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Kein Platz im Bundesvorstand der Linken für Erkan Dinar

Der frühere Weißenburger Stadtrat hat sich um einen Posten beworben, wurde aber nicht gewählt - 04.03.2021 12:03 Uhr

Erkan Dinar hat sich für den Bundesvorstand der Linken beworben, ist dabei aber gescheitert. Er hofft auf einen sicheren Platz auf der Landesliste bei der Bundestagswahl.

03.03.2021 © Foto: Markus Steiner


Vor mehreren Hundert Delegierten ließ sich der frühere Weißenburger Stadt- und Kreisrat für eine Rede zuschalten. Gewählt wurde der 40-Jährige nicht, mit dem Ergebnis war er trotzdem zufrieden. Ende März steht für ihn die wichtigere Abstimmung an, wenn es um die Aufstellung der bayerischen Landesliste der Linken für die Bundestagswahl geht.

An politischer Bewegung fehlt es Erkan Dinar seit einiger Zeit nicht mehr. Früher wäre das kein Grund gewesen, sich zu wundern, war der Linke doch auch in der Kommunalpolitik immer für einen Aufreger gut.

2017 aber hatte Dinar zunächst eine politische Pause angekündigt und sich von Parteiämtern zurückgezogen, 2020 stellte er sich auch für seine kommunalpolitischen Ämter nicht mehr zur Wahl. Seinen Lebensmittelpunkt hatte er da bereits nach Nürnberg verlegt. Dinar war aus der lokalen und der großen Politik verschwunden. Und man kann nicht behaupten, dass die lokale Politik darüber sehr traurig gewesen wäre.

Inzwischen aber ist alles anders. Von politischer Pause keine Spur mehr. Im Oktober 2020 sorgte der 40-Jährige mit einer überraschenden Kandidatur für sein lokales Comeback. Er stellte sich für das Amt des Direktkandidaten im Wahlkreis Ansbach/Weißenburg-Gunzenhausen zur Verfügung und gewann.

Und das, obwohl sich mit Weißenburgs Stadtrat Victor Rother und Kreisrat Felix Goldhorn zwei Mandatsträger der Partei gegen ihn ausgesprochen hatten. Noch in der Sitzung traten Rother als Kreissprecher und Goldhorn als Vorstandsmitglied zurück.

Ende Februar nun die nächste Überraschung. Der 40-Jährige kündigte eine Woche vor dem Bundesparteitag der Linken seine Kandidatur für den Vorstand an. Er begründete das mit der Sorge um den politischen Kurs der Partei. Er wolle der Vertreter der Arbeiterklasse im Landesvorstand sein, stellte er in seiner Nominierungsrede fest.

Parteiausschlussverfahren gegen Erkan Dinar läuft

Bewusst sei er als gelernter Einzelhandelskaufmann beruflich in die Produktion und den Schichtbetrieb gegangen, behauptete er. Sich selbst bezeichnete er als "Antifaschist, Sozialist, Gewerkschaftsvertreter, Kommunalpolitiker und Internationalist".

Man müsse seitens der Linken etwas gegen den "wirtschaftsökonomischen Einheitsbrei" der anderen Partei setzen. Höhere Löhne, bessere Absicherungen bei Arbeitslosigkeit und Krankheit sowie Bildungsgerechtigkeit nannte er unter anderem als politische Ziele.

Dennoch zufrieden

Für eine Wahl in den Vorstand reichte das nicht. Er selbst stellte gegenüber dem Weißenburger Tagblatt fest, dass er angesichts seiner wenig vorbereiteten Spontankandidatur mit dem Ergebnis zufrieden sei. Wie das genau ausgefallen ist, veröffentlichte die Linke nur für die gewählten Parteimitglieder. Die Wahl in Berlin war aber nur die erste von mehreren Schlachten, die der politische Rückkehrer nun zu führen hat.

Am Samstag, 27. März, will er sich um den vierten Platz auf der Landesliste der bayerischen Linken für die Bundestagswahl bewerben. Das wäre selbst bei den derzeit schlechten Umfragewerten der Partei ein ziemlich sicheres direktes Ticket für Berlin.

Allerdings gilt der frühere Weißenburger bei dieser Abstimmung klar als Außenseiter. Denn sein vermuteter Gegenkandidat ist nun nicht mehr der schon recht prominente Nürnberger Linken-Stadtrat Titus Schüller, sondern mit Landessprecher Ates Gürpinar ein Schwergewicht der Partei.

Offene Fragen

Unabhängig vom Ausgang der internen Nominierungsversammlung der Linken wird Dinar aber bei der Bundestagswahl am 26. September um Direktstimmen im Wahlkreis Ansbach/Weißenburg-Gunzenhausen kämpfen. Hier hat der 40-Jährige allerdings nicht einmal Außenseiterchancen.

Als weit offener gilt, wie das Parteiausschlussverfahren endet, das gegen ihn läuft. Die Nürnberger Kreissprecherin hatte das gestartet, weil Dinar bei den Kommunalwahlen 2020 nicht auf der offiziellen Partei-Liste, sondern einer alternativen linken Liste angetreten ist.

JAN STEPHAN

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