Was Club-Trainer Klauß gegen Rasgrad missfiel

Zu wenig Emotionalität, zu viele Ballverluste

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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27.6.2022, 15:40 Uhr
Eine Frage der Einordnung: Trainer Robert Klauß (li.) und Sportdirektor Olaf Rebbe.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Eine Frage der Einordnung: Trainer Robert Klauß (li.) und Sportdirektor Olaf Rebbe.

Robert Klauß ist ein schlechter Verlierer, auch deswegen sah er nach dem 0:3 im zweiten Testspiel der Vorbereitung gegen Ludogorets Rasgrad am Sonntagnachmittag nicht gerade glücklich und zufrieden aus. „Generell sind Siege auch in Testspielen gut, weil sie einem ein gutes Gefühl geben“, sagte der Trainer des 1. FC Nürnberg nach dem deutlichen 0:3 in St. Johann, „aber man muss Ergebnisse immer einordnen.“

Also ordnete er ein und kam zu dem Schluss, dass es beinahe zwangsläufig ein komplizierter Nachmittag werden musste für seine zwei Mannschaften, Klauß wechselte in der Pause komplett durch. Dass er auch seinen Perspektivspielern Filip Ilic (18), Nathanial Brown (19, beide erste Halbzeit) sowie Leonardo Vonic (19) und Niklas Jahn (17, beide zweite Halbzeit) eine Chance geben wollte, sich zu zeigen, spricht für seinen Gemeinsinn.

Da auch die beiden Leihspieler Jens Castrop (18, erste Halbzeit) und Sadik Fofana (19, zweite Halbzeit) erst noch ihre Erfahrungen auf höherem Niveau sammeln müssen, durfte das Ergebnis nicht verwundern, obwohl die Spielvereinigung Greuther Fürth gegen den gleichen Gegner vier Tage zuvor ein beachtliches 1:1 erkämpft hatte. Wobei die Jüngsten im Aufgebot keineswegs enttäuschten gegen den bulgarischen Meister und Champions-League-Qualifikanten.

Zu wenig Emotionalität vor der Pause

In den ersten 45 Minuten störte sich Klauß vor allem an der allgemeinen Passivität; seine Stürmer Manuel Schäffler und Manuel Wintzheimer bekamen schon nach 15 Minuten von außen die unmissverständliche Ansage, endlich mal den Ball richtig zu behaupten, festzumachen, auch Johannes Geis hatte im Zentrum seine liebe Müh‘ und Not damit, dem Spiel seiner Elf mehr Struktur und Energie zu verleihen. Negativ auffällig zudem die rechte Abwehrseite, auf der sich Jan Gyamerah mehrmals überrennen ließ.

Die Emotionalität, letztlich hervorgerufen durch die eine oder andere harte Aktion der Bulgaren, „haben wir gebraucht, um dann selber auch mal ein bisschen mutiger und aggressiver zu sein“, sagte Klauß im Vergleich beider Spielhälften, „das war vorher etwas emotionslos, und ohne Emotion kann man auch nicht attackieren, das hat mir gefehlt.“

Zu viele Ballverluste nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel und in komplett veränderter Formation wurde es dann zunächst etwas besser. „In der zweiten Halbzeit waren wir bis zum Gegentor richtig gut, erste Halbzeit waren wir klar unterlegen“, fand Klauß, wobei ihm da die vielen Unaufmerksamkeiten im Aufbau nicht gefielen. „In der zweiten Halbzeit haben wir jede Chance für sie selbst aufgelegt mit einem Fehlpass oder Ballverlust, das ist unnötig, da bringen wir uns um den Lohn.“ Für einen hohen Aufwand, der aber diesmal nicht mehr einbrachte als ein paar Erkenntnisse.

Bis zum 0:2 harmonierte beispielweise das Innenverteidiger-Pärchen Christopher Schindler und Sadik Fofana recht ansehnlich, Fabian Nürnberger im defensiven und Leonardo Vonic im offensiven Mittelfeld hatten ein paar gute Ideen. Auch die linke Seite in der Besetzung Tim Handwerker (defensiv) und Erik Wekesser (offensiv) wusste in der einen oder anderen Aktion durchaus zu gefallen.

Vielleicht auch deswegen sprach Klauß von einem „guten Test, der uns ein paar Hausaufgaben für das Trainingslager mitgibt“. Am Dienstag geht’s mit zwei Einheiten, der ersten davon auf dem Platz, nach einem doch eher ruhigen Montag richtig los; auch Lino Tempelmann nach überstandener Kniereizung, Felix Lohkemper sowie die beiden Zugänge Kwadwo Duah und Christoph Daferner werden morgen eingreifen. Der Stürmer von Dynamo Dresden sollte am frühen Montagabend in Natz eintreffen und wird am Dienstagvormittag offiziell vorgestellt.

Drei Testspiele sind es noch, zwei davon gegen erstklassige Gegner: am 3: Juli um 15 Uhr in Wattens gegen die WSG Tirol, am 8. Juli im Max-Morlock-Stadion gegen den FC Arsenal (Anstoß 17.30 Uhr) und am 9. Juli um 14 Uhr im Sportpark Valznerweiher gegen den Regionalligisten FC Schweinfurt.

„Ich bin nicht der Freund davon, zu viele Spiele gegen unterklassige Mannschaften zu haben“, sagte Klauß nach dem 0:3 gegen Rasgrad, „ich zähle darauf, dass wir über Training so eine gute Verfassung bekommen, dass wir auch gegen solch gute Gegner gute Spiele machen.“ Wirklich wichtig ist ja ohnehin nur der 16. Juli, wenn es beim FC Sankt Pauli wieder ernst wird. Ob der Club mit einem guten Gefühl ans Millerntor fahren kann, dürften die nächsten zwei Wochen zeigen.

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