Nach Rückzug und Trainerwechsel

Endlich Handball: Roßtal startet ins Bayernliga-Abenteuer

30.9.2021, 19:49 Uhr
Einer der letzten Auftritte der Roßtaler Bayernliga-Handballer vor dem Rückzug 2020: Dominik Schmidt steigt im Pokalspiel gegen Haunstetten hoch.

Einer der letzten Auftritte der Roßtaler Bayernliga-Handballer vor dem Rückzug 2020: Dominik Schmidt steigt im Pokalspiel gegen Haunstetten hoch. © Foto: Oliver Gold/Zink

Mehr Anlauf geht nicht. Im Mai 2020 hat der TSV Roßtal den Aufstieg in die Bayernliga geschafft. Das höchstklassige Männer-Team im Fürther Handballkreis aber bestreitet sein erstes Saisonspiel tatsächlich erst eineinhalb Jahre später, am Samstag, 2. Oktober.


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Der eigentliche Auftakt am vergangenen Wochenende in Rimpar wurde verschoben.

Aufmerksame Leser erinnern sich: Der Verein hat im Herbst vergangenen Jahres all seine Mannschaften zurückgezogen – zu unsicher war den Funktionären um Abteilungsleiter Gernot Winkler die Lage, zu hoch die Ansteckungsgefahr für die rund 300 Mitglieder, zu kompliziert die Hygieneauflagen.

Das Problem war, dass sie mit dieser besonnenen – und nicht überall bejubelten – Entscheidung zwar den späteren Saisonabbruch vorweggenommen hatten, doch nach den strengen Statuten des Bayerischen Handball-Verbands (BHV) wären sie zum Abstieg verdammt worden, ohne auch nur ein Spiel in der Bayernliga genossen zu haben. Erst im Februar nahm der BHV die Entscheidung zurück – der Jubel mitten im Lockdown war beim TSV groß.

Trainer Bernd Hitzler aber erntet die Früchte seiner Arbeit nicht mehr, er hat sich in diesem Sommer entschieden aufzuhören. Gernot Winkler wollte unbedingt zwei statt nur einen Nachfolger installieren: "Wir brauchen für eine Mannschaft zwei Trainer, die auf Augenhöhe arbeiten." Das zeigten Rückmeldungen der TSV-Coaches aus dem Jugendbereich: "Die Trainer sagen, die Auseinandersetzung mit den Eltern ist viel aufwendiger als das Training an sich, da gehen mittlerweile so viele E-Mails hin und her." Und da erst recht bei einer Bayernligamannschaft viel drumherum zu organisieren sei, fiel die Entscheidung auf ein Tandem.

Wolfgang Schmidt zum Dritten: "Toller Mensch und toller Trainer"

Den Partner für den neuen Coach René Gerbing fand Winkler erst vor wenigen Tagen im erfahrenen Wolfgang Schmidt. Während Gerbing nach Bezirksligist Dietenhofen erst zum zweiten Mal ein Männer-Team anleitet, ist Schmidt nach Mitte der Nullerjahre und Mitte der Zehnerjahre bereits zum dritten Mal in Roßtal. "Ein toller Mensch und toller Trainer, der bereits mit Ansbach in der Regionalliga war", beschreibt ihn Winkler.

Über Gerbing verliert er nicht weniger lobende Worte: "Die Lizenzen und die Erfahrung hat, er ist Lehrer und bringt viel mit." Gerbings Vater Herbert ist eine lokale Handball-Koryphäe, allein in Roßtal war er über 50 Jahre im Verein aktiv, trainierte unter anderem Stadeln. Deshalb habe sein Sohn, der das Handballspielen in Roßtal lernte und bereits ab dem Alter von 18 Jahren Jugendteams trainierte, "das Roßtaler Handball-Gen in sich".

Der Haupt- und Mittelschullehrer, Jahrgang 1980, reagiert sehr selbstbewusst auf die Frage, ob er sich dem Amt gewachsen fühle: "In der Jugend habe ich bereits Bayernliga trainiert und kenne viele Spieler aus dieser Zeit, mit ein paar habe ich sogar noch selbst zusammengespielt."

Und genau wie ein Nachwuchsteam gehe René Gerbing auch die Aufgabe bei den Erwachsenen an: "Auch die sind noch lange nicht an ihrem Entwicklungsmaximum angekommen. Es sind keine fertigen Spieler. Man muss lediglich ein bisschen andere Trainingsschwerpunkte setzen." Beim Saisonziel sind sich daher Abteilungsleiter und Trainer einig. Winkler sagt stellvertretend: "Reinschnuppern in die Bayernliga und schauen, was uns da erwartet." Für ihn ist das Jahr 2001 eine Blaupause für das, was nun in Roßtal entstanden ist: "Damals haben wir es nach einem ziemlichen Tiefgang geschafft, wieder in die Landesliga zu kommen mit einer Mannschaft, die eigentlich keine Landesligamannschaft war. Aus dieser Erfahrung heraus sind wir da, wo wir heute sind. Der Grundstock für heute ist dieser damalige Aufstieg." Die Bayernliga sei genau das Niveau, auf dem sich der TSV sieht.

Winkler: "Finanziell bieten wir eh nix"

Einen leichten Dämpfer erhielt Winklers Selbstbewusstsein, als nach dem Aufstieg sein Telefon stillstand: "Wir haben gedacht, dass viele gute Spieler von sich aus zu uns kommen. Aber dem war nicht so. Viele wollen bei ihren Heimatvereinen bleiben." Abwerbungsversuche habe man nicht allzu aktiv betrieben, "finanziell bieten wir eh nix, aber es hat mich schon gewundert, dass da jetzt nicht die Leute Schlange stehen", gesteht Winkler.

Zumal die Auswärtsfahrten auch nicht weiter seien als in der Landesliga: München statt Wunsiedel sei verkraftbar. Und die Debatte um Harz in der Trainingshalle (Sportmeile) und Spielstätte (Mittelschule) ließ sich mit der Kommune ebenfalls einvernehmlich lösen, "wenn wir uns andere Vereine anschauen, haben wir es gut und können uns nur bei der Gemeinde bedanken. In Nürnberg gibt es zum Beispiel keine öffentliche Halle, in der Harzen erlaubt ist".

Für die Reinigungskosten kommt der TSV auf, damit am nächsten Morgen wieder Kinder die Halle benutzen können, ohne in das klebrige Haftmittel zu steigen, das in der Bayernliga Pflicht ist. Als "mittelgut" wiederum bezeichnet Winkler die Entwicklung der Nachwuchsabteilung seit der Corona-Pause: Sieben Jugendspieler haben den Verein Richtung Erlangen und Nürnberg verlassen. "Das tut uns schon weh, weil wir leistungs- und mengenmäßig ein Problem haben, vor allem in der B-Jugend. Wir hoffen, dass sie nach der Jugend vom HBC und vom HCE wieder zurückkommen."

Erfreulich hingegen: Bis zur D-Jugend wiederum seien mehr Kinder angemeldet als vor der Pandemie, "wir dürfen nicht jammern". Das tut ebensowenig René Gerbing über das erste Männer-Team. Seit Corona kamen keine neuen Spieler, dafür haben zwei erfahrene ihre Laufbahn beendet. Der Kader ist 15 Mann stark. Der Ammerndorfer unterrichtet Werken/Gestalten und Ernährung/Soziales – eben einer, der keine Sprüche klopft, sondern mit den Händen arbeiten will. Das wiederum passt zu seinem Saisonziel als Trainer: "Handballerisch weiterentwickeln – das gilt für mich wie für die Mannschaft. Ich will jedes Spiel gewinnen und dann muss man schauen, was möglich ist."

Es kann bis zu sechs Absteiger geben

Präziser geht es ohnehin nicht wegen des Modus‘: Die Bayernligisten sind in zwei Siebenergruppen eingeteilt, wie viele absteigen, steht noch nicht fest. Roßtal startet in der Nordwest-Staffel mit Hin- und Rückspiel. Die ersten Drei spielen den Aufsteiger aus, die letzten Vier die Absteiger. Bis zu sechs Absteiger können es laut Gerbing werden.


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Nur auf eine Frage muss Gerbing mit den Achseln zucken: Wie weit der nächste Aktkalender gediehen ist. Die erste Auflage mit Nacktfotos von Roßtaler Handballern im Winter 20/21 war restlos ausverkauft, die Einnahmen kamen dem pandemiegebeutelten Verein und der "Tafel" zugute. Gerbing muss lachen: "Das ist nicht mein Verantwortungsbereich und als Trainer bin ich da auch nicht involviert. Ich weiß nur, dass es wieder einen geben wird."

Samstag, 2. Oktober, 19.30 Uhr, Mittelschulhalle Roßtal, Wilhelm-Löhe-Straße 17: TSV Roßtal - TSV Friedberg.

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