Die Chancen der Nürnberger

Fünf Ice Tigers beim Deutschland Cup - was passiert bei der Eishockey-WM?

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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9.11.2022, 17:00 Uhr
Auffallend gut: Marcus Weber (links) und Danjo Leonhardt. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Auffallend gut: Marcus Weber (links) und Danjo Leonhardt. 

Am Dienstag hat der Bundestrainer dann auch noch Julius Karrer nachnominiert. Nur einer mehr und der Deutsche Eishockey-Bund hätte für die Reisegruppe aus Nürnberg einen Mini-Bus organisieren müssen. Karrer, Verteidigerkollege Marcus Weber sowie die Angreifer Tim Fleischer, Danjo Leonhardt und Daniel Schmölz treten ab Donnerstag beim Deutschland Cup für die Mannschaft des Gastgebers an. Fünf Ice Tigers für Deutschland, das hat es noch nie gegeben. Allerdings ist der sportliche Wert des Turniers überschaubar. Noch nicht einmal Dänemark (am Donnerstag, 19.45 Uhr, deutscher Auftaktgegner), Österreich (Samstag, 17.30 Uhr) oder die Slowakei (Sonntag, 14.30 Uhr, alle Spiele live bei MagentaSport) treten mit ihren besten Spielern an.

Bei Deutschland haben Leistungsträger abgesagt, die Profis aus der NHL sind ohnehin im November nicht verfügbar. Wie stehen also die Chancen für die fünf Nürnberger, im Mai 2023 auch bei der WM in Finnland und Lettland dabei zu sein?

Der künftige Kapitän

Trotz des immer näher rückenden 40. Geburtstags von Patrick Reimer ist ein Ice Tigers-Spiel ohne den Rekordspieler als Kapitän unvorstellbar. Doch auch wenn das öffentlich nie jemand zugeben würde, in Nürnberg hat man bereits ziemlich konkrete Vorstellungen, wer das C von der ewigen Nummer 17 übernehmen könnte. Julius Karrer ist noch immer eines der besseren gehüteten Geheimnisse in der Deutschen Eishockey Liga. Der 22 Jahre junge Verteidiger fällt kaum auf – offensiv ist das allerdings nur noch eine Frage der Zeit und defensiv nicht erwünscht. Allein der ebenfalls für den Deutschland Cup nominierte Ingolstädter Leon Hüttel hat unter den deutschen U23-Verteidigern knapp mehr Eiszeit. Karrer besticht dabei durch eine Konsequenz und eine Cleverness, die es Bundestrainer Toni Söderholm schwer machen wird, auch bei Großereignissen zu verzichten. Im Mai 2023 kann er sich das noch erlauben.

Der WM-Kandidat

Deutschland hat in den letzten Jahren mit Leon Draisaitl, dem gebürtigen Nürnberger Lukas Reichel, Tim Stützle und JJ Peterka selbst auf höchstem Niveau herausragende Stürmer hervorgebracht, in Moritz Seider aber nur einen Verteidiger. Allein deshalb sollte Marcus Weber schon jetzt zum engeren Kreis der WM-Kandidaten zählen. Denn einen kompletteren Verteidiger mit deutschem Pass findet man in der DEL derzeit nicht. Weber fiel schon in seinem ersten DEL-Spiel durch sein kraftvolles Skating auf, zwischendurch fügte er seinem Spiel krachende Checks hinzu und in dieser Saison mischt er sich immer erfolgreicher in die Offensive ein. Mit zwei Treffern und neun Vorlagen ist er derzeit nach Punkten der zweitbeste deutsche Verteidiger der DEL. Weber ist 30 Jahre alt, in diesem Alter startete auch die Nationalmannschaftskarriere von Patrick Reimer so richtig durch. Sechs Jahre später gewann er Olympisches Silber.

Der Vielseitige

Tim Fleischer hat hingegen noch Zeit. Auch wenn ihm das auf dem Eis nicht ansieht. Fleischer ist ein Antreiber, überall zu finden, meist wenn er einen Gegner überläuft. Der 22-Jährige hat dabei nur ein Problem: Er ist zu vielseitig, kann als Mittelstürmer, Flügel oder Verteidiger spielen, in allen Situationen, in jeder Reihe. Andere fallen da mehr auf. Spätestens beim nächsten Generationswechsel in der Nationalmannschaft aber wird er zum Stammspieler – vor allem wegen seiner Vielseitigkeit.

Der erfahrene Neuling

Danjo Leonhardt hat noch mehr Zeit – und dabei einen Vorteil: Er war bereits im Frühjahr 2022 mit dabei, schaffte es dann aber noch nicht zur WM. In der DEL hat er in der Zwischenzeit als cleverer Zwei-Wege-Mittelstürmer auf sich aufmerksam gemacht. Körperlich muss der 20-Jährige aber noch stabiler werden, zunächst nur in der DEL und beim Deutschland Cup.

Der Torjäger

Seit 2017 gibt es nur acht DEL-Profis, die mehr Tore geschossen haben als Daniel Schmölz – und das unabhängig von der Nationalität. Dabei wird der Allgäuer immer besser. Derzeit ist er wieder Topscorer der Ice Tigers. Im 2022 war der stoische Torjäger bereits bei der WM dabei, es gibt derzeit keinen Grund, warum nicht im Mai 2023 erneut dabei sein sollte.

Ob dann in Lettland und Finnland wieder fünf Nürnberger mit dabei sein werden? Vielleicht, denn mit Torhüter Niklas Treutle, dem formstarken Verteidiger Oliver Mebus und dem 18 Jahre jungen Roman Kechter haben die Ice Tigers weitere Kandidaten zu bieten.

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