Samstag, 23.01.2021

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Der Karlsgraben soll wieder glänzen

Bislang wird das Bauwerk unter Wert verkauft, sagt eine Machbarkeitsstudie - 28.11.2020 06:40 Uhr

Bisher unter Wert verkauft: Der Karlsgraben war eine der größten Baustellen des Frühmittelalters und fristet touristisch trotzdem eher ein Schattendasein. Das soll sich in naher Zukunft ändern. Die Städte Treuchtlingen und Weißenburg wollen gemeinsam eine neue Art der Präsentation in der Landschaft versuchen.

27.11.2020 © Foto: Dietmar Denger/Naturpark Altmühltal


Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Bürgermeister stellte man die Machbarkeitsstudie vor. Die hat 140 Seiten und kommt zu einem klaren Ergebnis. Der Karlsgraben wird unter Wert verkauft.


Neue Präsentation für den Karlsgraben


In keiner der touristischen Entwicklungsstrategien spielt das Bauwerk eine größere Rolle. Selbst in Treuchtlingen, wo die Reste des Bauwerks im Ortsteil Graben am deutlichsten zu sehen sind, wird das Thema stiefmütterlich behandelt.

Das kleine, halb-privat betriebene Museum in Graben wird mit Leidenschaft, aber ohne Investitionen betrieben. Die Ausstellung ist im Kern seit rund 30 Jahren nicht überarbeitet. Zuletzt wollten nur noch wenige Hundert Menschen pro Jahr die Ausstellung sehen.

Eines der schönsten Geotope

Ein Armutszeugnis, wenn man bedenkt, dass der Karlsgraben zu einer der 100 schönsten Geotope Bayerns gekürt wurde und zudem die größte Baustelle des frühen Mittelalters war. In Auftrag gegeben von einem der strahlendsten Herrschergestalten der deutschen Geschichte.

Karl der Große gab 793 das Kommando zum Spatenstich und schaute auch persönlich an der Baustelle vorbei. Handelte es sich doch um ein Infrastrukturprojekt der Superlative. Ein wenige Kilometer langer künstlicher Kanal sollte eine schiffbare Verbindung zwischen Altmühl und Rezat schaffen.

Damit hätten sich zwischen Weißenburg und Treuchtlingen die beiden Flusssysteme Donau–Schwarzes Meer und Rhein–Nordsee berührt. Tausende von Menschen müssen hier per Hand über Jahre zigtausende von Kubikmetern Erde bewegt haben.

Bilderstrecke zum Thema

Forschungsbohrungen am Karlsgraben

Die Geologen vom Landesamt für Umwelt haben am Karlsgraben 30 Meter tief in die Erde bohren lassen und wollen nun herausfinden, wie die Gegend vor Jahrmillionen ausgesehen haben könnte.


Als wie bedeutend man dieses Unterfangen heute noch einschätzt, zeigt das archäologische Großprojekt der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG), das ab 2011 mit großem Aufwand den Karlsgraben in den Blick nahm. Die sechsjährigen Ausgrabungen waren auch der Anlass, dass die beiden Städte nun Handlungsbedarf sahen. In vielen Bereichen ergaben sich neue Erkenntnisse.

Zu denen gehört wohl auch, dass der Karlsgraben zwar ein extrem ehrgeiziges Projekt war, am Ende aber wohl scheiterte. Zumindest fehlt immer noch ein Nachweis für die Anbindung an die Altmühl. Aber das letzte Wort muss hier noch nicht gesprochen worden sein.

Ein Beispiel für eine moderne und anschauliche Art der Wissensvermittlung in der Landschaft. Die Freiluftinstallation in Eibelstadt. Die Studie für den Karlsgraben führt sie mit einigen anderen an, um einen optische Eindruck zu vermitteln.

27.11.2020 © Foto: Frankenkonzept


Bei der Neupräsentation will man nun weg vom klassischen Museum mit Eintritt und hin zu einem "Heritage Interpretation Center". Das ist vor allem im angelsächsischen Bereich verbreitet und eine Art zugänglichere Alternative zum Museum. Sie bezeichnet eine freiere, weniger faktengetriebene Art der Wissensvermittlung, die unter anderem auf Beteiligung der Besucher setzt.

Überregionale Strahlkraft

Die Firma Frankenkonzept schlägt für den Karlsgraben vor, drei große Module an Originalschauplätze zu stellen. Mit anspruchsvoller Gestaltung sollten sie entlang des rund vier Kilometer langen Bodendenkmals verschiedene Aspekte des Karlsgrabens darstellen und spielerisch erlebbar machen.


Treuchtlingen und Weißenburg kaufen den Karlsgraben


Dabei will man sich nicht nur auf die Karolinger, Karl den Großen und die Geschichte des Baus konzentrieren, sondern auch die Gegenwart des Grabens als ökologisch sehr wertvolles Biotop beleuchten. In dieser Kombination aus Archäologie, Geologie und Ökologie sieht man ein Alleinstellungsmerkmal, das deutlich überregional ausstrahlen könnte.

Ein "Meisterwerk der mittelalterlichen Ingenieurskunst" sei der Karlsgraben gewesen, schwärmte Treuchtlingens Bürgermeisterin Kristina Becker (CSU) bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie. "Das, was wir jetzt machen wollen, wird dem sicher eher gerecht." Ihr Vorgänger Werner Baum hatte das Projekt gemeinsam mit Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel (SPD) aufs Gleis gesetzt.

Investitionen von einer Million Euro stehen im Raum

Der freute sich nun über die gute kommunale Zusammenarbeit und lobte, dass die Studie "kein Wolkenkuckucksheim" enthalte. Am Ende müssten die Ideen auch bezahlt werden, und in den kommenden Jahren werde es finanziell eher schlechter als besser, so der Weißenburger Oberbürgermeister. "Für uns wird die Frage der Zuschüsse eine sehr wichtige Rolle spielen", stellte auch Kristina Becker fest.

Das Europäische Leader-Programm oder Mittel aus Denkmaltöpfen könnten geeignete Fördermöglichkeiten sein. Rechnet man die in der Studie genannten Kostenbeispiele grob für die Vorschläge in Graben um, könnte ein Investitionsvolumen von rund einer halben Million Euro stehen. Abzüglich der Fördermittel und aufgeteilt auf die beiden Städte Weißenburg und Treuchtlingen.

Bilderstrecke zum Thema

Unterwasser-Archäologen unterwegs auf Karlsgraben und Altmühl

Wie und wo schipperten Franken und Römer über die Altmühl - oder sogar über den Karlsgraben hin und her zwischen Rhein und Donau? Archäologen und Geowissenschaftler versuchen diese Frage schon seit Jahren verlässlich zu klären.


Die Planungen stehen allerdings unter Vorbehalt. Es gelte jetzt die Ideen aus der Studie zu konkretisieren, einen Landschaftsplaner zu beauftragen und einen Kostenrahmen zu ermitteln, erklärte Dr. Marlit Bauch, Leiterin des Informations- und Umweltzentrums Naturpark Altmühltal.

Dann müssen die beiden Stadträte in Treuchtlingen und Weißenburg zustimmen. In einer ersten Informationssitzung, in der Vertreter beider Stadträte waren, habe es keine negativen Stimmen gegeben, so Schröppel und Becker übereinstimmend. 2022 könnte es im besten Falle losgehen.

JAN STEPHAN

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