1:4 gegen Düsseldorf

Wie ein Geisterspiel: Ice Tigers scheitern an sich selbst

Sebastian Böhm
Sebastian Böhm

Sportredaktion

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30.11.2021, 20:45 Uhr
Im Hintergrund jubelt die DEG. Im Vordergrund hoffen die Ice Tigers, dass es bald vorbei ist.

Im Hintergrund jubelt die DEG. Im Vordergrund hoffen die Ice Tigers, dass es bald vorbei ist. © Thomas Hahn/Sportfoto Zink

Am 8. März 2020 war die Düsseldorfer EG zu Gast. Patrick Reimer erzielte in der Verlängerung das Siegtor. Mehr als 6000 Fans freuten sich auf die Playoffs, während Markus Söder Großveranstaltungen verbot. In den eineinhalb Jahre danach fand in der Arena Nürnberger Versicherung kein Eishockeyspiel vor Zuschauern statt. Am 30. November 2021 war wieder die DEG zu Gast, wieder kündigte der bayerische Ministerpräsident an, bis Jahresende den Stadien Zuschauer fernhalten zu wollen. Und doch war alles anders.

Die Zuschauer, die sich diesmal in der Arena verteilten, waren geimpft, genesen und negativ getestet. Deren Verhalten und Freizeitgestaltung kann niemand für die katastrophale Entwicklung verantwortlich machen. Söder aber sagte, "wenn Weihnachtsmärkte ersatzlos abgesagt werden", seien volle Stadien im Sport einfach nicht vermittelbar. Natürlich sprach der CSU-Politiker vom Fußball. Leere Stadien aber werden wieder für Eishockey, Handball und Basketball zu einem existenziellen Problem. Wolfgang Gastner, Geschäftsführer der Ice Tigers, hatte schon vor der Reduzierung auf 25 Prozent der möglichen Auslastung die Wiederaufnahme des Staatshilfeprogramms ins Spiel gebracht.

F wie Fehlpassfestival

Dass sich die Ice Tigers auf dem Eis von der Stimmung und den Aussichten haben runterziehen lassen, kann man vermuten. Tatsächlich führte die Mannschaft von Tom Rowe beim 1:4 (0:2, 0:1, 0:1) ziemlich konsequent ihre schlechteste Saisonleistung vor. 48,5 Stunden nach dem beeindruckenden 3:1 beim Meister in Berlin war das überraschend.

Chris Brown setzte dabei bereits nach 100 Sekunden den Standard für den Abend. Der Texaner hatte zunächst mehrere Gelegenheiten verpasst, den Puck tief zu spielen, ließ sich dann aus dem Drittel drängen und auch noch von Kyle Cumiskey überlaufen. Nach dem frühen Rückstand wurde es kaum besser. Die Ice Tigers scheiterten oft schon am Überqueren der eigenen blauen Linie. Im Lexikon der Sportphrasen werden die ersten beiden Drittel unter F wie "Fehlpassfestival" eingetragen.

Nur MacLeod trifft

Nach einem Foul von Nick Welsh abseits des Pucks erhöhte Tobias Eder auf 2:0 für die Gäste (18.). Im zweiten Drittel ließen sich die Gastgeber selbst von Düsseldorfs vierter Reihe einschnüren. Das Ergebnis: das 3:0 durch Niklas Postel (29.), nachhaltig kritisiert von den Ice Tigers, weil ein Schiedsrichter offenbar schon vor dem Schuss abgepfiffen hatte.

Nach dem zweiten Seitenwechsel begannen die Ice Tigers physischer. Brown legte sich nach einem Bandencheck an Jake Ustorf mit Joonas Järvinen an und wurde dafür von der eigenen Bank gefeiert. Vor dem Tor aber blieben die Ice Tigers harmlos - bis Gregor MacLeod den Puck über die Linie zauberte (53.).

Schon 172 Sekunden vor dem Ende nahm Rowe Treutle zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, die DEG leistete sich noch ein Foul. Das Power-Play zählt aber auch an guten Tagen nicht zu den Stärken der Ice Tigers. Einen Querpass von MacLeod nutzte Eder zum 1:4 (59.). Am Sonntag spielen die Ice Tigers wieder zu Hause. Dann eher nicht mehr vor Fans.

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