Plötzlich passiv: FCN verfällt gegen Darmstadt in alte Muster

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Wolfgang Laaß

NN-Sportredaktion

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7.10.2020, 05:55 Uhr
Einen Schritt zu spät: Lukas Mühl (re.) hatte mit Darmstadts Serdar Dursun seine liebe Müh‘ und Not.

Einen Schritt zu spät: Lukas Mühl (re.) hatte mit Darmstadts Serdar Dursun seine liebe Müh‘ und Not. © Foto: Wolfgang Zink

Der neue 1. FC Nürnberg hat jetzt auch einen Publikumsliebling. "Müüühl" riefen erstaunlich viele der 6772 Zuschauer, wenn sich der Innenverteidiger am Montag in Zweikämpfe warf oder kurz am Ball war. Das langgezogene "Müüühl" hätte der Hit des Abends werden können im Max-Morlock-Stadion und vielleicht sogar der nächsten Wochen und Monate.


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Müüühl, Vorname Lukas, von Beruf Innenverteidiger, machte einiges richtig gegen Darmstadt 98, aber eben auch viel falsch und stand damit stellvertretend für seine ganze Mannschaft. Die ihr Trainer ein bisschen überfordert zu haben schien in der Spielvorbereitung und mit seinen bestimmt ausschließlich gut gemeinten Analysen der Stärken und Schwächen von Darmstadt 98.

"Wenn man sich viel mit taktischen Inhalten des Gegners beschäftigt, gehen vielleicht die Basics ein bisschen verloren", meinte Robert Klauß, "Thema Box-Verteidigung, Flanken, Standards." Die eine oder andere Unaufmerksamkeit zuviel kann so schon mal zu einer 2:3-Heimniederlage führen. Wenn auch erst Sekunden vor Schluss und nach zweimaliger Führung.

Mühl, immer wieder Mühl

"Drei Gegentore im Strafraum, sehr ärgerlich", fand Klauß und fanden auch die Zuschauer, zumal ihr neuer Liebling nicht ganz unbeteiligt war am defensiven Durcheinander. Mühl bekam es häufig mit Dursun zu tun und den bulligen Stürmer einfach nicht in den Griff. Vor dem 1:1 (56.) verlor er den Darmstädter kurz aus den Augen, der bereits vor der Pause zweimal hätte treffen können.

Damit aber nicht genug: Dem 2:2 (Mehlem, 76.) ging offenbar ein Missverständnis von Mühl und Sörensen voraus, dem 2:3 unerklärliche Lethargie der ganzen Gruppe nach einem Freistoß aus eigentlich großer Entfernung. Rapp bedankte sich per Kopf in der dritten Minute der Nachspielzeit. Und ließ die externe Einordnung des bis dahin durchaus passablen Nürnberger Saisonstarts plötzlich etwas zurückhaltender ausfallen.

Intern ist ihnen schon klar, dass es nicht einfach wird. Die schlimme Vergangenheit ist ja noch allgegenwärtig, soll den Club aber nicht mehr einholen oder gar belasten. Trotzdem gibt es ein paar auffällige Parallelen zur Katastrophensaison 2019/20, zumal am Montagabend kein Neuzugang in der Startelf stand. Etliche Verhaltensmuster haben sich offenbar in die nächste Runde hinüberretten können. Zum Beispiel die Passivität mit einem Vorsprung im Rücken.

"Es ist ein Prozess"

Sowohl nach dem frühen 1:0 durch Hacks sehenswerten Flugkopfball (3.) als auch nach Lohkempers nicht minder sehenswertem 2:1 (61.) ließ es der Club etwas gemächlicher angehen – anstatt die Gunst der nächsten Minuten unbedingt nutzen zu wollen und Darmstadt nachhaltig zu beeindrucken. Nürnberg fehlte in den entscheidenden Phasen schlichtweg: der Punch, vielleicht auch die geistige Frische, mit und vor allem gegen den Ball. Zumindest Hack hat eine Entschuldigung: Der U21-Nationalspieler erlitt eine Gehirnerschütterung und wird deshalb auch nicht zur Landesauswahl reisen.

"Wir haben unsere Prinzipien beim Verteidigen nicht umgesetzt", klagte Klauß, stattdessen: Plötzlich Manndeckung vor zweiten Angriffswellen der Darmstädter und bei Flanken, "wir antizipieren nicht, wir spekulieren nicht". Was in den ersten beiden Partien noch ordentlich geklappt hatte, ging am Montagabend gehörig schief.


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Klauß wähnte seine Fußballer wohl schon einen Schritt weiter, wollte seine sicht- und hörbare Enttäuschung aber nicht überbewertet wissen. "Es ist ein Prozess", sagte Klauß, niemand sei jetzt tieftraurig, genausowenig sei das 1:0 gegen Sandhausen mit einer ausschweifenden Kabinenparty gefeiert worden.

Torschütze damals: Lukas Mühl, der Publikumsliebling womöglich nicht nur für einen Abend. Den sein Trainer gerne Luki nennt.

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