Trotz leichter Entspannung: Fürth ist noch Hotspot

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Andreas Dalberg

FN-Redakteur

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21.1.2021, 18:43 Uhr
Eine Pflegekraft bereitet sich auf der Intensivstation darauf vor, ein Patientenzimmer zu betreten.

Eine Pflegekraft bereitet sich auf der Intensivstation darauf vor, ein Patientenzimmer zu betreten.

Seit Weihnachten kämpft das städtische Altenpflegeheim mit dem Coronavirus. Von den 79 Bewohnern sind 22 verstorben. Vier werden derzeit im Krankenhaus behandelt, weitere vier sind in andere Einrichtungen verlegt worden. Von den 49, die aktuell im Haus sind, infizierten sich in den vergangenen Wochen 33.


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Es herrscht „Ausnahmezustand“, berichtete Sozialreferentin Elisabeth Reichert nun im Stadtrat. Es gelinge noch nicht, „Stabilität herbeizuführen“. Unklar sei, ob eine Virus-Mutation mit höherer Infektiosität eine Rolle spiele. Das werde untersucht.

Obendrein fallen viele Mitarbeiter aus, weil sie nach einem positiven Coronatest in Quarantäne müssen.

Zwölf-Stunden-Schichten im Altenpflegeheim

„Wir haben große Probleme, die Fachkräftequote zu erfüllen. Wir müssen uns auf die Grundpflege konzentrieren.“ Und das, obwohl die Heimleitung mit ihrem Team professionell und konsequent arbeite, seit Wochen in Zwölf-Stunden-Schichten.

Auch wenn die Lage im Stiftungsaltenheim sehr angespannt ist: Die Gesamtsituation der Senioreneinrichtungen in Fürth ist laut Rechtsreferent Mathias Kreitinger deutlich positiver. In neun der 14 Alten- und Pflegeheime im Stadtgebiet sind demnach Bewohner wie Personal „komplett geimpft“. Bis Ende Januar, stellt Kreitinger in Aussicht, sollen in allen Einrichtungen die Erstimpfungen abgeschlossen sein; zum Teil laufen schon die Zweitimpfungen.


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Von den bislang 4714 Impfungen in der Stadt und im Landkreis Fürth fanden 2414 in Heimen statt. Kreitinger: „Bei der vulnerabelsten Gruppe sind wir auf einem guten Weg.“

Noch in dieser Woche sollen die Informationsschreiben an die Über- 80-Jährigen in Stadt und Landkreis verschickt werden. Da rund 15.000 Menschen dieser Altersgruppe in Fürth leben und viele von ihnen das Impfzentrum telefonisch zu erreichen versuchten, gab es laut Kreitinger eine Zeitlang Schwierigkeiten, dort durchzukommen. Zwar seien seit dieser Woche die Kapazitäten deutlich aufgestockt worden, auch bei der Terminvergabe. Dennoch werde man bei einem Anruf „nicht immer ein Freizeichen haben“.

Im Klinikum hat sich die Situation laut Kreitinger leicht entspannt. Aktuell sind „im Covid-Bereich“ noch 40 Betten auf der Normalstation belegt, weitere neun auf der Intensivstation. 595 Impfungen fanden bislang im Klinikum statt; dort sind mittlerweile erste Dosen des Moderna-Impfstoffs eingetroffen.

Auch wenn die Stadtverwaltung von einem „gelungenen Start“ des Impfzentrums spricht: Es mangelt an Impfstoff. Gerade in puncto Schutz älterer Bürger sei dies „verheerend“, sagte Oberbürgermeister Thomas Jung und sprach von einem „europäischen Versäumnis, das jetzt bitter bezahlt werden muss“.

Linke fordern vergünstigte Taxifahrten

Denn Fürth ist weiterhin Hotspot. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 189,9. Positiv zumindest: Dieser Wert liegt den vierten Tag in Folge unter 200 – nach insgesamt sieben Tagen werden Hot-Spot-Beschränkungen wie die Restriktion auf einen 15-Kilometer-Radius aufgehoben.

Angesichts der ansteckenderen Corona-Mutante, die sich auch hierzulande ausbreiten könnte, plädierten die Linken im Stadtrat dafür, dass die Stadt eine eigene Corona-Strategie entwickelt, die die Bund-Länder-Beschlüsse ergänzt. Mögliche Maßnahmen: vergünstigte Taxifahrten für Risikogruppen oder mehrsprachige Informationen über Corona-Maßnahmen in der Stadtzeitung.