Tor und Torvorarbeit

Warum Jens Castrop beim Club der einzige Lichtblick ist

Fadi Keblawi
Fadi Keblawi

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6.9.2022, 09:00 Uhr
Das erste Zweitligator ist immer schön, auch wenn man es reingrätscht bei einer 2:4-Niederlage: Jens Castrop trifft in Braunschweig.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Das erste Zweitligator ist immer schön, auch wenn man es reingrätscht bei einer 2:4-Niederlage: Jens Castrop trifft in Braunschweig.

Ende Juli erst ist Jens Castrop 19 Jahre alt geworden. Was er bis dahin schon gelernt hat, weiß man seit Freitagabend. Da hatte seine Mannschaft gerade nach einem sehr erstaunlichen Einbruch im zweiten Durchgang beim 2:4 gegen den Tabellenletzten aus Braunschweig verloren, aber trotzdem sah man auf dem Instagram-Profil des Mittelfeldspielers jede Menge fröhliche Bilder.

Dass man die Feste besser feiert, wenn sie fallen, weiß Castrop also – zumal wenn man beim 1. FC Nürnberg angestellt ist. Und Castrop, die Leihgabe vom 1. FC Köln hatte persönlich ja durchaus Anlass zur Freude. Als der Club in der ersten Halbzeit so aussah, als könnte sich doch noch einiges zum besseren wenden in dieser Spielzeit, da lag das vor allem an Castrop.

Der sorgte persönlich dafür, dass der Club Braunschweig „dominierte“, wie das später Trainer Robert Klauß feststellte. Das war vielleicht ein wenig übertrieben, aber zumindest Castrop sah schon sehr viel besser aus als seine Gegenspieler. Die Folge: Er traf in Mittelstürmermanier zum 1:0 und bereitete in Mittelfeldspielermanier das 2:1 vor.

Der logische Nachfolger

„Das Tor freut mich für ihn“, sagte später Klauß, „bei ihm war es heute ein Schritt nach vorne.“ Schritt nach vorne bedeutete bei Castrop vor allem – hin in die Richtung, in der Tom Krauß war, als er den Club im Sommer in Richtung Gelsenkirchen verlassen hat. Als logischen Nachfolger des aggressiven Krauß haben sie beim Club immer Castrop bezeichnet – und durften sich am Freitag zumindest teilweise bestätigt fühlen.

Wie Castrop den Ball vor dem 2:1 durch Duah behauptete und weiterleitete, das sah schon sehr nach dem Erwachsenen-Fußball aus, der er noch nicht so lange spielen darf. Dass Castrop in dieser ersten Halbzeit den Ball mitunter verlor – so vor dem 2:2 im Duett mit Duah – war allerdings auch offensichtlich. „Man merkt ihm an, dass er gerade in der Entscheidungsfindung mit Ball noch Dinge zu erledigen hat“, sagte dazu Klauß, betonte aber auch, dass er darin bei einem jungen Spieler wie Castrop ein eher geringeres Problem sieht.

Ballverluste sind okay

„Dass er Ballverluste hat, ist okay. Wir müssen halt als Mannschaft schauen, dass wir diese Ballverluste absichern“, sagte Klauß. Diese Absicherung aber existierte in Braunschweig nicht, weshalb der Club in den zweiten 45 Minuten unterging – und Castrop mitgerissen wurde. Auch das gestattete ihm Klauß: „Jens sollte man nicht in die Verantwortung nehmen in solchen Phasen. Da gibt es andere Spieler, die das machen müssen.“ Die gab es am Freitagabend aber nicht, weshalb sie beim Club jetzt hoffen müssen, dass Castrop bald häufiger Anlass findet, schöne Bilder ins Internet zu stellen – an auch für den ganzen Verein schönen Abenden.

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