Einstieg in den Kurs ist jederzeit möglich

Babysport: Eine Turnstunde für die Kleinsten

Martin Schano
Martin Schano

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23.11.2021, 11:51 Uhr
Betreutes Spielen beim TV Fürth 1860: Den Kindern werden verschiedene Spielsachen vor die Nase gelegt. Im Hintergrund beobachten Mütter und Trainerin das Verhalten.

Betreutes Spielen beim TV Fürth 1860: Den Kindern werden verschiedene Spielsachen vor die Nase gelegt. Im Hintergrund beobachten Mütter und Trainerin das Verhalten. © Foto: Michael Matejka

Es ist Donnerstagvormittag. In einem Kursraum beim TV Fürth 1860 hat es sich eine kleine Gruppe von Müttern mit ihren Babys auf Turnmatten bequem gemacht, sie bilden einen Kreis.


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Auf dem T-Shirt einer Frau steht "MAMA", damit keine Zweifel aufkommen. Vielleicht gar nicht so schlecht, denn spätestens nach dem Kennenlern-Lied "Wir sitzen im Kreis . . .", in dem jeder seinen Namen und den seines Kindes nennt, macht das einsetzende Gewusel die Zuordnung schwerer.

Es ist Babysport-Zeit. Mit ihrem Kurs haben Karin Bittermann und Anne Hoppenstedt ein Alleinstellungsmerkmal in Fürth. Die Kinderkrankenschwester und die Sportwissenschaftlerin sind selbst Mütter zweier Kinder. Daher wissen sie: In keinem anderen Lebensabschnitt entwickeln sich Menschen so rasant wie im ersten Jahr. Und deshalb wollen sie sie schon von klein auf mit ihrer selbstkonzipierten Turnstunde fördern.

Sechs bis zehn Monate alt sind die Babys, die in 60 Minuten genau das machen, was sie auch ohne Anleitung tun würden: neugierig sein. Hoppenstedt und Bittermann breiten rasselnde Bälle, Bälle an einer Schnur und Backpapier vor ihnen aus. In einer Ecke des Gymnastikraums ist ein Bällebad aufgebaut.

Babys können urkomisch sein

Die Babys reagieren unterschiedlich auf die Reize: Die einen bekommen große Augen, die anderen interessieren sich mehr für die anderen Kinder. Bittermann erklärt den Job der Mütter: "Animiert euer Kind zur Drehung, unterstützt es, wenn nötig, und tut gerne übertrieben überrascht, wenn es sich zum Beispiel vom Bauch auf den Rücken dreht."

Babys können urkomisch sein, es wird viel gelacht. Der kleine Paul zum Beispiel stemmt sich intuitiv auf einem Mattenberg in den wackligen Stand, um einen Ball zu erreichen. Was einfach aussieht, strengt ihn total an, er muss sich kurz ausruhen, wimmert und Mama tröstet ihn. Doch Anne Hoppenstedt nimmt wahr: "Das ist für Paul schon viel zu einfach, ein höherer Kasten muss her." Und der Knirps hievt sich auch an diesem Hilfsmittel hoch – ein echter Kraftprotz.

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Das ist hier kein Fitnessstudio. "Das sind alles nur Angebote", erklärt Hoppenstedt. Die einen sind mit sechs Monaten bereit für gewisse Herausforderungen, die anderen erst mit neun. "Babys lernen durchs Nachahmen. Das Streben, etwas den Schnelleren und Stärkeren nachzumachen, ist enorm. Deshalb ist diese Stunde so wichtig", sagt Hoppenstedt. Auch zum Windelwechseln ist genügend Platz und Zeit da, "ihr braucht euch nicht zu schämen", erklärt die Turntrainerin die Regeln.

Krankenschwester vor Ort

Sollte es einem Kind nicht gut gehen, erkennt das das geschulte Auge der Kinderkrankenschwester Bittermann sofort, "sie bringt Kenntnisse zu Anatomie und Krankheitsbildern mit", erklärt Hoppenstedt, "deshalb ist es gut, dass wir zu zweit sind in der Stunde".

Und schließlich enthält eine Trainingsstunde auch noch einen Wellness-Teil: die Babymassage. Hoppenstedt leitet die Mütter und Väter darin an. "Man fängt mit den Beinen an und geht dann über den Bauch zu Armen und Rücken."

Und zwar so vorsichtig, wie ein Physiotherapeut eine verletzte Person behandelt. Vor allem die Bauchmassage habe bei manchen Babys "einen super Effekt erzielt", wenn sie etwa Choliken haben. Die Hausaufgabe für die Eltern ist, das Gelernte daheim anzuwenden. Hoppenstedt zitiert ein altes Motto aus der Physiotherapie: "Einmal pro Woche ist Üben, zweimal ist Training." Einen Trainingseffekt will sie bei jedem Teilnehmer erreichen.

Wem das jetzt alles zu sehr nach Helikopter-Eltern klingt, die ihrem Kind bereits vor der Einschulung Geige und Chinesisch beibringen, dem hält Hoppenstedt entgegen: "Es geht für das Baby darum, sich mit Bewegung und seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Es zu Bewegungen zu ermuntern, legt eine große Grundlage für Selbstsicherheit, Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl."

Neue Synapsenverbindung

Jede Bewegung, und wenn es nur die Erfahrung ist, dass man seinen Zeh selbst in die Hand nehmen und drehen kann, stellt im Gehirn eine Synapsenverbindung her. Vielen Kursteilnehmern müsse sie erst einmal beibringen, das Kind ruhig stärker zu fordern, ihm viel zuzutrauen, "nicht in Watte zu stecken" und gleichzeitig ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.


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Das Konzept kommt an. Der Kurs ist auf sechs Paare angewachsen und die Teilnehmer der ersten Stunde haben allesamt verlängert. Neben den Müttern der Kinder kommen auch Väter, Großeltern oder die Nannys als Begleitperson – Einstieg und Schnuppern ist jederzeit möglich. Ohne Maske, damit die Babys die Mimik erkennen, dafür gilt 2G plus.

Babysport beim TV Fürth 1860 für Babys von vier bis zehn Monaten im Kursraum des TV Fürth 1860, Coubertinstraße 9-11, Fürth. Donnerstags 10 - 11 Uhr, Einstieg jederzeit möglich mit 2G plus. Kosten für zehn Einheiten: 40 Euro für Vereinsmitglieder, 90 für Nichtmitglieder. Anmeldung via Telefon: (09 11) 72 01 20 und E-Mail: mitgliederverwaltung@tv-fuerth-1860.de.

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