Bundestagswahl

Mehr als jeder Zweite wird ein Briefwähler sein

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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16.9.2021, 11:00 Uhr
In Schwabach hat schon fast die Hälfte aller 29889 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt. In den meisten Kommunen im Landkreis Roth liegt die Quote ebenfalls zwischen 40 und 50 Prozent.

In Schwabach hat schon fast die Hälfte aller 29889 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt. In den meisten Kommunen im Landkreis Roth liegt die Quote ebenfalls zwischen 40 und 50 Prozent. © Oliver Berg, dpa

Allerdings bringt das die Kommunen vor Ort bisweilen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Ohne einen externen Dienstleister könnte man es gar nicht schaffen, alle beantragten Briefwahlunterlagen zu den Wählerinnen und Wählern zu bringen, sagt zum Beispiel Karin Welsch vom Wahlamt der Stadt Hilpoltstein. "Obwohl hier im Rathaus wirklich alle zusammenhelfen."

Die Burgstadt ist mit rund 14000 Einwohnern und 10760 Wahlberechtigten die drittgrößte Kommune im Landkreis Roth. Bis Montagmittag waren 4680 Briefwahlunterlagen beantragt und verschickt. Das entspricht schon jetzt einer Quote von 43,5 Prozent. Karin Welsch geht davon aus, dass Hilpoltstein am Ende bei 5500 bis 6000 Briefwählern landen werde. Unterlagen hätte man für bis zu 7000 Interessenten. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl 2017 waren insgesamt "nur" 3117 Briefwähler registriert worden.

Der große Ansturm hat auch Folgen beim Zuschnitt der Wahllokale. Drei Wahllokale in kleineren Ortsteilen sind nicht mehr am Start. Es gibt jetzt "nur" noch 15 physische Wahllokale. Darüber hinaus wurden zehn Briefwahlbezirke gebildet, mehr als je zuvor. Und die jeweils sechs Wahlhelfer in jedem dieser Briefwahlbezirke haben am 26. September trotzdem noch eine große Menge an Stimmen auszuzählen.

Zahl der Briefwähler? Fünfstellig!

Über die absoluten Zahlen aus Hilpoltstein kann eine 41000-Einwohner-Stadt wie Schwabach natürlich nur müde lächeln. Hier hatten Ende vergangener Woche schon über 13000 der 29889 Wahlberechtigten die Unterlagen angefordert. Über das Wochenende kamen weitere 700 Anträge hinzu. Aktuelle Quote: 45,8 Prozent.

Die schiere Masse an Anträgen sorgte dafür, dass es auch hier mitunter eng wurde. Deshalb hat die Stadt darauf hingewiesen, dass man sich durchaus ans städtische Wahlamt wenden soll, sollten die seit über einer Woche beantragten Unterlagen noch nicht im heimischen Briefkasten gelandet sein: (09122) 860-398 oder wahlamt@schwabach.de

Wahlamtsleiter Stefan Öllinger hat auf die riesige Nachfrage nach der Briefwahl reagiert. Die Zahl der Urnen-Wahlbezirks wurde im Vergleich zu 2017 von 41 auf 26 reduziert. Dafür gibt es jetzt 21 statt 14 Briefwahlbezirke.

Kein Stadt-Land-Gefälle

Bei der Quote der Briefwähler gibt es im übrigen kein großes Stadt-Land-Gefälle. Nachgefragt in Schwabachs Nachbarort Kammerstein, mit gut 3000 Einwohner kleinste Gemeinde im Landkreis Roth. 2300 Frauen und Männer haben dort am 26. September das Recht mitzuhelfen, mit ihren beiden Stimmen den nächsten Bundestag zusammenzusetzen. Gut 1000 dieser 2300 Wahlberechtigten hatten bis Montagmittag die Briefwahlunterlagen angefordert. Quote: 43,5 Prozent - exakt die gleiche wie im oben erwähnten Hilpoltstein.

Thomas Lechner, Geschäftsleiter im Rathaus, geht davon aus, dass man die 50 Prozent erreichen wird und appelliert an die Briefwählerinnen und Briefwähler eindringlich die Anweisungen zu befolgen, welche Zettel in welchen Umschlag zu stecken sind. "Sonst läuft man Gefahr, dass die Stimmen ungültig sind", so Lechner.

Obwohl die Zahl der Briefwähler stark steigt, hat man in Kammerstein diesmal noch alles beim alten belassen. Das heißt: drei Urnen-Wahlbezirke in Kammerstein, Barthelmesaurach und Volkersgau sowie zwei Briefwahlbezirke.

Allerdings: Sollten ins Volkersgauer Wahllokal am 26. September weniger als 50 Wählerinnen und Wähler kommen, um vor Ort ihre Stimme abzugeben, dann passiert zweierlei: Die Stimmen können nach Schließung der Wahllokale nicht mehr vor Ort ausgezählt werden, sondern müssen nach Kammerstein oder Barthelmesaurach gefahren werden und dort vor der Auszählung mit den dort abgegebenen Stimmen gemischt werden. Alleine, um dem Wahlgeheimnis genüge zu tun.

Außerdem müsste sich der Kammersteiner Gemeinderat in der Folge Gedanken machen, ob Volksgau auf Dauer noch physisches Wahllokal bleiben kann, wenn immer mehr Menschen die Briefwahl bevorzugen. "Es kann also sein, dass es irgendwann einmal nur noch zwei Wahllokale in Kammerstein und Barthelmesaurch gibt, aber dafür drei Briefwahlbezirke", sagt Lechner.

Demnächst über 50 Prozent

Ortswechsel, vom Nordwesten des Landkreises in den Nordosten, nach Wendelstein. Dort gibt es heuer doppelt so viele Briefwahlbezirke (12) als klassische Wahllokale (6). Bis Montagnachmittag hatten 5949 der 12534 Wahlberechtigten die Briefwahlunterlagen angefordert (47,5 Prozent).

"Sowohl das eine wie das andere ist Rekord, im positiven wie im negativen Sinn", sagt Norbert Wieser vom Wendelsteiner Bürgermeisteramt.

Eine der ersten Gemeinden, bei denen die Zahl der Briefwähler die 50-Prozent-Marke der gesamten Wahlberechtigten übersteigt, dürfte Rednitzhembach werden. Bis Montagnachmittag hatten 2683 der 5460 Wahlberechtigten (49,1 Prozent) ihre Briefwahlunterlagen beantragt. Wahlleiter Norbert Schinkel hat für die Bundestagswahl nur noch drei Urnenwahlbezirke (alle im Gemeindezentrum), aber gleich neun Briefwahlbezirke (alle in der Schule) gebildet.

Niedrigste Quote in Roth

Ein paar Kilometer weiter südlich, in der Kreisstadt Roth, ist nach der Wahl möglicherweise schon wieder vor der Wahl. Sollte Bürgermeister Ralph Edelhäußer (CSU) nämlich als Direktkandidat des Wahlkreises Roth (Kreis Roth und Nürnberger Land) in den Bundestag gewählt werden, stünde in der Stadt in wenigen Monaten schon wieder ein Urnengang (beziehungsweise eine Briefwahl) an, die für einen neuen Rathauschef beziehungsweise eine neue Rathauschefin.

Bis es soweit ist, muss die Verwaltung aber zunächst einmal die Bundestagswahl stemmen. Sie tut das mit 23 Urnen- und 14 Briefwahlbezirken sowie mit 296 Wahlhelferinnen und Wahlhelfern. Es sei "nicht ganz einfach, für dieses wichtige Ehrenamt genügend Freiwillige zu finden", so die städtische Pressesprecherin Viola de Geare. Die hohe Zahl von Briefwahlbezirken wird aber auch in Roth gebraucht, denn bis Montagnachmittag hatten 7341 der 18815 Wahlberechtigten (39 Prozent) Briefwahl beantragt.

Schon seit vielen Jahren Schlusslicht

Warum diese Quote in Roth zwar hoch ist, aber doch ein Stück niedriger als in umliegenden Gemeinden oder in Schwabach, dürfte daran liegen, dass die Kreisstadt schon seit vielen Jahren regelmäßig bei Wahlen eine vergleichsweise niedrige Beteiligung hat. Unter den Landkreis-Gemeinden ist sie diesbezüglich meist Schlusslicht.

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