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Dienstag, 02.03.2021

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Corona: Schwabach impft jetzt auch barrierefrei

Ausweichmöglichkeit in der Turnhalle des Wolfram-von-Eschenbach-Gymnasiums - 11.02.2021 12:00 Uhr

Barrierefreies Impfen in Schwabach. Die 99-jährige Anna Flock hat von Anna-Maria Schröder (re.) in einer Umkleidekabine der WEG-Turnhalle schon die Spritze erhalten. Ärztin Dr. Sandra Barth packt Impfpass und den Terminzettel für die Zweitimpfung für die Seniorin zusammen. Wiedersehen am 6. März.

11.02.2021 © Foto: Robert Gerner


Anna Flock ist 99 und nicht mehr ganz so gut zu Fuß. "Dieses ganze treppauf, treppab, das hätte ich nicht mehr geschafft", sagt die für ihr Alter beneidenswert rüstige Dame. "Mehr als drei Treppen am Stück gehen nicht mehr." Anna Flock, die nach wie vor alleine zu Hause in ihrer Wohnung nahe des Stadtparks lebt, wäre im Schwabacher Impfzentrum, das im Sportheim der DJK aufgebaut wurde, also durchs Raster gefallen.

Denn dort muss man erst in die Katakomben hinabsteigen und von dort ein paar Meter weiter hoch in den ersten Stock. Und nach der Impfung geht es über eine Außentreppe, die bei den jetzigen Witterungsverhältnissen nicht ganz ohne ist, wieder hinaus ins Freie.

Versprechen eingelöst

Für Oberbürgermeister Peter Reiß (SPD) war immer klar, dass Leute wie Anna Flock nicht im Impfzentrum ihre Corona-Spritze erhalten können. Deshalb hatten er und die Stadt seit dem Impfstart Ende Dezember immer wieder versprochen, man werde die gehbehinderten Seniorinnen und Senioren nicht vergessen.

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Seit gestern nun wird das Versprechen eingelöst. Das mobile Impfteam der Johanniter und Ärztin Dr. Sandra Barth von der Praxis Dr. Rösch haben gleich neben dem Impfzentrum an der Huttersbühlstraße eine Außenstelle eröffnet. Man betritt sie durch den Eingang zur Turnhalle des Wolfram-von-Eschenban-Gymnasiums. Registrierung und Anmeldung im Foyer, sagen wir besser: Flur. Dann nach links abbiegen. Impfgespräch und Spritze in Umkleidekabine 1, Ausruhen in Umkleidekabine 2.

Nur kleine Anlaufprobleme

Anna Flock ist mit der Anmeldung schnell durch. Am Anfang fährt zwar einer der Laptops nicht hoch. Doch Corinna Bauer vom städtischen Rechtsamt springt die paar Schritte hinüber zum richtigen Impfzentrum und holt Ersatz.

Oberbürgermeister Peter Reiß und Stadtrechtsrat Knut Engelbrecht, die zum Start der Außenstelle einen Sprung vorbeischauen, sind zufrieden. "Das ist halt der Vorteil der kurzen Wege."

Schon mal vorausgegangen

Derweil ist Anna Flock mit der Anmeldung fertig. Noch ehe ihr Sohn Hans-Werner den Zettel für den Termin der Zweitimpfung und den Impfpass eingepackt hat, ist die erste Impfkandidatin in der barrierefreien Impfzentrums-Außenstelle schon mit ihrer Gehhilfe in den Flur geeilt und zum Impfgespräch bei Sandra Barth eingetroffen.

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Keine fünf Minuten später hat Anna-Maria Schröder von den Johannitern schon die Spritze gesetzt. Anna Flock verzieht keine Miene. "Kenne ich ja von meinen jährlichen Grippeimpfungen", sagt sie. Flock, die vor Corona noch zur Seniorengymnastik bei den 48ern gegangen ist und nach wie vor täglich in ihrer Wohnung ihren Seniorensport macht, steht auf und nimmt in der anderen Umkleidekabine Platz. Sie ruht sich aus und erzählt.

Rund 150 Namen auf der Liste

Sie erzählt, wie sie sich telefonisch für die Impfung angemeldet hat. Dass sie gleich gesagt habe, dass das mit dem DJK-Sportheim nicht mehr für sie in Frage komme.

Anna Flocks Name landete so auf einer Liste, auf der nach Schätzung von Corinna Bauer inzwischen rund 150 Namen von Impfwilligen aus der Prioritätengruppe 1 stehen, die körperlich so eingeschränkt sind, dass ihnen das nicht barrierefreie Impfzentrum nicht zugemutet werden kann. Die ersten von dieser Liste haben Corinna Bauer und ihre Kollegen vergangene Woche kontaktiert und Termine im WEG vereinbart.

Im Zehn-Minuten-Takt kommen die Seniorinnen und Senioren herein. 45 sind es insgesamt an diesem Tag. Das mobile Impfteam würde auch mehr schaffen. Aber für mehr gibt es an diesem Tag nicht genug Impfstoff.

Nächste Woche geht es weiter

Deshalb wird es weitere Impftermine hier geben, den nächsten laut Corinna Bauer schon nächste Woche, so denn die angekündigten Impfstoff-Lieferungen auch eintreffen.

Anna Flock wird auch bald wieder vorbeischauen. Am 6. März hat sie ihren Zweitimpfungs-Termin. Dann allerdings ohne Presse, ohne Stadtrechtsrat und auch ohne Oberbürgermeister. Doch Peter Reiß wird sie ohnehin bald wiedersehen. Im August wird sie nämlich: 100.

ROBERT GERNER

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