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Montag, 27.01.2020

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Ein bisschen Guttenberg im Rondell

Die Idee mit der überdimensionalen Nadel ist alles andere als neu, aber: besser gut geklaut als schlecht erfunden - 15.06.2013 08:12 Uhr

Déjà vu: Künstlerin Isolde Kunath mit einer ihrer Nadeln in Erlangen ... © De Geare und Schmitt


Künstler Wolfgang Auer aus Friedberg hat seinen Entwurf als Modell vorgestellt. Es soll eine überdimensionale Nadel mit einer Goldkugel obendrauf werden (Goldkugel wird neues Symbol für O’Brien-Park). Ganz so, wie die Stecknadeln mit den farbigen Köpfchen, nur eben ein paar Nummern größer.

Helge Lammers wohnt zwar jetzt in Roth, hat aber einige Zeit in Schwabach gelebt, weshalb ihn Nachrichten aus der Stadt noch interessieren. Er arbeitet in Erlangen für den Kunststoff-Verarbeiter Rehau. Und hier schließt sich der Kreis nach Schwabach.

... und Wolfgang Auer neben Oberbürgermeister Matthias Thürauf mit dem Modell seiner Nadel für Schwabach.


Elfjährige Nadeln in Erlangen

Die Firma Rehau hat nämlich zum Jubiläum „1000 Jahre Erlangen“ anno 2002 Kunstwerke der Erlanger Künstlerin Isolde Kunath gesponsert: Riesennadeln mit einer Länge von 5,80 Metern und einem roten Kopf mit einem Meter Durchmesser. Gut, die Maße stimmen nicht ganz, denn die Riesennadel mit Goldköpfchen in Schwabach soll drei Meter hoch werden plus eine drei Meter große Kugel obendrauf. Aber sonst … die Parallelen sind auffällig. Erschreckend auffällig.

„Das ist ein Plagiat“, stellt Helge Lammers fest, „die Idee ist schlicht und ergreifend älter.“ Vielleicht könnte man auch etwas freundlicher formulieren und von Kunst-Recycling sprechen? Nein, Helge Lammers bleibt hart: „Wir regen uns über Guttenberg auf … und dann sowas!“

Und richtig lachen musste Helge Lammers, als er las, wie Künstler Wolfgang Auer zitiert wurde mit den Worten: „Ich habe so viel rumgewälzt und ausgefeilt und immer auch Feedback von meiner Frau bekommen.“ Für ihn ist das schon beinahe ein Geständnis.

Zufällig schräg

Die Goldkopfnadel soll übrigens schräg in den Kasernen-Kreisel gepinnt werden. Auch die Erlanger Nadeln waren nicht senkrecht in den Boden gerammt. So ein Zufall aber auch!

Für so etwas würde Samsung Apple verklagen und vor Gericht locker ein weltweites Verkaufsverbot erwirken. Aber Erlangen ist nicht Samsung, und Schwabach ist nicht Apple. Und es geht auch nicht um ein „i-phone“ oder ein „Galaxy“. Aber das Prinzip ist dasselbe: Besser gut geklaut als schlecht erfunden.

Exklusiv ist der Preis

Vielleicht noch ein Wort zu den Kosten: Für 16 Nadeln hat die Sponsoren-Firma Rehau damals 100000 Euro bezahlt. Die Stadt Schwabach kostet das eine Nadel-Kunstwerk 44500 Euro. Ein Schnäppchen ist das nicht. Aber es war halt schon immer etwas Besonderes, obenrum Gold zu tragen.
 

GUNTHER HESS

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