füße pflegen im Sinn von, „gesund erhalten“?

Man muss, was die Füße angeht, unterschieden, ob sich eine Deformation im Lauf des Lebens erst entwickelt hat, beispielsweise durch Fehlbelastungen. Oder vererbt wurde.

Die häufigste vererbte Fuß-Fehlbildung ist der sogenannte Knick-Senk-Fuß. Dieser sollte spätestens bei der U9-Untersuchung erkannt werden. Denn je früher bei einem Kind mit einer entsprechenden Therapie begonnen wird, um so erfolgsversprechender und nachhaltiger ist der Einfluss auf den weiteren Wachstumsverlauf. Dieses zeitige Eingreifen ist wirklich wichtig.

Die Therapie reicht hier von Einlagen über Fußgymnastik bis hin zu einfachen operativen Eingriffen, wenn nichts davon anschlägt. Das ist individuell ganz verschieden.

Eigentlich ganz einfach ist es bei von Geburt an gesunden Füßen: Mit passenden Schuhen, die in jedem Alter getragen werden sollten, hat man wirklich gute Chancen, die Füße gesund zu erhalten. Und was man nie vergessen sollte: Unsere Füße sind die Basis für unseren gesamten Körper. Wenn an dieser Basis etwas nicht in Balance ist, hat das Auswirkungen auf den ganzen Menschen.

Sie haben das Thema Schuhe angesprochen. Spielt der Schuh im Erwachsenenalter die selbe wichtige Rolle wie für Kinder, deren Füße noch wachsen und eher formbar sind?

Simpel ausgedrückt: Ein guter Schuh ist derjenige, der den Fuß und das Gangbild am wenigsten beeinflusst; der also am nächsten ans Barfußlaufen, das prinzipiell eigentlich das Beste für unsere Füße ist, herankommt. Das gilt für jedes Alter! In dem Zusammenhang ein gut gemeinter Gesundheits-Tipp für Frauen: Hohe ,Hacken‘ sollten eher die Ausnahme sein als die Regel.
Klar ist auch, dass wir nicht jederzeit barfuß laufen können. Doch das ist das Beste, was wir für unsere Füße tun können! Am besten auf unebener Untergrund; das trainiert Fußsehnen und Muskeln. Ähnliches erreiche ich auch, wenn ich zwischendrin einfach mal auf den Fersen gehe. Oder mit den Zehen etwas aufhebe. Kleine Übungen, die sich gut beim Fernsehschauen oder am Schul- oder Homeoffice-Schreibtisch machen lassen.

Scherze werden auch gerne über Fußballer und ihre O-Beine gemacht. Oder über einen x-beinigen Gang. Kann man diese Diagnosen getrost auf die leichte Schulter nehmen? Und wenn nicht - was tun?

Sie sprechen hier Achsfehlstellung der Beine ein.

Die so genannten X-Beine finden wir vor allem bei Mädchen, während O-Beine eher Jungs ,treffen‘. Hier gilt das selbe wie bei Fuß-Fehlstellungen: Je früher erkannt, umso erfolgreicher eine Therapie.
Entscheidend ist, dass medizinisch geeigneten Maßnahmen unbedingt vor Abschluss des Wachstums eingeleitet werden. Das geht nicht immer ohne Operation ab. Leider.

Aber Eltern sollten bedenken, dass X- oder O-Beine für ihre Kinder spätestens in deren Erwachsenenalter wirklich gravierende gesundheitliche Konsequenzen auf das ganze Skelett haben können.

Dem gegenüber stehen gute Therapieaussichten, wenn operativ mit einfachen Wachstumslenkungsoperationen nachgeholfen wird. Das passiert meistens nach dem zehnten Lebensjahr. Die Operation kann beidseits durchgeführt werden.
Normalerweise zeigt sich schon nach sechs bis neun Monaten eine gute Korrektur der Beinachse.

Hände die zupacken können und genauso feinmotorisch arbeiten können, braucht man in jedem Alter. 

Hände die zupacken können und genauso feinmotorisch arbeiten können, braucht man in jedem Alter.  © 123rf.com, NN

Gehen wir mal von unten nach oben - zu den Händen. Gute Handschuhe spielen hier sicher nicht die wesentliche Rolle wie Schuhe an den Füßen. Dennoch: Kann man irgendetwas tun, um die Funktionsfähigkeit der Hände zu erhalten?

Eine häufige Erkrankung der Hand ist die Sattelgelenksarthrose, die ich vorhin schon erwähnt habe. Diese entsteht meist durch Fehl- und Überbelastung des Daumens aufgrund monotoner Arbeiten.

Wer vielleicht den ganzen Tag mit der Mouse arbeitet, sollte abends an Fingergymnastik denken. Beispielsweise zwei kleine Bälle mit der Hand im Handteller rotieren lassen. Auch das lässt sich, genauso wie einfache Fußgymnastik, nebenbei beim Fernsehschauen gut machen.


Nahe der Rother Kreisklinik gibt es nun auch für psychisch Kranke eine kompetente Anlaufstelle.


In Ihrem Vortrag gehen Sie auf Erkrankungen der Hand ein. Gerade wenn die Feinmotorik verloren geht, ist das eine wesentliche Einschränkung von Lebensqualität. Was sagen Sie Patienten, die beispielsweise keinen Stift mehr richtig greifen können?

Als erstes ist es wichtig, die Ursache und finden und zu behandeln. Nicht selten ist die Ursache ein mechanischer Druck auf einen Nerv.

Das wiederum lässt sich gut behandeln. Ob mit konservativer Therapie oder mit einem kleinen chirurgischen Eingriff. Das muss individuell entschieden werden. Natürlich müssen auch andere Ursachen abgeklärt werden.

Rheuma oder Borreliose können ebenfalls Gelenkschmerzen verursachen. Und eingeschlafene Hände sind manchmal auch die Folgen von Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule. Beispiel hier: ein Bandscheibenschaden im Halswirbelbereich.
Entscheidend ist in diesem Zusammenhang eine genaue klinische Untersuchung, ergänzt durch neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit. Die allermeisten Untersuchungen können wir hier in der Kreisklinik sehr gut machen.

Sie selbst brauchen für Ihre Arbeit ruhige Hände. Gerade bei Operationen. Ist denn bei Ihnen, wenn man rein die Hände betrachtet, jeder Tag gleich (ruhig). Oder gibt es auch da Unterschiede nach Art des Bioryhtmuses?

Keine Frage - als Arzt ist man genauso den äußeren Einflüssen ausgesetzt wie jeder Andere. Wie in jedem Job ist für mich das entscheidende, an die Arbeit zu gehen und mich auf diese hundertprozentig zu konzentrieren. Beim Operieren richte ich meinen Fokus selbstverständlich allein auf Patient und Operation. Und blende alles Andere aus. Wie in jedem anderen Job, spielt auch bei mir die Erfahrung eine wesentliche Rolle.

Veranstaltungstipp

Die Rother Kreisklinik lädt mit Chefarzt und Dozent Dr. med. Zakaria Abo Mostafa am Mittwoch, 7. Juli, 18 Uhr, zu einem kostenlosen Vortrag ins Rother Gesundheitszentrum ein. Thema: „Erkrankungen und Verletzungen der Hand“. Abo Mostafa wird akute und chronische Erkrankungen sowie Verletzungen erläutern und konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten vorstellen. Danach bleibt Zeit und Raum für eigene Fragen. Eine Anmeldung ist erforderlich; unter Telefon (0 91 71) 8 02-5 55, oder per Mail: kurse@kreisklinik-roth.de.

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