Flucht aus dem siebten Stock

Schlägerei an Weißenburger Table-Dance-Bar: War es versuchter Totschlag?

Volontärin Nina Dworschak
Nina Dworschak

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26.4.2022, 14:40 Uhr
Seit Montag müssen sich zwei junge Weißenburger vor dem Landgericht Ansbach für die Schlägerei verantworten. Ende Mai soll das Urteil fallen. 

© Reinhard Krüger, NN Seit Montag müssen sich zwei junge Weißenburger vor dem Landgericht Ansbach für die Schlägerei verantworten. Ende Mai soll das Urteil fallen. 

Samstagmorgen, 4 Uhr, in einer Table-Dance-Bar im Weißenburger Industriegebiet: An Schlaf, denkt hier wohl keiner. Es spielt Musik, Frauen bieten den männlichen Gästen Tanzeinlagen an und das Bier fließt. Zwei junge Weißenburger sitzen an der Bar, der Inhaber steht hinter dem Tresen. Plötzlich entsteht eine Diskussion, der Chef will, dass die Männer gehen, und begleitet sie zum Ausgang. Schon auf dem Weg dorthin sollen es zu Schlägen kommen - es werden an diesem Morgen Ende Juli 2021 nicht die letzten sein, der Inhaber wird nicht das einzige Opfer bleiben.

Insgesamt fünf Personen sollen die beiden 29-jährigen Männer aus Weißenburg an jenem Morgen auf dem Parkplatz vor dem Nachtlokal bei einer Schlägerei verletzt haben. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Ansbach soll einer der Männer, Paul B. (Anmerkung: Namen wurden alle geändert), nach dem Rausschmiss auf den Inhaber losgegangen sein, später sollen beide Männer gemeinschaftlich mit Fäusten und Füßen auf den Inhaber eingeschlagen haben, auch nachdem er auf dem Boden lag. Ein Gast kommt dazu und will einschreiten, auch ihn treffen Tritte und Schläge, er geht zu Boden und wird schwer verletzt. Wie es in der Anklage heißt, hätten die Männer den Tod des Gastes bei der Handlung in Kauf genommen.

Auch drei Mitarbeiterinnen aus der Bar sollen an der Schlägerei beteiligt gewesen sein. Sie kassierten Faustschläge von Tim Z., einem der Angeklagten, der wild um sich geschlagen haben soll. Die Frauen wurden leicht verletzt.

Spektakuläre Flucht

Direkt nach der Tat entfernten sich beide Männer vom Parkplatz der Table-Dance-Bar. Sie wurden von einer Polizeistreife angehalten, die gerade auf dem Weg zum Lokal war. Die Beamten wollten die Personalien der Männer feststellen, dabei konnte Tim Z. entkommen. Auch Paul B. wurde laufen gelassen, erst nach der Tataufnahme am Nachtlokal wird er als mutmaßlicher Täter eingestuft. Zwei Wochen später wird er von der Polizei festgenommen. Vom zweiten Täter, Tim Z. fehlte bis dahin jede Spur, auch seine Identität war zunächst ungeklärt. Schließlich konnte die Polizei ihn in einer Wohnanlage in der Kaadener Straße aufspüren. Als die Beamten vor der Tür standen, gelang ihm zunächst die Flucht. Sieben Stockwerke soll er heruntergeklettert sein und konnte durch ein angrenzendes Maisfeld entkommen. Wenige Tage später stellte er sich der Polizei.

Seit Montag müssen sich die beiden Männer am Landgereicht Ansbach für den Vorfall an der Table-Dance-Bar verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Körperverletzung in mehreren Fällen und versuchter Totschlag. Tim Z. wird außerdem der unerlaubte Anbau und Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Die Beamten fanden in seiner Wohnung unter anderem 101 Cannabis-Setzlinge und neun Pflanzen.

Zu den Betäubungsmitteln äußert sich Z. vor Gericht, räumt einen Großteil der Anklage ein. Nur den Punkt mit der "nicht geringen Menge" streitet er ab. Er sei Cannabis-Patient, einen Teil der sichergestellten Substanzen habe er auf Rezept aus einer Apotheke erhalten, die Nachweise hat er für die Richter dabei.

Auch zu der Tatnacht äußert sich Z., anders als der Mitangeklagte B., der zum Prozessauftakt mit starrem Blick auf der Anklagebank sitzt. Z. schildert die Vorfälle aus Nacht anders als die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Die Männer seine selbst Opfer gewesen, der Clubinhaber und die Tänzerinnen hätten B. vor dem Lokal geschupst und beschimpft, dann sei zu einer Schlägerei gekommen, in deren Folge auch B. verletzt wurde.

Was wirklich passiert ist, will das Landgericht in insgesamt drei Verhandlungstagen herausfinden, ein Urteil wird Ende Mai erwartet. Zum Prozessauftakt am Montag wurde mit Unterbrechungen fast zehn Stunden verhandelt, neben den Angeklagten kamen auch die ersten beiden Geschädigten zu Wort, der schwer verletzte Gast und eine Kellnerin. Weiter geht es Anfang Mai, dann ist auch Clubinhaber als Zeuge geladen.

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