Eishockey-WM

Schnell, giftig, emotional: Die Penalty-Niederlage gegen die Schweiz macht Lust auf mehr

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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24.5.2022, 15:11 Uhr
Starker Rückhalt: Auch Philipp Grubauer hatte seinen Anteil an einem famosen Spiel. 

© Peter Schneider, dpa Starker Rückhalt: Auch Philipp Grubauer hatte seinen Anteil an einem famosen Spiel. 

In der Schweiz gibt es mehr Geld für Eishockey-Profis. Die Hallen sind noch ein bisschen voller, die Stimmung ist noch ein bisschen besser. Der Vergleich bleibt reizvoll. Die letzten wichtigen Vergleiche gingen aber nahezu alle an die deutsche Nationalmannschaft: bei der WM 2010, bei den Olympischen Spielen 2018 und zuletzt bei der WM in Riga vor einem Jahr waren immer die schwarzrotgoldenen Adler das Letzte, was die selbsternannten Eisgenossen zu sehen bekommen haben. Dabei wurde historisch gefoult, Tore mit Briefmarkenpotenzial wurden geschossen.

Und auch wenn es dem 29. Aufeinandertreffen in der Geschichte von Eishockey-Weltmeisterschaften am Dienstagvormittag in Helsinki an der unmittelbaren Dringlichkeit mangelte: Das 3:4 (2:1, 0:2, 1:0, 0:0, 0:1) nach Penalty-Schießen war intensiv, rasant, aufregend und der erneute Beweis, dass sich diese beiden Mannschaften wirklich nicht ausstehen können.

Am Donnerstag im Viertelfinale

Bereits nach 60 unterhaltsamen Minuten war die Schweiz Gruppensieger, Deutschland zieht als Zweiter ins Viertelfinale am Donnerstag (Zeit und Gegner noch nicht bekannt) ein.

Die Schweiz hatte zuvor schon nicht ganz unerwartet für die spektakulärsten Auftritte des Turniers gesorgt. Mit Timo Meier, Nico Hischier und Denis Malgin hat Cheftrainer Patrick Fischer herausragende Spieler zur Verfügung. Tatsächlich war die Schweiz mit einer Ausnahme (WM-Silber 2018) zuletzt immer mal wieder hinter den stetig wachsenden Erwartungen zurückgeblieben – was letztlich auch an deutschen Mannschaften lag. Und an diesem Dienstag lieferte das Team von Toni Söderholm und seinen beiden Nürnberger Assistenten wieder seine beste Leistung in der finnischen Hauptstadt ab.

Respektlose Checks

Unter den Augen von Tom Rowe, dem Cheftrainer der Ice Tigers, und Jessica Campbell, die durch ihre zehn Tage in Nürnberg weltweit auf sich aufmerksam gemacht hat, konnte das DEB-Team das hohe Tempo mitgehen und ließ sich auch nicht beeindrucken, als die Schweizer im Schlussdrittel Härte mit Brutalität verwechselten. Dass die Schiedsrichter drei Grenzüberschreitungen gar nicht oder nicht angemessen ahndeten, hat vor allem den Bundestrainer erzürnt.

Mittendrin: Co-Trainerin Jessica Campbell.

Mittendrin: Co-Trainerin Jessica Campbell. © Peter Schneider, dpa

„Für mich komplett unverständlich“, merkte Söderholm sichtlich verärgert an. „Das gehört nicht zum Sport. Wir reden hier über Checks, die nichts mit Respekt zu tun haben.“ Der Finne hatte „katastrophale Entscheidungen“ ausgemacht – „da muss man nicht drüber diskutieren“.

Trotzdem kann man nur hoffen, dass es die Treffer von Kai Wissmann (12. Minute) und Stefan Loibl (16.), vor allem aber die famose Einzelleistung von Matthias Plachta zum 3:3 (49.) sind, die von dieser Niederlage in Erinnerung bleiben. Denn dass sich diese beiden Mannschaften in diesem Turnier noch einmal begegnen, erscheint nach diesem Spiel keineswegs ausgeschlossen und wäre selbst aus neutraler Sicht wünschenswert.

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