Sonntag, 11.04.2021

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Eine neue Fabrik im Weißenburger Industriegebiet

Für ihr Unternehmen Jesch Industrielackierungen will die Eckerle Gruppe aus Beilngries einen neuen Betrieb in Weißenburg errichten. - 07.03.2021 06:00 Uhr

Planen ein neues Werk in Weißenburg: Klaus Jesch (links), Geschäftsführer von Jesch Industrielackierungen, und Franz Eckerle, Chef der Eckerle Unternehmensgruppe aus Beilngries, zu der die Firma Jesch seit 2018 gehört.

05.03.2021 © Foto: Robert Renner


"Es hat sich angeboten", sagt Franz Eckerle. Der Unternehmer meint damit den Zusammenschluss seiner Firma in Beilngries mit Jesch Industrielackierungen in Weißenburg. Jetzt soll für Jesch ein neues Werk im Gewerbegebiet West II unmittelbar neben LVK Landtechnik Vertrieb Kamm entstehen.

Übernommen hat Eckerle den Weißenburger Lackierspezialisten bereits 2018, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Das habe auch nicht groß publik gemacht werden müssen, ihn ziehe es nicht so in die Öffentlichkeit, meint der Unternehmer bescheiden im Beisein von Klaus Jesch, der nach wie vor Geschäftsführer der Industrielackiererei ist. Viel wichtiger sei, dass der Betrieb laufe.

Gute Zeiten trotz schwieriger Branche

Und das tut er. "Wäre Corona nicht gewesen, wäre 2020 das beste Jahr in unserer Firmengeschichte geworden", sagt Eckerle. Aber die Pandemie und ihre Folgen hätten der Eckerle Gruppe "die Bilanz verhagelt". Dennoch: Eine schwarze Null sei trotz aller Widrigkeiten gelungen. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, und bei Jesch wurde sogar erst wieder Personal eingestellt. "Wenn es wieder läuft, sind wir guter Dinge", blickt der Unternehmer auf die Zeit nach dem Lockdown.


Der letzte ganz große Neuzugang im Gewerbegebiet


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Dass es so gut läuft, ist beachtlich in der schwierigen Branche der Automobilzulieferer. Doch Eckerle setzt bewusst – ebenso wie Jesch – auf Qualität. Und auch damit hängt der Zusammenschluss der Unternehmen zusammen. Denn nun bietet die Eckerle Gruppe alles aus einer Hand.

Für die gute Optik zuständig

Hergestellt werden "sehr anspruchsvolle Teile", wie Eckerle und Jesch schildern. Es sind sogenannte A-Sichtteile. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um jene Teile, die mit ihrer Optik die Innen- oder Außenansicht eines Autos optisch aufwerten, beispielsweise Chromkomponenten, Hochglanzteile oder auch Zierstücke in Edelholzoptik. Hier werden an die Hersteller höchste Anforderungen gestellt. Und die Eckerle Gruppe hat in der Produktion alle Schritte selbst in der Hand – was ein großer Vorteil ist.

Es beginnt mit dem Formen- und Werkzeugbau, der – wenn man so will – Keimzelle des Unternehmens (siehe Kasten zur Firmengeschichte). Zunächst werden die Formen und Werkzeuge für die Fertigung der Teile in der Eckerle GmbH Formenbau + Werkzeugbau gefertigt. Sie kommen dann bei der Eckerle Spritz- + Laserschweißtechnik GmbH & Co. KG zum Einsatz, wo die Teile im Spritzgussverfahren hergestellt werden. Hernach kommt die Jesch Industrielackierungen GmbH & Co. KG ins Spiel, die die gefertigten Stücke mit qualitativ hochwertigen Lacken veredelt.

"Neue Märkte erschlossen"

"Es gibt nicht viele, die dieses breite Spektrum anbieten können", unterstreicht Eckerle. Die Konstellation mit den drei Unternehmen habe ihnen "neue Märkte geöffnet". Und das sei wichtig, nicht zuletzt mit Blick auf die Wettbewerber aus Osteuropa. Kunden von Eckerle und Jesch sind übrigens nicht die Automobilbauer selbst, sondern große Systemlieferanten wie Plastic Omnium, Rehau oder andere.

Auf diesem Grundstück in der Nordostecke des Gewerbegebiets West II soll der Neubau für Jesch Industrielackierungen entstehen. Ab diesem Jahr wird ein Teil des Geländes erst einmal genutzt, um die räumliche Enge auf dem Firmengelände an der Dettenheimer Straße zu beheben. Nächstes Jahr laufen vor allem Planungen und Genehmigungen. Im Frühjahr 2023 soll mit dem Bau begonnen werden.

05.03.2021 © Foto: Adam Renner


Um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben, soll nun eine moderne Lackiererei im Gewerbegebiet West II entstehen. "Priorität eins ist, die 80 Arbeitsplätze von Jesch in Weißenburg zu erhalten", unterstreicht Eckerle. In weiteren Schritten sollen 20 weitere Stellen hinzukommen.

Zwölf-Millionen-Euro-Investition

Insgesamt will sein Unternehmen dazu zwölf Millionen Euro am Standort Weißenburg investieren. Das Grundstück mit 27 000 Quadratmetern sei schon gekauft "und bezahlt", wie Eckerle betont. Zunächst werden 3000 Quadratmeter asphaltiert, darauf soll unter anderem vorerst ein 1000 Quadratmeter großes Industriezelt Platz finden. Auf der Fläche wird dann Leergut gelagert werden, damit auf dem Firmengelände an der Dettenheimer Straße Platz wird. Denn dort sei alles unheimlich beengt.

Parallel dazu läuft heuer die Planungsphase für den Neubau an. Mit allen Vorbereitungen und Genehmigungen gehen Eckerle und Jesch davon aus, dass im Frühjahr 2023 mit dem Bau begonnen werden kann. Rund ein Jahr später soll die Lackieranlage laufen. Der Zeitplan ist durchaus sportlich. "Da müssen wir jetzt schon Gas geben", macht Eckerle deutlich.

Umweltgedanken spielte große Rolle

Wenn alles läuft, wird die Lackieranlage 1 an der Dettenheimer Straße abgeschaltet. Das geschehe, weil eine moderne Anlage wirtschaftlicher und effektiver sei, aber auch eine höhere Qualität liefere. Und nicht zuletzt spiele der Umweltgedanke eine Rolle. Sein Unternehmen ist vor sechs Jahren als eines der ersten dem "Umweltpakt Bayern" beigetreten.

Weiterbestehen soll auch nach dem Neubau vorerst die Lackieranlage 2 der Firma Jesch, die 2016 in Betrieb gegangen ist. Den Mitarbeitern des Speziallackierbetriebs stellt Eckerle übrigens ein sehr gutes Zeugnis aus. Sie seien allesamt hochqualifiziert. Hätte er versucht, ein Werk mit ähnlichem Potenzial am Standort Beilngries aufzubauen, hätte dies etwa zehn Jahre gedauert, sagt der Unternehmer, der offensichtlich gerne einen weiteren Standort in Weißenburg errichtet.

Im Zuge der Ansiedlung und den dazu notwendigen Gesprächen im Rathaus hat er Oberbürgermeister
Jürgen Schröppel als " sehr engaiert" erlebt. Der Rathauschef habe das Vorhaben von Anfang an unterstützt. Auch der Stadtrat habe sich dafür eingesetzt, dass die Firma Jesch in Weißenburg erhalten bleibe.

Ein gutes Argument für den Standort sei außerdem der Kunststoffcampus Bayern, der im Gewerbegebiet West I angesiedelt ist. Das Institut wolle sein Unternehmen nutzen, sagt Franz Eckerle. Und Klaus Jesch unterstreicht einen weiteren Vorteil: "Hier gibt es interessante Grundstücke zu fairen Preisen."

ROBERT RENNER

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