Nur Harnik trifft: Solider Club verliert in Hannover

4.4.2017, 19:22 Uhr
Kurz nach der Halbzeitpause traf Martin Harnik zum 1:0 für Hannover 96 - der Siegtreffer.

© Sportfoto Zink / DaMa Kurz nach der Halbzeitpause traf Martin Harnik zum 1:0 für Hannover 96 - der Siegtreffer.

Ein Punkt trennte die auf Rang vier notierten Niedersachsen vor der 27. Runde von den begehrten Plätzen eins bis drei, heute übernahm der Bundesliga-Absteiger vorübergehend die Tabellenführung. Der 1:0 (0:0)-Erfolg über den personell arg dezimierten 1. FC Nürnberg geriet zur Pflichtübung. Zwischen der Spitzen- und der Durchschnittsmannschaft der Zweiten Liga lag aber deutlich weniger als eine Leistungsklasse.

Österreichs Nationalspieler Martin Harnik erzielte in der 47. Minute den einzigen Treffer des Abends, der auch dank frecher Gäste einen durchaus unterhaltsamen Verlauf nahm. Mit etwas mehr Entschlossenheit und Glück wäre zumindest ein Unentschieden durchaus drin gewesen. Und auch verdient.  

Besonders vor der Pause zeigte der Club vor allem in puncto Torverhinderung ein wirklich gutes Auswärtsspiel. Mit vereinten Kräften hielten sie den Favoriten weg vom eigenen Strafraum und kombinierten sich auch ein paar Mal vielversprechend ins letzte Platzdrittel, wo sich die Nürnberger zunächst aber wie gewohnt schwer taten damit, Chancen zu kreieren.

Beim Gast blieb sogar ein Platz im eigentlich 18-köpfigen Aufgebot frei. Neben den acht Langzeitverletzten mussten kurzfristig auch noch die Herren Margreitter, Matavz, Salli und Petrak wegen muskulärer und anderer Probleme passen, was die ohnehin schwere Aufgabe nicht erleichtern sollte. Als Michael Köllner kurz nach 16 Uhr vom Bus in die Arena schlich, glaubte man, ihm seine Personalsorgen bereits anzusehen. Was er hinterher allerdings nicht näher thematisieren wollte.

Der Oberpfälzer beschäftigt sich viel lieber mit seinem einsatzfähigen Personal, wird aber etwas gebraucht haben, bis seine Aufstellung fertig war. Unter anderem mit Kammerbauer links in einer Dreierkette im Mittelfeld, Kempe vorn rechts und Ishak als einzige Spitze.

Mit insgesamt vier Änderungen im Vergleich zum äußerst zähen 2:1 gegen Karlsruhe am Freitagabend und einem ungewohnten 4-3-2-1-System versuchte Köllner, seiner Not-Elf den nötigen Halt zu geben gegen die beste Heimmannschaft der Zweiten Liga.

Hannover schien den FCN in den ersten Minuten förmlich überrennen zu wollen; bereits nach 30 Sekunden musste sich Schäfer strecken, um Harniks Schuss aus kurzer Entfernung parieren zu können, in der zweiten Minute rettete Mühl in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Füllkrug. Der Ex-Nürnberger ist seit dem Trainerwechsel wieder erste Wahl und hatte bereits neulich nach einem Testspielsieg gegen eine Schalker C-Vertretung getönt: "Zuhause können wir jeden Gegner weghauen." Solange sich die anderen nicht wehren.

Der Club hingegen tat Füllkrug und seinen Kollegen nicht den Gefallen und interpretierte die Dienstreise an die Leine offenbar als spannende Herausforderung. Mit aggressiver, aber fairer Zweikampfführung besonders im Zentrum unterbanden sie etliche Angriffsversuche der 96er bereits nach der dritten, vierten Passstation. Furchtlos warfen sie sich auch die Jüngeren wie Löwen oder Mühl ins Getümmel und forcierten dadurch viele Ballgewinne.

Ihr gefälliger, beherzter aber harmloser Auftritt genügte, um die Partie lange offen zu halten. Kurz nach der Pause bestrafte Harnik mit seiner Direktabnahme nach Füllkrugs flacher Hereingabe von der rechten Seite eine kurze Unachtsamkeit im Defensivverbund der Gäste gnadenlos. Prompt stimmten Hannovers Hardcore-Fans das berühmte Europapokallied an.

Köllners Team riskierte jetzt etwas mehr, näherte sich dem Kasten aber erst in der Schlussphase mehrmals gefährlich an. Behrens verpasste eine Freistoßflanke knapp, Kempes und Kammerbauers Schussversuche aus großer Entfernung schafften es zumindest in die Statisitik, ebenso die eine oder andere Standardsituation. Wirklich in Bedrängnis brachte das die Gastgeber nicht; die besten Möglichkeiten zum Ausgleich vergaben Brecko, dessen Volleyschuss vorbeiflog (74.), Mühls Kopfball klatschte wenig später an den Pfosten. Den nachfolgenden Konter verdaddelten Füllkrug und Harnik einigermaßen dilettantisch.

Durch sind die Roten auch nach dem elften Heimsieg noch lange nicht, dafür sind die Abstände ganz oben viel zu gering. Und selbst ein Verein wie der 1. FC Nürnberg, der bereits im dritten Jahr und vermutlich noch länger festhängt in der Zweiten Liga, ist noch konkurrenzfähig.

+++ Hier gibt's den Liveticker zum Nachlesen+++

Hannover 96: Tschauner - Albornoz, Sané, Hübner, Sorg - Bakalorz, Prib, Schmiedebach, Klaus (64. Meier) - Harnik (85. Karaman), Füllkrug (79. Anton).

1. FC Nürnberg: Schäfer - Brecko, Mühl, Bulthuis, Djakpa (89. Hufnagel) -  Behrens, Kammerbauer, Löwen, Möhwald, Kempe (78. Gislason) - Ishak (67. Baumann).

Tore: 1:0 Harnik (47.) | Gelbe Karten: Sorg (28.), Schmiedebach (39.), Kammerbauer (71.), Schäfer (85.), Bulthuis (86.) | Schiedsrichter: Rohde (Rostock) | Zuschauer: 35.000

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