Pegnitz

Coronakrise der Sportvereine: Nur Probleme oder auch eine Chance?

21.10.2021, 17:37 Uhr
Abmarsch der Garde: In der Corona-Zeit hat der SV Glückauf Pegnitz eine beträchtliche Zahl an Mitgliedern verloren. Die Vereinsvertreter hoffen jetzt, dass der Negativtrend gestoppt ist.

Abmarsch der Garde: In der Corona-Zeit hat der SV Glückauf Pegnitz eine beträchtliche Zahl an Mitgliedern verloren. Die Vereinsvertreter hoffen jetzt, dass der Negativtrend gestoppt ist. © Foto: Ralf Münch

Beim SV Glückauf Pegnitz sind es weniger Mitglieder als vor der Coronakrise. Der Grund: Eintritte, die sonst die Zahl derer ausgleichen, die den Verein verlassen, blieben einfach aus. "Bei uns ist es normalerweie so, dass sich die Austritte und die Neueintritte immer die Waage halten. Eigentlich bleiben wir dann immer auf der gleichen Mitgliederzahl", berichtet Susanne Gebhard, die Vize-Vorsitzende des SV.

Susanne Gebhard

Susanne Gebhard © Foto: privat

Beim Gardetanz sei das so, weiß Gebhard aus Erfahrung: Meist treten Tänzerinnen und Tänzer aus, die zum Studieren oder Arbeiten an einen anderen Ort gehe. Oder Kinder, die nach einer Schnupperteilnahme doch lieber einen anderen Sport betreiben möchten. Ähnlich läuft es beim Tischtennis oder der Damengymnastik, den anderen Sparten des Vereins. So war es auch im vergangenen Jahr, sagt Gebhard. Ob einzelne Austritte wirklich an der Pandemie selbst festzumachen seien, könne sie nicht sagen.

Solidarität im Dorf: Da müssen wir gemeinsam durch

Doch wer tritt schon ein und sei es nur zur Probe, wenn der komplette Sportbetrieb still liegt? Und das, obwohl der SV weiter wie bisher Werbung machte. Meist treten Kinder bis zehn Jahre bei, nicht aber während Corona. Der Sportbetrieb war, wenn überhaupt, nur eingeschränkt möglich. "Welches Kind fängt denn ein neues Hobby an, beziehungsweise welches Kind in diesem Alter kommt denn alleine zum Training? Wir durften ja keine Eltern mit reinlassen", sagt Gebhard.

In diesem Jahr hat der SV Glückauf wieder einen normalen Trainingsbetrieb aufnehmen und neue Mitglieder verzeichnen können. Nun war man auch noch man auf der Suche nach einem neuen Gesicht an der Vereinsspitze. Der bisherige Vorsitzende Arne-Dirk Marx trat in der Jahreshauptversammlung Anfang Oktober nicht mehr zur Wiederwahl an, der Posten konnte nicht besetzt werden, die Nachfolgersuche verlief zunächst schwierig, sagt Gebhard. "Es gebe zwei verschiedene Gruppen: Entweder möchte die angefragte Person keine Amt übernehmen oder hat schon eines." In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am heutigen Freitag ab 19 Uhr im Gasthaus Krieg in Horlach soll aber ein Nachfolger präsentiert werden. Auch scheint jemand für den zweiten Vizeposten neben Susanne Gebhard gefunden zu sein.

Keine Sportveranstaltungen, keine Feste

Deutlich besser ist die Stimmungslage beim FC Troschenreuth. Auch für den Nachbarverein war die Corona-Zeit nicht einfach. Keine Sportveranstaltungen, keine Feste. Und doch wäre all das wichtig für die Finanzen gewesen. Die Kosten laufen weiter, große Sponsoren hat der Verein nicht, erklärt Vorsitzender Roland Laier. Ansonsten gibt es nur Bandenwerbung und die Mitgliedsbeiträge.

Roland Laier vom FCT.

Roland Laier vom FCT. © Foto: privat

Doch beim FC lief alles ein wenig anders. Der erste Lockdown Anfang 2020 war da und Laier kam auf eine Idee: Mitgliederakquise betreiben? Es sei verraten: Wo anderswo Mitglieder in der Pandemie absprangen, hat Troschenreuth dazugewonnen. Laier überlegte also, welche Troschenreuther noch kein Mitglied beim FC sind. Also setzte er ein Schreiben auf, stellte den FC und seine Arbeit vor und verteilte sie an die Haushalte. Mit Erfolg. Knapp 15 Menschen entschieden sich für eine Mitgliedschaft.

"Motiviert durch den Erfolg" sagt Laier, sei die nächste Idee gereift: Die Vorstandschaft samt Beisitzer machte Werbung im Freundes- und Bekanntenkreis. "Bums! Waren nochmals 20 Mitgliedschaften", sagt Laier. Im dritten und letzten Schritt setzte sicher Laier mit seinen Kindern zusammen. "Mensch Papa, Frauensport wäre doch was", fiel seiner Tochter ein. Also gründete der FC Troschenreuth in seiner Sparte Fußball eine neue Abteilung, bot, sofern möglich, neue Aktivitäten an.

Zumba auf der Wiese: Beim FC Troschenreuth hat man neben anderen kreativen Ideen das Angebot für Frauen erweitert und verzeichnet einen großen Mitgliederzuwachs.

Zumba auf der Wiese: Beim FC Troschenreuth hat man neben anderen kreativen Ideen das Angebot für Frauen erweitert und verzeichnet einen großen Mitgliederzuwachs. © Foto: Ralf Münch

Auch wenn lange Zwangspause herrschte, von der Idee profitiert der Verein noch heute, da der Betrieb wieder läuft. Zunächst gab es kostenlose Probemitgliedschaften, der Mitgliedsbeitrag wird erst seit dem Restart abgebucht. "Das sind jetzt 29 begeisterte Damen und noch einige Interessierte, die da mitmachen", sagt Laier. Vier Kurse bietet Troschenreuth nun an. Neben Linedance gibt es unter anderem Zumba und Yoga.

Seit März 2021 ist die Abteilung Fußball beim FC Troschenreuth so um 81 Mitglieder gewachsen. 210 Mitglieder waren es vorher, sagt Laier. Eine Steigerung um 40 Prozent und das in Corona-Zeiten.

Laier ist stolz auf sein Dorf und lobt den Zusammenhalt. Er sagt: "Da ist schon eine große Solidarität in unserer Dorfgemeinschaft, so nach dem Motto: ,Da müssen wir einfach gemeinsam durch.‘"

Durch viele Aktionen blieb der Verein im Gespräch und startetet auch in diesem Sommer wieder mit neuen Ideen. Seit Juli gibt es eine Bambinigruppe für Vier- bis Sechsjährige. 15 Jungen und Mädchen freuen sich nun jeden Donnerstag darauf, dem Ball hinterherzujagen. Sie sind zwar noch keine Mitglieder, aber auch so sei das wichtig für den Verein. "Wenn da 50 Prozent hängen bleiben, sind es auch wieder fünf bis zehn neue Mitglieder", frohlockt Roland Laier.

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