Ewige Nummer 17 der Ice Tigers

"Schwierigste Entscheidung": Eishockey-Legende Patrick Reimer beendet seine Karriere

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

E-Mail zur Autorenseite

18.12.2022, 12:03 Uhr
Im Dezember 2023 hat Patrick Reimer mehr Zeit, mit seinem Sohn Toni Plätzchen zu backen. 

© Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa Im Dezember 2023 hat Patrick Reimer mehr Zeit, mit seinem Sohn Toni Plätzchen zu backen. 

Eishockey-Fans weit über Nürnberg hinaus, Trainer, Manager, Sponsoren und Spieler der Ice Tigers hatten diesen Moment gefürchtet, gerade weil sie wussten, dass er unvermeidlich eintreten würde. An diesem 18. Dezember 2022 ist es soweit: Patrick Reimer hat beschlossen, dass er nach 1050 Spielen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), nach 390 Toren, 842 Punkten, nach 105 Länderspielen und einer Olympischen Silbermedaille genug geschossen hat, dass er genug gerannt ist und genug trainiert hat. Der Kapitän der Nürnberg Ice Tigers beendet nach der aktuellen Saison in der DEL seine große Karriere als Spieler.

„Nach der wahrscheinlich schwierigsten Entscheidung meines Lebens bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass es Zeit ist, die Schlittschuhe zum Ende der laufenden Saison an den berühmten Nagel zu hängen“, ließ der 40-Jährige per Pressemitteilung der Ice Tigers ausrichten. „Ich weiß jetzt schon, dass mir jede Sekunde mit meinen Jungs in der Kabine, auf dem Eis und selbst im Bus fehlen wird. Dieser Sport hat mein Leben geprägt und mich Dinge erleben lassen, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen konnte. Noch ist es aber nicht an der Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen. Noch einmal Playoffs spielen und den Traum zu leben, ist das große Ziel, für das wir bis zum letzten Spiel alles geben werden.“

"Vor allem menschlich ein Vorbild"

Am Mittwoch noch war Patrick Reimer der einzige Nürnberger Torschütze beim 1:4 in Mannheim, am Freitag half er mit, den vermeintlichen Siegtreffer beim 2:4 in Straubing vorzubereiten. Sportlich gibt es keinen Grund für Reimer, seine Karriere zu beenden. Mit zehn Treffern und 17 Vorlagen ist er mit 27 Punkten in 30 Spielen Topscorer der Ice Tigers. 108 Mal hat Reimer bislang auf die Tore der gegnerischen Mannschaften geschossen, in der DEL gibt es nur einen Spieler, der aktiver versucht, Treffer zu erzielen.

Aber auch wenn er selbst noch nicht in Erinnerungen schwelgen will, genau damit wird er in den nächsten Tagen konfrontiert werden – und mit Lobpreisungen. Die erste kommt von Stefan Ustorf, dem Sportdirektor der Ice Tigers: „Patrick wird eine riesengroße Lücke hinterlassen, nicht nur in Nürnberg, sondern auch in der DEL und im gesamten deutschen Eishockey. Als einziger dreifacher Spieler des Jahres, Silbermedaillengewinner, Top-Torjäger und Top-Scorer in der Geschichte der Liga hat er der DEL seinen Stempel aufgedrückt. Nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich ist er immer ein Vorbild gewesen. Die Nürnberg Ice Tigers werden Patrick immer dankbar sein für alles, was er für die Organisation und das Nürnberger Eishockey geleistet hat. Wir wünschen ihm und seiner Familie nur das Allerbeste für den nächsten Lebensabschnitt. Für den Rest dieser Saison werden wir alles tun, um dafür zu sorgen, dass Patrick einen gebührenden Abschied bekommt.“

Die 17 wird in Nürnberg nicht mehr vergeben

Im Eishockey werden große Spieler geehrt, indem ihre Nummern nicht mehr vergeben werden. In Nürnberg wird kein Ice Tiger mehr die 4 (Martin Müller), die 7 (Paul Geddes), die 12 (Martin Jiranek) und die 28 (Steven Reinprecht) tragen dürfen. Und nach der Saison kommt auch noch Patrick Reimers 17 dazu. Im Spätsommer/Herbst soll Reimer in Nürnberg noch einmal groß geehrt und sein Trikot unter das Dach der Arena Nürnberger Versicherung gezogen werden.

Der Star der Ice Tigers, ein Sportprominenter in Nürnberg: Patrick auf dem Christkindlesmarkt.

Der Star der Ice Tigers, ein Sportprominenter in Nürnberg: Patrick auf dem Christkindlesmarkt. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa

Wolfgang Gastner, der Geschäftsführer der Ice Tigers, hat schon einmal seine Rede für diesen Anlass vorformuliert: „Mit Patrick verlieren wir den größten Star der Ice Tigers-Geschichte. Ich durfte Patrick im Juli 2012 bei seiner Ankunft in Nürnberg mit empfangen, kenne und begleite ihn folglich seit über zehn Jahren. Sowohl sportlich als auch privat hatten wir seitdem viele gemeinsame Erlebnisse, die ich nicht missen möchte. Patrick Reimer ist nicht nur statistisch, sondern auch für mich persönlich der beste und kompletteste Spieler in der Geschichte der Penny DEL. Patrick war und ist ein Vorzeigesportler, auf den man sich immer verlassen konnte und kann. Ich wünsche ihm, seiner Frau Anja und ihren beiden Kindern nur das Beste für die Zukunft. Patrick wird auch nach seinem Karriereende, das hoffentlich erst im April nach vielen Playoff-Spielen kommt, immer Teil unserer Ice Tigers-Familie bleiben.“

Und dann?

Die DEL-Zentrale hatten Reimer und die Ice Tigers schon vorab informiert. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke würdigt den 40-Jährigen ebenfalls: „Patrick Reimer ist ohne Frage ein Gesicht des deutschen Eishockeys der letzten Jahrzehnte. Vor allem seine Führungsqualitäten auf sowie außerhalb des Eises macht ihn so einzigartig und beliebt. Die Erfolge, die er errungen hat, sprechen zudem für sich. Ich hoffe, dass Reimi den Rest der Saison genießt und dem deutschen Eishockey danach verbunden bleibt. Dazu wünsche ich ihm alles Gute und vor allem natürlich Gesundheit.“

Noch aber wird Reimer weiterspielen, weiterkämpfen und weiter in deutschen Arenen als Spieler zu sehen sein. Am Dienstag (19.30 Uhr) zum Beispiel in Frankfurt und am Freitag zu Hause in Nürnberg gegen Iserlohn.

Legenden unter sich: Martin Müller und Patrick Reimer.

Legenden unter sich: Martin Müller und Patrick Reimer. © Sportfoto Zink / Thomas Hahn, Sportfoto Zink / ThHa


7 Kommentare