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Ruderer aus Erlangen holen Silber bei der EM

Jonathan Schreiber und Julian Schneider starteten im Leichtgewichts-Doppelvierer in Polen - 14.10.2020 10:00 Uhr

© Foto: DRV/Seyb


Die Heimreise war wie so viele lange Autofahrten. Stundenlanges Rauschen, "die Hälfte unterhält sich, die Hälfe schläft", sagt Julian Schneider. Die Ruderer der Deutschen Nationalmannschaft sind da auch nicht anders als andere. Nur dass sie eine EM-Medaille im Gepäck haben. Die 800 Kilometer lange Fahrt von Poznan in Polen nach Würzburg aber mussten sie in einem Kleinbus verbringen. Meistens fuhr ihr Trainer Simon Frank, manchmal aber mussten sich auch die Vize-Europameister hinters Steuer setzen – nur wenige Stunden nach ihrem ersten großen Erfolg im Herren-Bereich.

Jonathan Schreiber und Julian Schneider saßen mit im Boot und mit im Bus. Seit vielen Jahren verbindet die Erlanger eine Freundschaft. Schneider stieg als Jugendlicher beim Ruderverein Erlangen zum Talent auf, als er zum Studieren nach Frankfurt zog, wechselte Jonathan Schreiber aus Regensburg nach Erlangen. Bei der U23-Weltmeisterschaft haben beide zusammen Bronze gewonnen, mit Eric Magnus Paul holte Schreiber im vergangenen Jahr Gold bei der U23-WM.

Jetzt, im ersten Jahr bei den Großen, sollte es eigentlich schwieriger werden. Wurde es auch, nur nicht unbedingt auf dem Wasser. Das Coronavirus hat auch das Jahr der besten Ruderer des Landes beeinflusst. "Normalerweise ist eine EM eine Vorbereitung für die Weltmeisterschaft", sagt Schreiber, "doch jetzt war es unser Saisonhöhepunkt".

Wir wollen eine Medaille holen

Der 23-Jähriger trat im Leichtgewichts-Doppelvierer an. Seine Teamkollegen hat ihm wie in jedem Jahr der Deutsche Ruderverband zugeteilt. Doch natürlich sind es Bekannte: Mit Julian Schneider, Joachim Agne aus Würzburg und Eric Magnus Pauls aus Hamburg hat der Erlanger schon viele Stunden Training und Wettkampf erlebt, am Sonntag kam das Finale bei der EM hinzu.

Nur vier Boote hatten sich angemeldet, manche Nationen, Großbritannien zum Beispiel, hatte seine Teams gar nicht erst losgeschickt. Die Konkurrenz war dennoch stark, die Italiener sind eine Mannschaft auf Weltklasse-Niveau. "Wir wollten nicht Letzter werden", sagt Schreiber. Was in einem Vierer-Rennen so viel heißt wie: Wir wollen eine Medaille holen. Der deutsche Doppelvierer hat es geschafft.

"Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Italiener anzugreifen", sagt Julian Schneider, "und unser bestes Rennen der Saison umgesetzt. Es hat aber leider nicht gereicht". Mit eineinhalb Bootslängen Abstand ruderten die Deutschen hinterer. "Die Italiener sind super gefahren", sagt Schneider. "Doch wir sind alle zufrieden, wir haben Silber gewonnen." Das ist vor allem angesichts der schwierigen Vorbereitung eine gute Leistung. "Wir hatten keine Vorergebnisse", sagt Schreiber, "deswegen konnten wir uns und auch die anderen nicht einschätzen".

"Bei einer WM wären sie mindestens ins Finale gekommen"

Ihren Erlanger Trainer, Ingo Euler, der es 1996 und 2000 selbst zu den Olympischen Spielen geschafft hat, haben Schreiber und Schneider jedenfalls beeindruckt: "Bei einer WM wären sie mindestens ins Finale gekommen." Eine WM allerdings gibt es in diesem Jahr nicht. Und auch sonst steht erst einmal wieder nur Training an. Julian Schneider und Jonathan Schreiber werden sich die kommenden Monate auch mehr auf ihr Studium konzentrieren.

"Ich konnte die EM mit den Jungs genießen, lasse es mir aber offen, wie es mit dem Rudern weitergeht", sagt Schneider. Doch der 23-Jährige weiß auch: "Das Rudern besteht aus mehr als einem Wettkampf X. Es besteht aus tollen Erfahrungen, Freunden, Wettkämpfen, in denen man viel erlebt. Man rudert nicht nur, um in eine Medaille zu holen." Noch besser, wenn beides zusammenpasst. Dann ist sogar eine stundenlange Heimfahrt kein Problem.

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